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Laut und lustig - Schwobbels 60. 

Von Sabine Przewolka

 

Dieser eine Moment verändert sein ganzes Leben. Thomas Heintzmann steht da als junger Mann mit seinem vom ersten Gehalt gekauften Schweißapparat, dunkle Schutzbrille auf und will mit der gewaltigen Stichflamme eine seiner Maschinen umändern. Und plötzlich tauchen seine Kumpels auf und einer ruft begeistert: „Der sieht ja aus wie der Schwobbel aus dem Fernsehen!“ Der Zeichentrick-Hamster Kalle Schwobbel hatte nämlich auch dunkle Ringe um die Augen. Und fortan sagten alle nur noch „Schwobbel“ zum Thomas, der Spitzname steht sogar auf Briefen und Rechnungen. Am Samstag, 26. August 2017 feierte er mit rund 150 Freunden seinen 60. Geburtstag auf dem „Viehhof“ im Vilinger Neuhäuslewald. Zum Höhepunkt gehörte sicherlich die Fahrzeug-Schau, als er seinen großen Schopf öffnete und alle maschinellen Ungeheuer ins Freie auf die Wiese vor dem Viehhof entließ. Da knatterten und röhrten die Motoren, dass die Ohren der Festgesellschaft nur so klingelten. Darunter auch echte Raritäten wie eine Holzspaltmaschine aus dem Jahr 1920.

1956 wirft sein Vater auf einem Bauernhof in Schönenbach den Bulldog an, um die Hebamme zu holen, als die Wehen einsetzen. Doch der Thomas hat es auch da schon eilig und ist auf der Welt, als die Hebamme eintrifft. Sein ganzes weiteres  Leben muss es schnell gehen. Am liebsten mit hoch-PS-igen Autos, Motorrädern oder Marke Eigenbau. Irgendwie ein verrückter Hund mit Benzin im Blut. Die Familie zieht noch einmal nach Schwanenbach im Linachtal um, dann kommen die Heintzmänner 1965 in den Viehhof. Die Eltern leben nicht mehr, aber Thomas wohnt immer noch  in dem Hof beim Pfeiferlochweiher, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen. Anfangs hielt die Familie noch ein paar Kühe und Schweine und immer ein paar Hunde. „Es war immer gefährlich, sich in der Nähe des Viehhofs aufzuhalten“, lacht einer der Festbesucher. Denn beim  „Schwobbel“  geht es oft weinselig und laut zu. Entweder es knallt, röhrt oder johlt. Einmal baut er einen Hubschrauber aus einem VW-Motor. Aber beim ersten Flugversuch zerschellt er am Boden. Seine Leidenschaft für Maschinen bezeichnet Schwobbel selbst mit unnachahmlichem tiefsinnigem Grinsen als „uferlos“.

Seit 45 Jahren steht er als Forstwirt in Diensten der Stadt Villingen-Schwenningen, die für ihre Mitarbeiter im Stadtwald die einsamen Einsiedlerhöfe verpachtet. Für Schwobel ist die einsame Waldlage überhaupt kein Problem, weil er vorher meist noch in das wenige hundert Meter entfernte Gasthaus „Auerhahn“ einkehrt. Dort hockt er gerne am Stammtisch umringt mit Menschen und auch sonst liebt er Feste feiern. Seine jetzige Lebenspartnerin Franziska lernt er vor 16 Jahren eher durch einen Zufall kennen. Sie machen zusammen mit Freunden einen spontanen Urlaub auf Sardinien und sind seither ein Paar.

Die Welt wäre sicherlich um ein paar Farben ärmer, wenn es solche Menschen wie den Schwobbel nicht gäbe.  

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Grenzenlose Freundschaft

Von Sabine Przewolka

 

Was macht eine wahre Freundschaft aus? Zählen wirklich nur wenige Minuten, um einen anderen Menschen gut zu finden? An diesem unscheinbaren Holztisch sitzen an diesem Abend lauter Menschen, die sich 30 Jahre und mehr kennen und mögen. Und welche, die sich eben erst kennen gelernt haben. Ehepaare oder einfach nur  Freunde. Unter dem riesigen Holzschindel-Dach des uralten Schwarzwaldhofs direkt am Donau-Zufluss Breg in Hammereisenbach erzählt Hausherr Krischan Borho, dass auf diesem Tisch zur Schlachtzeit ein, zwei oder auch gar drei Kühe in Teilen liegen. Abgeschnittene Köpfe, blutige Innereien und Fleischstücke. Aber an diesem Abend stehen Bierflaschen und Wein auf dem Tisch und später original Schwarzwälder Spezialitäten wie Schmalzbrot mit Zwiebeln, geräucherte Brat- und Schwarzwurst sowie Quark mit frischen Kräutern aus dem Garten. Und alle Menschen an diesem Tisch reden den ganzen Abend fast nur französisch.

Vor über 70 Jahren zogen nach dem Kriegsende marodierende Streitkräfte der französischen Armee durch diesen südlichen Teil des Schwarzwaldes. In Oberkirnach stellt sich eine Bäuerin im Kobisenhof mit der Mistgabel vor ihre Kuh, weil sie von den Soldaten als Schlachtvieh beschlagnahmt werden soll. Sie wissen nicht, dass diese Kuh einen Namen trägt und die Lebensgrundlage dieser Frau darstellt. Jeden Tag melkt sie das Tier und erkennt an ihrem Ohrzucken, was sie will. Die Soldaten legen das Gewehr an und erschießen kurzerhand und ohne lange zu fackeln die Frau. Auf dem St. Georgener Friedhof gibt es gut ein Dutzend Gräber, die an diese Opfer der grausamen Nachkriegszeit erinnern. Die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort waren und nur deshalb ihr Leben ließen. 

70 Jahre später weht bei Krischan Borho in Hammereisenbach an seinem Weißkopfenhof schon sehr lange die französische Nationalflagge neben der andalusischen.  Die Gäste an diesem Abend werden auf französische Art mit Küsschen rechts und links begrüßt und wieder verabschiedet. Eigentlich fing alles über das soziale Netzwerk  facebook an. Dort lernen sich zwei Frauen kennen, die beide die französische Hunderasse Berger de Picardie lieben, Pferde besitzen und – Motorrad fahren! Wer meint, das Internet schafft nur virtuelle Freundschaften, die sich genauso schnell wieder auflösen wie sie sich finden -  der irrt in diesem Fall. Es schafft vielmehr durch die Interessengruppen die Grundlage, um einfach mehr aufkeimen zu lassen. Und das weltweit! Ein Blinddate wird ausgemacht und so fahren im Sommer 2016 drei Personen und drei Hunde aus dem Schwarzwald zu Corinne in die Auvergne mit ihren ebenfalls drei Hunden, sieben Pferden und ihrem Motorrad. Wie kann es anders sein? Alle verstehen sich auf Anhieb blendend! Und die Schwarzwälder touren rund 200 Kilometer mit Corinne als ortskundigen Touren-Guide durch diese wild-romantische Vulkan-Landschaft. 

Und so stehen Anfang August vier Franzosen mit ihren Motorrädern vor einem Haus in Mönchweiler, das das von Corinne in der Auvergne verdammt ähnlich sieht... Ihre Freunde Patrick, Michel und Pierre begleiten sie bei dieser Tour durch Süddeutschland. Sie machen fünf Tage hier Urlaub und erleben deutsches Familienleben live. Gleichzeitig erkunden sie mit ihren deutschen Gastgebern den Schwarzwald auf einsamen Seitenstraßen zu Aussichts-Plätzen mit magischem Panorama, genießen die weltbeste Schwarzwälder Kirschtorte im Gasthaus „Auerhahn“ mitten im Wald bei Villingen und bekommen Gemütlichkeit und Gastfreundschaft  geboten – auch bei Krischan Borho und seiner Familie. Seine Frau Helga lernt er vor über 35 Jahren kennen und sechs Kinder und ein gemeinsames Landschaftsgärtnerei-Geschäft später haben sie das Rezeptle immer noch nicht verlegt, wie ein friedliches Zusammenleben funktionieren kann.

Auch die anderen am Tisch leben schon über 35 Jahre miteinander zusammen. Als  Ehepaar, wie die Borhos - oder auch gleichgeschlechtlich. Die anderen als treue Freunde, die sich bis heute  immer mindestens einmal im Jahr zum Motorradfahren verabreden oder sich auch sonst regelmäßig treffen. Durch alle Höhen und Tiefen. Durch Schönes und Hässliches. Die Geburten und  Tod von Familienmitgliedern. Erfolge und Niederlagen.

 Früher weideten über 100 Ziegen um den Hof von Helga und Krischan, die ihren außergewöhnlichen Käse sogar an ein Ein-Sterne-Restaurant lieferten.  Aber die Handarbeit mit viel Aufwand und wenig Ertrag lohnte sich nicht mehr. Heute weiden dort nur noch ein paar Angus-Rinder für den eigenen Verbrauch, die dann am Ende auch auf dem Tisch in dieser urigen Küche landen  und ein altes Pferd, das Gnadenbrot bekommt. Sind es die gemeinsamen Erlebnisse, gleich welcher Art, die die Menschen so lange und fest zusammenschweißen? Natürlich bilden gemeinsame Interessen die Grundlage für enge Beziehungen. Aber auch das Interesse am Innenleben des anderen. Vielleicht ist die Antwort auf die Frage, wie Beziehungen auch in einer schnell-lebigen Zeit  über Jahrzehnte vorbei an  Nationalitäten, Alter und auch Andersdenken hinweg  bestehen können, ja  ganz einfach: Das starke, ehrliche  und damit unverwüstliche Gefühl der Liebe.

 

 

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Mein schönstes Geburtstags-Geschenk! Bild: S. Przewolka

Wenn Träume peng! machen

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Von Sabine Przewolka

Zum Geburtstag gibt‘s Geschenke. Ich finde die Zeit davor viel spannender, bis der Zeiger der Uhr die letzte Sekunde vor dem Geburtstag überwindet. Denn bis dahin lässt es sich in Tausend Farben träumen, welche Geburtstagsgeschenke dieses Jahr wohl eintreffen. Mein schönstes ist ein alter Ford Mustang. Genau! In britisch-racing-grün mit riesiger roter Schleife. So wie in den Hollywood-Filmen oder auf DMax bei den Auto-Sendungen, wenn Kinder und Ehefrau ihrem Paps mit viel Tränen ein Auto schenken. In meinen Träumen male ich mir dann aus, wie ich die rote Schleife aufknüpfe und auf den Rücksitz werfe und mit meinen Haaren im Wind durch Villingen brause. Dem Mann mit weißem Business-Hemd im nigelnagelneuen Neunelfer an der Ampel die Schau stehle – allein mit dem Geröhre meines Wildpferdes. Hach! Ich möchte meinem guten Kumpel André Dank sagen, dass er mir in seinem Ford Mustang die Chance gab, diesen Traum einmal auszuleben. Als ich ihm von meinem Traum erzählte, holte er mich einfach zu einer Probefahrt ab.   Und dann saß ich ihm Auto meiner schlaflosen Nächte und es machte peng! Mit einem lauten Knall platzten meine blumigen Phantasiegebilde im Gehirn und prallten an die knallharte Realität, dass es sich eigentlich um ein in rauen Mengen Benzin saufendes altes Auto handelt. Ohne Servolenkung, ohne Fahrkomfort. Und doch habe ich jetzt zum Geburtstag eine Art  Ford Mustang geschenkt bekommen. Mein Rainer hat mir eine Waschmaschine bestellt! Nein, das geht ja gar nicht!  Werden jetzt Frauenrechtlerinnen schimpfen. Und ich gebe ihnen auch absolut Recht.  Aber die alte rumpelte im Keller derart, dass mein Sohn einen Stock höher schon meinte: „Hört sich an, als ob im Keller ein Ford Mustang läuft...!

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<< Offen für eine bunte Welt>

Schwarz-weiß macht die Welt bunt. Hä? Ja genau richtig gelesen. Was auf den ersten Blick als Widerspruch erscheint, macht auf den zweiten Sinn. Die Fotografenkünstler Ralf Wehrle  und Uwe Frank eröffnen hinter dem Arbeitsamt in Villingen ihre neue Galerie „Bovistra“ – von außen ganz in schwarz gehalten -  unter anderem mit den bonbonfarbenen Bildern von Alex Biegler aus Stuttgart und rund 100 Gäste weiden sich mit allen Sinnen. Vor über 20 Jahren boten die beiden mit ihrem Fotostudio „Black & White“ in Mönchweiler schon ein knallhartes Kontra auf einem Markt, der in Farben geradezu schwelgt. Und erlebten einen überwältigenden Erfolg mit ihren Portraits!   

Aber wer von uns bewahrt schon ein Ideenbuch bei sich zu Hause in einer Schublade auf? Abends auf dem Sofa wird es von Ralf oder Uwe hervorgeholt und ein Eintrag gemacht. So entstand in diesem Heim-Kopfkino ganz am Anfang auch die erste Galerie „Bovistra“ an, die die beiden im Dezember 2009 in Stuttgart eröffneten. Seither öffnen sie Nachwuchskünstlern und Menschen, die eine bunte Welt lieben, diese Räume mit wechselnden Ausstellungen  an. Wieder ein Erfolg!

Auch die jetzt in Vilingen eröffnete Galerie Bovistra erlebte schon ein überwältigendes Publikums-Interesse. Das ehemalige Häuschen des Arbeitsamt-Hausmeisters eignet sich dafür hervorragend. Ralf Wehrle und Uwe Frank gestalteten es durch einen Anbau perfekt zu einer Galerie um. Bei ihrem etwa zweijährigen Umbau fing die Kunst eigentlich schon an. Und der Garten eignet sich hervorragend für großräumige Skulpturen. Jeden Donnerstag von 18 bis 20.30 Uhr öffnen sie hier die Türen oder nach Vereinbarung und geben damit der Region einen Farbtupfer mehr. Mit Werken von Christian Herr, Martin von Ostrowski, Zeljko Rusic, Hubert Rieber, Rolant de Beer, Frank Lorenz, Paul Revellio, Johannes Steinert, Badia Azabo, André Wendland, Amelie Kim Weinert, Rainer Simon, Marcus Günther und vielen anderen Künstlern.

Zur Eröffnung gab es in der neuen Galerie Bovistra diese zeitgenössische Kunst zu sehen und eine Einzelausstellung des Stuttgarter Künstlers Alex Biegler. Seine schrei-bunten Bilder halten den Betrachter unwillkürlich im Bann. Zumal Kunsthistorikerin Dr. Beatrice Stemmer die Bilder dem Publikum noch interpretierte. Seit vier Jahren eröffnet sie die Ausstellungen von Ralf Wehrle und Uwe Frank und ihrer Rede ist anzumerken, dass sie die Ideenbücher der beiden sehr schätzt. Die Themen seien breit gefächert und natürlich ging sie auf ein in Kunstkreisen viel beachtetes Projekt der beiden mit Goldfisch „Heinz“ ein. Die beiden fotografierten den kleinen Fisch aus allen möglichen Perspektiven und holten sie in den Blickpunkt des überraschten Betrachters. Wie so ein kleiner Fisch goldig oder Gold wert wird.

Über Alex Biegler sagte die Kunsthistorikerin, dass er die zwei Seiten der Sexualität einer Frau zeige: Hure und Heilige zugleich. Die Galerie Bovistra verspricht also einen spannenden Spaziergang durch die labyrinth-ähnlichen Räume auf zwei Stockwerken. Allerdings ziegt sich die Kunsthistorikerin auch ein bisschen gelangweilt über das Thema zwischen sexuellen Klischees und Provokation. In der Kunst habe Sexualität schon lange als Provokation ausgediehnt. „Wann“, fragte sie, befassen sich Künstler provozierend  mit so brisanten Themen wie Armut, Tod und religiösen Gefühlen?“  Sabine Przewolka  

 

Tipps:

 

- Am Sonntag, 5. Februar 15 bis 18.30 Uhr ist ein offizieller "Tag der offenen Türe in der Galerie "Bovistra" in der Voltastraße 4. 

 

- Kochkunst aus der Region gibt es in der nur wenige Meter entfernt gelegenen Wirtschaft zum Schlachthof von Gabriele Karcher. Hier schmeckt alles ein bisschen anders, besser und vor allem das Preis-Leistungsverhältnis stimmt! Also gleich ein "cool down" nach dem Galerie-Besuch dort einplanen.  

Farbenfrohe Fabelwesen

Von Sabine Przewolka

 

Wer von sich glaubt, ein bisschen verrückt zu sein, der fühlt sich einfach sauwohl bei diesem außergewöhnlichen Spektakel. Zum zweiten Male zauberte Petra Haller ihr magisches Quidditch-Turnier auf dem Sportgelände in Löffingen aus dem Boden und das ließen sich Hunderte Besucher nicht entgehen. Wo in aller Welt trifft ein Normalsterblicher schon auf Wesen wie frisch geschlüpft aus dem Harry-Potter-Romanen? Apropos: Am Zaubertrank-Stand gab es winzige Nußschalen-Drachen zur Aufzucht mit nach Hause. „Aber sehr sorgsam pflegen und auch ein bisschen streng sein, wenn sie frech werden!“ gab Marion Mesle, Mutter von Organisatorin Petra Haller, den neuen Märchenwesen-Besitzern bierernst mit auf den Nachhauseweg. „Dann übe ich mal für Kinder mit ihm“, meinte eine Besucherin und hielt ihren Drachen dabei liebevoll in Händen.

In der Welt der Phantasie nimmt niemand etwas ernst, sondern schmunzelt über diese farbenfrohen Fabelwesen, die aus diesen Untiefen der Gehirnwindungen entspringen. Oder wenn nicht, tut es auch ein George-Clooney-Trunk. Nach dem sehen dann garantiert alle Männer wie der gleichnamige Frauenschwarm aus Hollywood aus...

 Nach viel Spaß sieht auch das Quidditch-Turnier aus, das am Samstag von morgens bis abends auf dem Rasengelände statt fand. Mehrere internationale Mannschaften aber auch Laien traten hier wie im Harry-Potter-Film gegeneinander an. Die Spielregeln wirken auf Anhieb zwar ein bisschen verwirrend, aber trotzdem standen nachher eindeutige Sieger fest, die einen sehr kunstvoll gestalteten  Pokal entgegen nahmen. Hinter dem Quidditch-Turnier stehen ein paar unerschrockene Helfer, zum Beispiel auch Petra Hallers Model-Agentur „Sissis Erben“ in historischen Gewändern, die dieses zauberhafte Spektakel gemeinschaftlich stemmen. Die Stadt Löffingen unterstützt diese Veranstaltung vor allem auch deshalb, meinte ein Vertreter, weil sie viel junges Publikum anzieht.  Im nächsten Jahr findet das Quidditch-Turnier nochmals statt, danach zweijährlich.

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Auf den Spuren des Kronenhirsches

 

Von Sabine Przewolka

 

Vielleicht wie immer ein bisschen in Gedanken versunken wartet Fritz Hahn an diesem Morgen an  seinem Lieblingsplatz im Wald oberhalb von Tunau im Wiesental.  Abstand zu dieser Welt da draußen schaffen. Und dann geschieht dieser magische Moment im Leben eines Jägers, als plötzlich dieser kapitale Kronenhirsch vor ihm auftaucht. Jeder Jäger wartet auf diesen Augenblick, um so eine Trophäe einmal in seinem Leben zu erjagen, erklärt Hans Seger, der Sohn seines gleichnamigen langjährigen Jagdhüters. Fritz Hahn macht in diesem Moment am 30. November 1952 alles richtig, bleibt ruhig, zielt sicher,  es fällt ein Schuss und der Hirsch läuft noch ein paar Meter und bleibt unter einer großen Eiche auf einer großen Wiese liegen. Sicherlich einer der schönsten Plätze zum Sterben mitten in der Natur. Hans Seger erreicht den toten Hirsch zuerst.  Er erinnert sich noch gut an alles, auch wenn es schon 64 Jahre zurück liegt. Und deshalb gibt er bei einem Treffen ein Jahr zuvor das Versprechen, die Nachfahren von Fritz Hahn durch sein  ehemaliges Jagdrevier zu führen.  Das passierte am 1. Mai, genau zum Geburtstag seiner Tochter Rosemarie, die gerne diese Waldbegehung mitgemacht hätte – aber sie verstarb im Januar knapp 91-jährig. Als Seelen  machen sie und ihr Vater diese Wanderung  ganz sicher mit – so oft, wie in diesen drei Stunden der Name von beiden fällt.

 

„Ob sich mein Ur-Großvater wohl über mich freuen würde?“  sagt nachdenklich nachher bei der Heimfahrt Maxi Michna. Wie ihr Freund Dennis ist sie überzeugte Vegetarierin und lehnt es aus tiefstem Innern ab, Tiere zu töten. Ihre Haare sind giftgrün, die Nase gepierct und Tatoos schimmern unterm T-Shirt vor. Und so prallen an diesem Nachmittag im ersten Moment scheinbar zwei Welten aufeinander. Die eines Jägers. Und die eines kompromisslosen Tierschützers.  Aber am Ende merken alle, dass sie sich doch näher scheinen, als anfangs geglaubt – durch die Liebe zur Natur, die Faszination von diesem genialen Räderwerk, bei dem jedes noch so kleine Teilchen Sinn macht, um den Fortbestand zu sichern. Jäger schießen normalerweise nicht die stärksten Tiere, um diese perfekten Kreisläufe der Natur nicht zu stören. Der kapitale Hirsch war damals aber zum Abschuss frei gegeben. Er war mit seinem Rudel kurz vor dem Kriegsende aus einem Rotwildgehege beim Schluchsee einfach in die Wildnis entlassen worden, damit er nicht im Kochtopf der Alliierten landet. Rotwild gehört naturgemäß nicht in den Schwarzwald und richtet dort großen Schaden an. Deshalb halten Jäger den Bestand klein, weil natürliche Feinde wie Wolf und Luchs fehlen.

 

Hans Seger bleibt stehen und zeigt mit dem Finger an eine  Stelle im Wald. Sein feines Auge erblickt kahle Stellen an einem jungen Laubbaum, die ein Bock mit seinem Geweih angerichtet hat. Im Frühjahr wächst das Geweih und bildet den sogenannten Bast, der an solchen Stämmen abgewetzt wird, bis das klassische Geweih darunter hervor kommt. Deshalb gibt es Jäger im Wald, um den Rehbestand so klein zu halten, wie es die natürlichen Feinde täten. Denn sonst entstehen große Schäden an den Bäumen und schmälern den Gewinn. Und der Wald bringt nun mal Geld und ein Reh eher nicht. Erika Seger, die Frau von Hans, erzählt, dass sie früher erlegtes Wild an Privatleute abgegeben hätten. Aber heute nicht mehr, weil sich der Aufwand nicht lohnt. Und bei ihnen kommt Wild eher selten auf den Tisch. Früher eigentlich nur sonntags. „Aber ich war auch lange Zeit Vegetarier“, erzählt sie. Sie stammt aus einer Bauernfamilie und  mit den Schweinen pflegte sie ein freundschaftliches Verhältnis, kannte sie schon als Ferkel. Bei der Haus-Schlachtung hätte ein Schwein so laut geschrien, dass sie nie wieder ein Stück Fleisch angerührt hätte.

 

Das gefällt meiner Tochter. Ebenso Erikas Erzählungen, dass ihr Hans immer mal wieder ein kleines Rehkitz nach Hause bringt, dessen Mutter überfahren wurde. Oder andere hilflose junge Wildtiere wie Füchse, Elstern oder andere Jungvögel. Zehn Rehkitze hat Erika schon groß gezogen, das heißt füttern mit Milchflasche im Drei-Stunden-Takt und gleichzeitiger Massage, um die Verdauung anzuregen. Mittlerweile ist sie Expertin im Aufziehen von Rehkitzen. Alle tragen Namen und der „Felix“ kam sogar mal im Fernsehen. Hier zeigt sich die Naturliebe eines Menschen, der zwar mit Leidenschaft jagt, aber auch mit liebevollen Augen die Not eines Jungtieres sieht, das ohne die Hilfe des Menschen elend  verhungern müsste. „Doppelmoral!“ lästert meine Tochter. Aber sie hört sich gerne die Geschichten von Erika und ihren Rehkitzen an, die immer wieder auf Zuruf zu ihr kamen.

 

Und das große Wissen der beiden Brüder Hans und Bernhard Seger über die Zusammenhänge in der Natur. Sie sehen mehr als andere bei dieser Wanderung durch das 1300 Hektar große Jagdrevier von Opa Fritz. Sie besitzen noch ein Andenken von ihm. Ein “Büchsle“, mit dem ihr Vater Johann, auch „Hans“ genannt, noch 90-jährig einen Bock geschossen hat. Ihr Vater war der Jagdhüter von Fritz Hahn, der ja nur am Wochenende in seine Ferienwohnung in Tunau und in sein Revier kam. Die Segers kundschafteten die Woche über aus, wo sich gerade das Wild aufhält. Und die Brüder trieben dem Jagdpächter oft bei Drückjagden das Wild vor die Flinte. Und Waldarbeiter Hans nutzte später seinen Beruf, um die Wildbestände auszuspähen. Er achtet auf Spuren in der Natur, auf die Stadtmenschen nie merken  würden. Bernhard pflückt Bärlauch am Wegesrand. Er riecht intensiv nach Knoblauch – das Erkennungsmerkmal, um nicht das tödlich giftige Maiglöckchen zu erwischen.

 

Das feine Auge für diese Dinge besitzen aber auch die Nicht-Jäger in der Wandergruppe. Einer entdeckt am gegenüberliegenden Berghang mit bloßem Auge einen Fuchs.  Opa Fritz mochte das Wiesental sicherlich deshalb so, weil der Wald dort immer wieder aufgeht und die Sicht frei gibt auf den nächsten Hang. Und am Ende tritt auch noch ein Reh aus dem Wald heraus. Aber nicht im tiefsten Wald, sondern direkt hinter ein paar Häusern in Tunau. Die Grenzen scheinen sich nicht nur zwischen Jägern und Tierschützern aufzulösen, sondern auch  zwischen Wildnis und Zivilisation. Und so sitzen nachher alle bei vergnüglichem Geplauder am Stammtisch im Gasthaus „Tanne“ in Tunau, an dem auch Opa Fritz nach der Jagd viele Jahre sein Viertele trank. „Dein Ur-Opa hätte dich sicher gemocht, weil du die Natur magst, aber er würde dich nicht auf die Jagd mitnehmen“, beantworte ich die Frage meiner Tochter. Seine Tochter Rosemarie musste auch immer zu Hause bleiben. Immer wenn ein Tier vor die Flinte trat, musste sie niesen...   

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Frank „Panny“ Panthöfer und Simon Dorner erzählten in der Ostbaarhalle in Unterbaldingen von ihrer dreieinhalbjährigen Weltreise mit ihren Motorrädern. Foto: Sabine Przewolka

Innere Reise um die Welt

 

Von Sabine Przewolka

 

Es gibt Erlebnisse, die machen einen anderen Menschen aus dir. Die dreieinhalbjährige Weltreise von Frank „Panny“ Panthöfer und seiner Frau Simon Dorner gehören dazu. Vielleicht aber auch ihr dreistündiger  niemals langweiliger Vortrag darüber, der  am Freitagabend rund 100 Zuhörer in die Ostbaarhalle nach Unterbaldingen lockte. Erhard Gronerth aus Oberbaldingen organisierte diese Multimedia-Show, nachdem er „Panny“ life bei einem Vortrag in Emmendingen begeistert miterlebt hatte.  Im Publikum sitzen Menschen aus der ganzen Region, sogar Vorarlberg, die von so einem Leben träumen wie es auch die beiden Weltenbummler taten, bis sie endlich losfuhren. Ihr Vortrag ist in der reizüberschwemmten  Medienwelt  erfrischend anders, weil er den Zuschauer nicht mit einer Flut von Fotos beballert, sondern mit bewegend und pointierten  Sätzen innehält bei beeindruckenden Landschaftsaufnahmen. Dazu liest „Panny“ markante Textstellen aus seinen Büchern. Denn die Weltumrundung, das betont er mehrfach in den drei Stunden seinem Vortrages, ist eigentlich eine innere Reise.

 

Sie beginnt, als alles in Scherben liegt. Beruflich am Ende, gehen die beiden mit ihren Hondas Transalp XL 700 VA in Canada an den Start. Schon immer träumten sie davon, dauerhaft mit Motorrädern zu reisen. Aber an den dafür notwendigen Lottogewinn glaubten sie nicht mehr. Heute wissen die beiden, dass es auch ohne Geld und Wohlstrand geht, um glücklich und „reich“ zu sein. Der Vortrag enthält viele praxisnahe Tipps, um mit schmalem Geldbeutel und einer Legion von hilfsbereiten Menschen durch die ganze Welt zu kommen. Aber so viel steht nach dem Vortrag  fest: Es ist weit von einem niemals enden wollenden Urlaub entfernt. Es scheint oft harte Arbeit zu sein mit stundenlangem Planen und Organisieren von Visas, Behördenkram und Transporten über Wasser. Am Ende kommen 183 475 Kilometer und 64 Grenzübertritte zusammen.

 

Im Plauderton steht der „Panny“ da vorne und erzählt in amüsanter und niemals langweiliger Art, ein Bierchen nach dem anderen zischend, von diesen Begegnungen  der anderen Art und unvergesslichen Abenteuern. Früher sei das niemals seine Art gewesen. Aber nach einer Weltreise mit allen Höhen und Tiefen kommt der Mensch eben anders wieder zu Hause an.

 

Alle Termine, Kontakt, Webshop und noch mehr Infos auf

 

www.krad-vagabunden.de

 

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Karin Pittner, Leiterin des Brennpunkttheaters, geht nach Berlin. Foto: S. Przewolka

Neue Zeichen für das Brennpunkt-Theater

 

Von Karin Pittner

 

 

Die Bretter, die die Welt bedeuten, sind nicht in Villingen-Schwenningen!
 

Über den Verein Brennpunkt-Theater  mit seinem Sitz in der Doppelstadt gibt es Wissenswertes zu berichten. Die engagierte Leiterin Karin Pittner hat in einer vergangenen Hauptversammlung den Mitgliedern ihr Vorhaben, weiter zu ziehen,  unterbreitet. Seit geraumer Zeit wurde dies intern diskutiert und jetzt ist es raus.
Berlin wird die neue Heimat der Theaterfrau – das Theater und das Ensemble stehen damit hinter ihr. Eine weitere Versammlung im Herbst 2016 wird neue Erkenntnisse erbringen.

 

Traurig ist es nach 16 Jahren bürgerschaftlichem Engagement zu hören, dass sie dem städtischen Windmühlenkampf den Rücken kehrt. „16 Jahre Theaterverein und anerkannte Jugendbildungseinrichtung und keine realistische stabile finanzielle Förderung - ich drehe mich nicht mehr weiter wie ein Hamster im Rad – es ist eine Farce!“ Und so geht wieder einmal eine Kreative aus der Stadt. Mit Inhalten hat die professionelle Schauspielerin, Regisseurin und Sozialarbeiterin (BA) jedenfalls dem Städtchen viel entgegen gebracht. Man denke an die Landesgartenschau in 2010, wo sie mit knapp 100 Menschen das Swano-Komplott, die Geschichte V + S gemeinsam mit Schulen und Theaterschauspielern auf die Beine gestellt hatte, und auf illustere Weise auf neun Stationen tausende von Menschen begeisterte.


Man denke an den Ehrenamtspreis „Echt gut Baden Württemberg“ aus 2012, wo mit etwa  33000 Stimmen der Theaterverein auf den 2. Platz im Ländle kam. Man denke daran, das der Internationale Frauentag am 08.03.2011 mit seinem 100. Geburtstag mit ebenso fast 100 Frauen als ein historischer Frauenmarsch gemeinsam mit dem Frauenforum dem großen Fasnetumzug der Zuggesellschaft durch die Villinger Innenstadt vorausgegangen war. Es gab insgesamt über 20 Inszenierungen. Den Poetry Slam vergrößerte Karin Pittner in der Stadt seit 2009 so, dass auch er im Schnitt 120 Zuschauern anlockt. Ob heißes Eisen, leichte Kost oder Klassiker, alles dies setzte die Kulturschafferin mit Freude um. Zuletzt 15 Jahre Kleinkunstabonnement mit 150 Abonnenten. – Das konnte sich sehen lassen, war mit Spitzenkabarettisten äußerst erfolgreich – aber städtisch nicht gewollt. Freude gab es eben leider nicht auf finanzieller Ebene und Wertschätzung blieb auf kommunaler Ebene leider zu oft aus.

 

Als der Theaterverein im April 2013 in gemeinsamem Schulterschluß mit den Sponsoren die Theaterräume in der Wilhelm-Binder-Straße neu eröffnete, hatten die Mitglieder sich einen großen Traum erfüllt. Nach zwei Jahren und einer „Null-Kommunikation“ von Seiten des Kulturamtes, haben sie die Räume wieder verlassen müssen. Die Inhalte waren eindeutig. Die Kurse sowohl für Kinder und Jugendliche als auch die Mitmachmöglichkeiten für Menschen mit geringem Einkommen, Behinderung oder Migrationshintergrund waren gut frequentiert. Die Werke zum Thema Demenz „Dementieren zwecklos“ als Nachfolgeproduktion zu „Dementus und Dementine“ strahlten weit über die Baden-Würtembergische Grenzen hinaus. Aber kein Geld - kein Wachstum. Traurig, dass es all dies nicht mehr geben soll!

 

Karin Pittner war und ist direkt im Ton, aber nicht barscher wie sich Männer manchmal unterhalten. Dies wissen diejenigen, die mit ihr wirklich gesprochen haben. Sie wehrt sich permanent gegen Schwarzweissmalerei. Sie hat ehrlich ihre Meinung abgegeben – so auch wenn es um Finanzen ging. Sie hat keinem den Bauch gepinselt und nicht zu hohe Forderungen gestellt. Ihre sozialkritischen Inszenierungen waren ein Hinweis am Puls der Zeit und zeigten die Schwächen der Gesellschaft auf. Es gab viele Gönner, aber auch Neider, und leider eben auch an Stellen, wo es um kommunale Zuschüße geht. „Wenn man nicht zu Gesprächen bereit ist, die auf einer Metaebene stattzufinden haben, und ich nur das zu hören kriege, wie „Das was sie können kann ich auch“, ziehe ich nach 16 Jahren meine Konsequenzen." Das Kleinkunstabonnement wurde so platt gemacht und auch die Theaterräume in der Wilhelm-Binder-Straße. Fazit: Ich habe vor allem dem Publikum und meinen Ehrenamtlichen gedient, und diese werden mir es sicherlich nachsehen, dass die Entscheidung nun auch so gekommen ist, denn - sie haben mit mir gesprochen!“
Der Theaterverein bleibt jedenfalls erhalten. Im Herbst werden die weiteren Fakten geschaffen.

 

Astral-Combo macht süchtig

 

 

Von Sabine Przewolka

 

Alles im roten Bereich: Die Astral-Combo gibt am Samstagabend derartig Vollgas im „El Greco“ im Villinger Kurgarten, bis  die ganze Bude mit den rund 300 Besuchern kocht.  Acht Profimusiker, darunter der Vilinger E-Gitarrist Uli Dieser, und eine herausragende Frauenstimme namens Alexandrina Simeon lockten wie jedes Jahr ihre Fans an. Motto in diesem Jahr: "Boys are back in town.“ Hinter dem Konzert der Astral-Combo steckt vor Jahren das innige  Versprechen, sich einmal im Jahr zu treffen, um ein Konzert zu geben. Diesen Spaß außerhalb von Profidenken spürt hier jeder, lässt sich mitreißen von den Musikern, die drei Tage in drei Städten einfach aus purer Leidenschaft für Musik ihr Bestes geben.

 

Aber auch die Besucher sahen rot. Die Fingernägel  von Sängerin Alexandrina blitzten in dieser Farbe im Scheinwerferlicht und sie schien mit ihrer Leidenschaft für Jazz auch ein paar der Bandmitglieder angesteckt zu haben. Diese trugen in derselben Farbe auch einen lackierten Nagel am kleinen Finger. Vielleicht bedeutete der rote Nagellack aber auch ein Symbol, wie sich die Combo im Laufe ihrer dreitägigen Tournee eben auch auf einen gemeinsamen Ton einfärbte. Die jazzigen Elemente jedenfalls tun der Combo gut, weil in den Freejazz-Sessions die Musiker ihr ganzes Vermögen ausspielen können. Die haben es einfach drauf, den Saal zum Brodeln zu bringen. Und genau hier liegt der Grund, weshalb die Astral-Combo in Villingen zu einem Geheimtipp gehört. Da springt der Funke für gute Musik einfach über.

 

Aber nicht nur die Musik stimmt. Auch die Bühnenshow mit coolen Sprüchen sorgt immer wieder für gute Laune im Publikum. Das sang zum Hit „Voulez-vous couchez avec moi ce soir“ sogar begeistert mit.  Alexandrina ermunterte dazu das Publikum. Die klassisch und in Jazz ausgebildete Sängerin stammt aus Bulgarien und singt unter anderem in der Augsburger Big Band „The Hornflakes“. Sie ist aber in unterschiedlichen Stilen zu Hause, brachte eine eigene CD heraus und hat einen Lehrauftrag an der Uni Augsburg. Zum Konzert der Astral-Combo gehört auch, dass alle Musiker nachher im Publikum noch zum gemütlichen Plauschen bleiben. Weil das im Musik-Buisiness  auch eher selten vorkommt, gehört das auch extra erwähnt.

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Süma 2016 - Kontraste

Von Sabine Przewolka

 

Die Süddeutsche Motorradausstellung "Süma" auf dem Messegelände in VS-Schwenningen lockte am Wochenende, 27. und 28. Februar 2016 wieder Tausende Besucher, die neugierig und teils überrascht ein absolutes Kontrastprogramm erlebten. Denn einerseits setzt der Markt auf hochmoderne Technik und fast wie bei Bad Man futuristisch anmutende Optik. Und andererseits steht da auch fast hoch erhobenen Hauptes eine seit Jahrzehnten unveränderte Yamaha SR 500 zwischen all diesen futuristischen Bikes wie ein Fels im Sturm.  Sie wird seit den 70er Jahren unverändert gebaut, weil top-zuverlässig und unkaputtbar. Genauso stolz steht da auch eine neue Triumph im Old-School-Look, Ducati erfand seine Scrambler wieder neu und so fort. Natürlich stehen auf der Süma auch überdimensionierte Boliden wie bei Holister's. Aber von wegen höher - schöner - besser. Es geht auch mit weniger Hubraum Fahrspaß pur zu erleben, zum Beispiel mit der durchdachten Technik der BMW G 310 R. Das 160 Kilo federleichte Teil verspricht Fahrspaß pur vor allem für Einsteiger.

 

 Mike's Stuntshow erwies sich an beiden Tagen als Pulikumsmagnet für große und kleine Motorsportbegeisterte. Immer wenn es leicht aussieht, ist es eigentlich schwer. Und so schien Mike, mehrfacher Landesmeister in verschiedenen Hubraum- und Motorsportklassen, die physikalischen Gesetze auf den Kopf zu stellen. Er fuhr viel auf dem Hinterreifen, egal ob Quad, Trialmaschine, Straßenrenner oder Enduro. Und immer in der Superlative, zum Beispiel mit acht Beifahrern. Das Publikum kam aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und gab ihm gerne High-Five, als er mit einem Poketbike die Absperrung abfuhr.

 

Rainer Sunderer organisiert die Süma ja alljährlich mit einem gut eingespielten Helferteam und bietet so den Schwarzwäldern vor ihrer Haustiere eine breite Übersicht über das, was der Motorradhandel für die kommende Saison bietet. 83 Aussteller - so viele wie noch nie - füllten drei Hallen mit den Neuigkeiten des Marktes.  

Ralf Fieser gehört zum „Turm-Team“ der Glonkigilde und öffnet die gruselige Kerkerkammer im Bickentor Villingen. Foto: Sabine Przewolka

Geschichten über das Bickentor

 

Von Sabine Przewolka

 

Ein bisschen ein Dornröschen-Dasein führt das Bickentor in Villingen. Wie aus einem Märchen sieht es aus, als ob jeden Moment eine Rapunzel ihr Haar aus einem der oberen Fenster hinabwallen lässt oder Frau Holle die Kissen ausschüttelt. Aber nur zur Fasnetzeit geht es um dieses Stadttor mit dem markanten roten Uhren-Ziffernblatt richtig turbulent zu. Die Glonkigilde läutet hier mit richtigen Show-Effekten und einem glamourösen Profi-Feuerwerk die Fasnet ein. Danach versinkt das Bickentor aber wieder wie in einen Tiefschlaf. Und doch bringt eine Spurensuche einige interessante Aspekte zu Tage, zum Beispiel eine gruselig stockfinstere Kerkerstube.

Die öffnet Ralf Fieser mit einem lauten Knarren, dass es einem die Gänsehaut über den Rücken jagt. Er gehört zum „Turm-Team“ der Glonkigilde, die das Bickentor nicht nur zur Fasnetszeit betreut, sondern auch sonst hegt und pflegt. Es gibt sogar ein kleines Zimmerchen, das sich die Glonkigilde hergerichtet hat und das sie bei der Fasnetsuche stets aktiviert. Von hier wird zum Beispiel ein kleines Balkönchen für die Reden angebaut. Für den Publikumsverkehr ist das Tor gesperrt. Genau eine Schulterbreite passt den schmalen Gang hinauf, um  in die oberen Stockwerke zu gelangen. Zwei Menschen kämen hier nur mit großer Mühe aneinander vorbei. In Kriegszeiten ein großer Vorteil gegen die einfallende Feinde, die einzeln ins Visier genommen werden konnten.

Ob das Bickentor aus wehrtechnischen Gründen erbaut wurde oder einfach nur um ein schönes Stadtbild abzurunden – darüber fachsimpeln die Experten. Das Bickentor steht nicht in direkter Linie zur Stadmauer, sondern versetzt um etwa sechs Meter Richtung Innenstadt und damit in einer Linie mit  dem angebauten ehemaligen Kloster und somit „eine Turmstellung der Ästhetik“. Museums-Pädagoge Peter Graßmann argumentiert dagegen, dass so von der Stadtmauer den Feinden quasi in den Rücken gefallen werden konnte. Fest steht, dass zumindest der Holzbalken direkt über dem Torbogen aus dem Jahr 1260 stammt. Der Rest des Bickentores kann zeitlich nicht genau datiert werden, zwar gibt es Urkunden darüber. Aber nichts darüber, wie das Tor damals tatsächlich aussah. Steine erzählen nichts über ihr Alter, nur Holz lässt sich zuverlässig auf Jahreszahlen testen.

Nur einmal stand das Bickentor wirklich als absoluter Mittelpunkt im Stadt-Interesse, weiß Peter Graßmann.  1920 setzte ein  Funkenflug der benachbarten Glockengießerei Grüninger den hölzernen  Dachstuhl in Brand. Der  Feuerwehr gelang es nicht, den Brand in 30 Meter Höhe zu löschen und so kletterten mutige Villinger auf Leitern in die Höhe und löschten das Bickentor eimerweise mit Wasser. Noch heute ist der Abschnitt gut zu erkennen, auf dem das neue Dach wieder auf den alten Mauern aufgebaut wurde. Es gibt von dem dachlosen Bickentor noch einige alte Fotos. Und heute bietet sich im Innern ein imposantes Bild des neuen Ziegeldaches.

Alle  Türme – auch das 1850 mit den vorderen Stadtmauern eingerissene Niedere Tor – enthalten  Kerkerstuben. Darin ließ man Zechpreller oder Diebe ein paar Tage für kleinere Vergehen schmoren. Also im Bickentor löst die Kerkerkammer auf jeden Fall Platzangst aus: Sie ist stockdunkel und nur wenige Quadratmeter groß. Da haben sicherlich manche inbrünstig die Tor-Heiligen Klara und Josef angebetet, um möglichst schnell wieder ans Tageslicht zu gelangen.

 

 

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Der Dachstuhl im Bickentor bietet ein imposantes Bild.
Schuhmacher Willi Felde repariert in seinem Geschäft in der Färberstraße 4 in Villingen auch hoffnungslose Fälle. Foto: Sabine Przewolka

Willis wundersame Welt 

 

 

 

Von Sabine Przewolka

 

Komischer Laden. Der Mann hinter der Theke nimmt das Papiermärkchen mit der Nummer in die Hand und schaut vielsagend darauf. Er grinst und dabei blitzt ihm der Schalk aus den Augen. Und sagt: „Keine Lust gehabt!“ Dabei beobachten seine Augen aufmerksam, wie der Kunde jetzt wohl reagiert. Der steht das  zweite oder dritte Mal schon im Geschäft von Wilhelm „Willi“ Felde in der Färberstraße 4 in Villingen und schaut auf  das markante Lächeln dieses Mannes. „Irgendwann bringe ich ihn um...!“ flüstert eine Frau in der Schlange der Menschen, die sich im Geschäft langsam gebildet hat und diese Szene auch schon mehrfach kennt. Solche Gefühle gibt es nur bei Willi. Da geht die Bühne auf und liegen ihm händeringend die Frauen zu Füssen: „Ich liebe ihn so...!“ Aber sie meinen nicht den Mann in diesem Laden, übrigens schon sehr lange mit seiner Frau verheiratet und Vater von fünf Kindern im Alter von zehn bis 25 Jahren, sondern den Schuh in ihren Händen: „...können Sie ihn retten?“

 

Ja – kann er. Der 52-jährige kann alles, was andere Schuhmacher nicht können. Und deshalb gilt seine Adresse als erste, wenn es um hoffnungslose Fälle geht, die vor allem Frauen vielleicht das Herz brechen. Willi Feldes Ruf geht über die Stadtgrenzen hinaus. Eine Frau kommt extra aus Hornberg angereist, sucht sich durch Villingens Innenstadt, um endlich vor Willi Felde zu stehen und sein Lächeln zu sehen. Er rettet mit routinierten Handgriffen den Lieblingsschuh mit einem kleinen Stück Leder und geschicktem „gewusst wie“. Sein Geschäft bebt manchmal vor Emotionen, vor allem, wenn die Menschen dann den Preis von wenigen Euro erfahren. Willi ist der König, ja vielleicht der Kaiser aller Schuhmacher, weil er alles reparieren kann – wenn er nur will. Nur selten lehnt er eine Arbeit ab. Er lässt sie aber gerne liegen, um zu testen, ob es dem Kunden wirklich ernst ist. Manchmal seufzt er dann und macht den Schuh beim zweiten oder dritten erfolglosen Laden-Besuch vor den Augen des unermüdlichen Bittstellers – aber nur wenn er Lust dazu hat. Das kann gut eine Stunde dauern.

 

Aber im Laden von Willi scheint sowieso die Zeit still zu stehen. Nicht nur weil der Zahn der Zeit hier bei den Schuhen zumindest zurückgedreht wird. Aus alt macht der Willi fast wieder neu. Aus einem vom Hund zernagten Nike-Turnschuh wieder einen Mode-Hit. Oder aus glatten Sohlen rutschfeste, und so fort. Der Spaß fängt bei ihm um 9 Uhr an und hört um 18 Uhr auf, dazwischen mittags eine einstündige Pause. Und dazwischen spielt sich bei ihm im Geschäft das wahre Leben aus Werden und Sterben ab, von Gut und Böse, Freud und Leid. Liegt es an den Kleberdämpfen oder daran, dass die Menschen hier einfach auch Zeit finden, miteinander ins Gespräch zu kommen?   In Willi Feldes Geschäft stehen zwei Stühle, auf denen auch Menschen sitzen, die keine Schuhe reparieren lassen wollen. Sie sitzen nur da und schwätzen. Und schauen genauso neugierig auf die Kunden, denen der Willi „Keine Lust gehabt!“ entgegenschleudert.

 

Die Menschen reden hier über Gott und die Welt, weil der Willi immer einen tiefgründigen Spruch weiß. Auch das „keine Lust“ arbeitet später in einem weiter. Wie oft würden wir im Laufe eines Tages diesen Satz sagen, weil wir das genauso meinen und uns nur nicht getrauen...? Und der Felde macht es einfach! Hut ab! Oder der Willi singt in bester lustvoller Laune  ein Liedchen. Mehrsprachig. 1990 kam er mit seiner Frau aus Kirkisistan nach Villingen und seither hat er die ehemalige Heimat nicht mehr gesehen. Heimat ist für ihn da, wo man sich wohl fühlt. Und er fühlt sich als Villinger und deshalb sind lokalpatriotische Sprüche in seinem Laden nicht selten. Den kennen viele auch deshalb, weil Regisseur Klaus-Peter Karger einen Dokumentarfilm über Wilhelm Felde und sein kleines Reich gedreht hat: "Herr Felde und der Wert der Dinge“ heißt er und wurde 2011 uraufgeführt in Villingen. Er ist als DVD über Amazon für 15 Euro zu bestellen.

 

Aber vielleicht schauen Sie mal in ihren Schuhschrank und vielleicht liegt da ja auch ein Lieblingsschuh im Sterben, den Willi wieder wiederbeleben kann und damit der oberflächlichen Schnelllebigkeit und dem Kaufrausch ein Schnippchen schlägt. Denn dann können Sie und müssen Sie ihn unbedingt live erleben.    

 

Der Traum von richtiger Fasnet

Von Sabine Przewolka

 

Die richtigen Villinger treibt es am Fasnets-Mentig Morgen hinaus auf die Straßen der Innenstadt, um den historischen Maschgere-Lauf der Narrozunft anzuschauen. Was bedeutet „richtiger“ Villinger? Natürlich könnte hier das Maß der Dinge lauten: Die im Stadtbezirk Riet oder Krawazi geboren wurden. Aber dann gäbe es so gut wie keine „richtigen“ mehr, denn Hausgeburten werden immer seltener. Also möchte ich den Begriff „richtig“ auf all diejenigen ausweiten, die Villingen mit seinem Flair und seiner bürgerlichen Eleganz und Mutterwitz von ganzem Herzen lieben.

 

Und genau diese Tausende stehen am Fasnetsmentig Morgen am Straßenrand und rufen den Maschgere, Altvillingerin, Morbili und Narros dann ein kräftiges Narri-Narro zu. Und sie warten auf diesen Moment, der ihnen die Gänsehaut den Rücken hinauf und hinunterjagt. Der Moment, wenn die Stadt- und Bürgerwehrmusik oder eine andere Musikkapelle den Narromarsch anspielt und ungefähr gefühlte 1000 Narros dazu synchron und im Gleichklang der Herzen die Rollen schütteln. Leider fehlte dieser faszinierende Augenblick am Fasnetsmentig in der Rietstraße. Auf den letzten Metern des historischen Umzugs kommt es eigentlich immer zu diesem magischen Moment – aber in diesem Jahr blieb er leider aus. Ein paar Narros fingen zwar vor dem Riettor zu springen an, aber die Welle ging nicht durch alle Reihen hindurch und ebbte schließlich ab.

 

Etwas lustlos fiel auch das Werfen der „Malzer“, Brezeln oder das Geben der Pralinen aus. An der Straße plazierten sich so viele „richtige“ junge Villinger und johlen sich die Kehlen wund – und dann gibt es nur ein einziges „Nimm 2“? Aber klar – der Narro „isch und bliebt halt giezig“. Und manche Wünsche müssen heute mal offen bleiben, weil Träume einfach schön sind. Die Null-Bock-Laune schien wohl auch auf das Pferd vom Narrovater übergegriffen zu haben. Der geübte Reiter stieg sicherheitshalber fürs Publikum ab und lief den Umzug mit Fahne zu Fuß mit - das erste Mal nach rund 40 Jahren. Und jetzt  träume ich von der nächsten Fasnet, dass nicht nur ganz viele richtige Villinger an der Straße stehen, sondern im Häs auch beim Umzug mitlaufen.

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Lebt da wirklich Kater Miau?

Von Sabine Przewolka

 

Mit einem lauten metallischen Klang schließt der riesige Schlüssel das dicke Tor im Wehrgang des Romäusturm auf. Nur wenige Villinger kennen den wohl berühmtesten der Stadttore von innen – alle aber von außen. Denn am Fasnet-Sonntag ab 14 Uhr steht der markante Trutzbau wieder im Mittelpunkt der Fasnet bei der Kater-Befreiung der Katzenzunft „Miau“. In teils heftigem Wortgefecht und viel Brimborium fordern die Narren dann ihre Kultfigur, den „Kater Miau“ von den Rietvögeln wenigstens zur Fasnetzeit zurück „damit er ka uff’d Fasnet gau.“ War da nicht ein leises Miauen beim Eintritt in den Romäusturm zu hören? Lebt der Kater Miau tatsächlich das ganze Jahr in diesem dunklen, etwa fünf auf sechs Meter Grundfläche messenden 32 Meter hohen Turm wie einst der Villinger Lokalheld „Romäus“? Nein, denken sich ja alle, das kann ja gar nicht sein, da wäre ja der Tierschutz schon längst dahinter her.

 

Doch taucht da nach zwei Treppen-Windungen ein kleines gemauertes Zimmerchen auf, an das jemand ein großes Plakat geheftet hat: „Psst – Kater Miau schläft!“ Aha! Doch ein Hinweis, dass hier Tiere in Gefangenschaft halten werden! Zumindest die Kinder glauben fest daran, die Peter Haas „Hasi“ hier durch den Romäusturm manchmal durchführt. Er pflegt den Romäusturm mit gut zehn anderen Helfern. Den Romäusturm umgibt neben den Fakten der ersten urkundlichen Erwähnung um 1390 auch  schon immer etwas Sagenumwobenes. Damals hieß er Michaelsturm. Da wären die Legenden um den Villinger Lokalhelden „Romäus“ alias Remigius Mans, „einem wunderbarlichsten Menschen“, der dem Turm später seinen Namen gab. Der Wirt aus dem Riet beleidigte wohl einen Schulheißen, wurde 1497 in den Turm mit einer List gelockt und dann eingekerkert. Es muss sich um einen riesigen Menschen gehandelt haben, weil er in die zweiten Stockwerke schauen konnte und Bärenkräfte besaß. Ein Stadttor ausRottweil trug er auf seinen Schultern nach Villingen. Und deshalb gibt es auch eine  Sage, wie er es schaffte, aus dem Romäusturm mit seinen fast drei Meter dicken Mauern wieder auszubrechen.

 

Den Bürgern tat der Romäus in Gefangenschaft leid und so warfen sie eine Ziege in sein Verließ. Er  benutzte die Knochen der Tiere als Steighilfe, kletterte in die oberen Stockwerke und seilte sich dann vom Turm ab. In der historischen Stadtführung „Wächters Runde“ wurde das durch bergsteiger-erfahrenen Schauspieler sogar originalgetreu nachgestellt. Die Rietvögel überlegen sich jedes Jahr etwas Neues für die Kater-Befreiung. Der Kater scheint dieses Jahr auch eine sehr sportliche Einlage für seine Befreiung geplant zu haben – so viel sei verraten...

 

Um den zweiten Rietvogel-Bürgermeister Peter Haas arbeiten immer eine Handvoll Männer, die den Romäusturm für die Befreiung mit einem von der Baufirma Hirt kostenlos zur Verfügung gestellten Gerüst sicher herrichten. Früher, so erinnert sich Haas, sei die Katzenmutter Irmgard Langenbacher ohne Geländer einfach auf dem nur wenige Zentimeter breiten Sandstein-Vorsprung in luftiger Höhe mit einem Riet-Polizisten gestanden. Bis vor ein paar Jahren sei der Turm aber auch noch voller Taubenmist gewesen.Heute verhindern das Gitter an allen Öffnungen. Sogar die nachgebauten hölzernen Kanonen in den oberen Schießscharten lassen keine geflügelten Angreifer mehr hinein.

 

Im Laufe der Jahre baute die Stadt Treppen und Geländer ein, um ein abenteuerliches, aber trotzdem recht sicheres Begehen des Turms bis unters Dach zu ermöglichen. Ganz oben weht immer eine gerade passende Fahne. Die Schießscharten lassen einen außergewöhnlichen Blick auf Villingens Altstadt und darüber hinaus zu. Der Turm ist aber regulär für Besucher geschlossen. „Der Turm steht heute noch mit seinen gemauerten Rundbögen“, meint staunend ein Besucher. „...und bei uns müssen Autobahnbrücken schon nach 30 Jahren wieder abgebrochen werden.“

 

Bildtexte: - Peter Haas hat exklusiv für die Südwestpresse das Tor zum Romäusturm aufgeschlossen. 

 

-  Die Helfer um 2. Riet-Bürgermeister Peter Haas (rechts) haben den Romäusturm für die Befreiung am Sonntag ab 14 Uhr schon vorbereitet. Von rechts Ronny Radke, Christoph und Fabian Mittermeier. Oben von links Marc Radtke und Moritz Haas. Fotos: Sabine Przewolka

 

- Die Schießscharten geben einen besonderen Blick auf Villingens Altstadt preis. 

 

- Der Romäusturm ist normalerweise für den Besucherverkehr geschlossen. 

 

- Der sagenumwobene Lokalheld Romäus gab dem Turm seinen Namen. 

 

 

 

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Patrick Weigert vor seinem Blumenlädelchen in der Färberstraße in Villingen.

Blumen sagen mehr als Worte

Von Sabine Przewolka

 

Blumen sagen mehr als Tausend Worte. Insofern gehört der Beruf von Patrick Weigert zu den schönsten auf dieser Welt. Denn der Florist macht Menschen überglücklich. Weil er die Kunst schafft, ihre Gefühle für andere in Blumen auszudrücken. Mit Blumen und Blüten lässt sich alles erzählen  – ohne ein einziges Wort gesagt zu haben. Eine wunderschöne einzelne Blüte bedeutet vielleicht: Ich bin verliebt. Ein Strauß purpurroter Rosen zeigt: Du bist die Liebe meines Lebens. Und ein bizarrer Ast zwischen: Du bist schräg drauf, aber ich mag dich trotzdem…

 

Patrick Weigerts Lädelchen in Villingens Innenstadt neben dem Drogeriemarkt Müller kennen ganz viele Leute. Das liegt nicht nur an den fast aus dem Schaufenster quellenden wunderschönen Dekorationen. Sein „Blumen & Ambiente“-Geschäft sind eigentlich schon ein Stück Villingen. Erst arbeitete nach der Ausbildung als Angestellter in dem kleinen Lädelchen, nach zehn Jahren machte er ihn als eigener Chef neu auf. Und das ist jetzt auch schon wieder einige Jahre her. „Ich mag einfach das ganze Flair in Villingen, am Samstag über den Wochenmarkt zu gehen und später noch ins Eiscafé“, schwärmt er. Sein Herz gehört voll und ganz dem alten Zähringerstädtle genauso, wie brauchtums-orientierten Villinger Vereinen wie der Narrozunft und dem Heimat- und Geschichtsverein. Klar, dass er im Riet -  mitten im Herz von Villingen - mit seinen beiden Perser-Katzen Penelope und dem schneeweißen Casanova wohnt. Weiß heißt auch seine Lieblingsfarbe. Bei den Blumen und Blüten genauso, wie in seiner Wohnung. Kombiniert mit Grün findet er das einfach phantastisch.

 

Doch das bedeutet nicht, dass alle Blumengebinde bei ihm weiß sein müssen. Patrick Weigerts Künstlernatur besitzt ganz viele feine Antennen, um, die Gedanken und Wünsche seiner Kunden in Blumen umsetzen zu können. Manche mögen es eben wild und bunt, andere lieber herkömmlich, aber auch ja nicht langweilig. Für Patrick und seine beiden Mitarbeiterinnen alles kein Problem. Verschiedene Blumen-Themen verwirklicht Patrick Weigert, von alltäglich bis ausgeflippt, für verschiedene Festanlässe bis hin zu Hochzeiten. Ein Highlight stellen auch seine Blüten dar, die als Schmuckstücke wie Ringe und Ohrringe getragen werden können.

 

Woher nimmt Patrick Weigert seine Ideen? Tief in ihm schlummerte es schon als Kind. Mit Vorliebe dekorierte er sein Zimmer damals schon mit bunter Pappe, immer jahreszeitlich angepasst. Heute gibt es bei ihm im Laden nicht nur ausgefallene Blumen-Arrangements, sondern auch sehenswerte Dekorationen, die das Wohnen schöner machen. Die holt er sich beispielsweise bei Messen in Frankfurt, München und Zürich. „Ein Hauch Großstadt für Villingen“, schmunzelt er. Für Deko-Fans jedenfalls ist bei Patrick sicherlich ein Muss-Haben dabei. Und wenn es nur eine Duft-Tüte ist. Seine ausgesuchten Blumen kommen aus ganz Europa. Oder auch von der Wiese nebenan.

Patrick Weigert nahm nämlich in den vergangenen Jahren einen alten Brauch wieder auf. An Fronleichnam scharte er ein paar Freunde um sich und machte in der Oberen Straße einen aufsehenerregenden Blumenteppich. Das wirkte wohl ansteckend. Jedes Jahr machen noch mehr Menschen mit, die ihr Städtchen bunter machen wollen. Weil sie einfach wie Patrick Weigert Lust auf Blumen haben.  Patrick Weigerts „Blumen & Ambiente“ in der Färberstraße 1 in VS-Villingen ist über Telefon unter 0 77 21/ 87 87 136 zu erreichen. Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Freitag 9 bis 18 Uhr, samstags von 8.30 bis 14 Uhr.    

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Kultur trifft auf Kulinarisches

 

 

Von Sabine Przewolka

 

Steckt nicht in jedem von uns ein Robin Hood? Einer, der gegen die ungerechte Obrigkeit rebelliert und trotzdem ein gutes  Herz besitzt?  Der Direktor des Hotels „Waldeck Spa Resort“ in Bad Dürrheim sprach in seinem Haus diesen Satz bei einer Festgesellschaft  mit geladenen Gästen sogar aus dem Innenministerium: „Das hier ist alles Robin Hood!“ Rüdiger Schrenk  meinte damit den Bau seines einzigartigen Holz-Hotels innerhalb weniger Monate, in dem sich heute Menschen mit und ohne Handicap gleichermaßen wohl fühlen. Und mit dem englischen Nationalhelden ging es anschließend weiter bei einem besonderen Event im Haus des Bürgers. Die „Dance Company“ der Polizei Nordrhein-Westfalen führte zweimal im ausverkauften Haus des Bürgers das Benefiz-Musical „Robin Hood“ auf. Die rund 800 Besucher erlebten dort nicht nur einen einzigartigen Kulturgenuss, sondern auch Kochkunst vom Feinsten. Am Ende drängten sich bestimmt über 100 Menschen auf der Bühne, die die beiden Abende gelingen ließen. Der Erlös geht an die Polizei-Stiftungen in Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg , die sich um hilfsbedürftige oder  verletzte Beamte und deren Familien kümmert.

Denn  auch ein noch so starker Robin Hood richtet nichts aus, wenn ihn nicht einige Menschen begleiten, die an ihn und seine Idee glauben.  Deshalb rief Rüdiger Schrenk am Ende auch alle Mitwirkenden auf,  vom 12-jährigen Mini-Koch bis hin zum pensionierten Polizeibeamten ins Scheinwerferlicht auf die Bühne zu kommen. Das setzte dem ganzen erst wirklich eine Krone auf. Die Idee, ein kulturelles Ereignis mit Kulinarischem zu verquirlen entstand vor rund 10 Jahren an der Bar im Hotel Waldeck. Hier trafen zwei Rüdiger aufeinander und plötzlich explodierten bei einem Bierchen die Gedanken. Rüdiger Kelm, das Herz und die Seele der „Dance Company“ und Hotelier Rüdiger Schrenk vom Waldeck organisierten vor rund 10 Jahren das erste Musical in Bad Dürrheim. Und seither gehört der Auftritt an zwei Tagen zu einem festen Bestandteil des kulturellen Jahres-Angebots.

Zum Festakt mit geladenen Gästen kamen bekannte Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft, schauten sich nachher noch das Vorzeige-Hotel aus reinem, hochwertigem  Holz an. Rüdiger Schrenk schwärmte in seiner Rede: „Mondholz aus Schramberg.“  Und trotz der Exklusivität bei den Baumaterialien fühlt er sich als „Haus für jedermann“. So achtsam mit den Baumaterialien und den vielen Details im „Holzhotel“ umgegangen wurde, so sollen auch die verschiedenen Eigenarten der  Gäste im Drei-Millionen-Euro-Bauwerk  wahrgenommen werden. Schrenk: „Eine Gleichwertigkeit des Individuums.“ Und: „Das Haus ist Robin Hood!“

So eingestimmt ließ sich die Festgesellschaft dann in das gleichnamige Musical entführen. Über 35 Polizeibeamte - ausgerechnet! - um Rüdiger Kelm ließen hier eine märchenhafte und turbulente Geschichte  um den Gesetzlosen aus dem Sherwood Forest vor den Zuschauern entstehen.  Es geht um den selbstlosen Einsatz für andere, um echte Liebe aber auch um  gierige Machtgelüste und eiskaltes Kalkül – das wahre spannende Leben also. Rüdiger Kelm inszenierte als Regisseur die mitreißende Show. In vielen Proben studierten die Polizeibeamten wirklich professionell im kaum merklichen Play-Back-Verfahren ein, obwohl manche dafür aus 250 Kilometer Entfernung anreisen mussten. Das ganze Musical sprüht von der Faszination, mit seinen Freunden auf der Bühne anderen Freude zu machen. Und dann bricht Rüdiger Kelm noch vor dem ersten Auftritt zusammen, kommt auf die Intensivstation und überlebt. Eine halbseitige  Lähmung blieb zurück. Die Dance Company weiß noch nicht, ob sie das nächste Jahr weiter macht. Aber die Chancen stehen gut. Robin Hood ist alleine nur ein Held in grünem Fransenkostüm. Aber mit all den anderen Gefolgsleuten eine schillernde Heldenfigur. Und die Dance Company machte ihrem Gründer alle Ehre in Bad Dürrheim.

Denn hinter den Kostümen stecken Menschen wie du und ich. Genau deshalb versteht sich die „Dance Company“ auch als Botschafter der Polizei, um sich aus einer anderen – sympathischeren -  Perspektive zu zeigen. Da geht der Vorhang auf und es tauchen lauter Menschen auf. Nur der böse Sheriff von Nottingham bewegte seine Lippen manchmal nicht so synchron wie die anderen. Dies hatte einen Grund: Der eigentlich Schauspieler bekam weniger Tage zuvor sein erstes Kind und wollte seiner Frau zur Seite stehen. Deshalb sprang einer der Räuber für ihn ein. Marco Jochheim schaffte das mit Bravour. Hand aufs Herz: Sogar in jedem Polizisten steckt eben auch ein Robin Hood.      

 

           

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Arbeit eine schöne Melodie

Von Sabine Przewolka

 

Über 130 junge Menschen probten in der Neuen Tonhalle ihre ganz persönliche Sieger-Pose. Moderator Rolf Benzmann von „Regio TV“ peppte so die Feierstunden bei der Besten-Ehrung der Industrie- und Handelskammer Schwarzwald-Baar-Heuberg,  indem er die jungen Leute mit dieser Aufgabe von den Stühlen riss.   Von den über 2000 Prüflingen beendeten sie ihre Berufsausbildung mit einem Notendurchschnitt von 1,4 oder besser.

 

 IHK-Präsident Dieter Teufel machte sich Gedanken über das vorherrschende Image: „Es klingt manchmal so, als ob Arbeit generell etwas Böses sei, etwas, das nur krank macht.“ Aber Arbeit gehöre zu den schönen Melodien des Seins, eine lebendige Grundlage für unser Leben. Es liege in der Natur des Menschen, Arbeit  als Glück zu empfinden.  Es sei wichtig, den Wohlklang zwischen sinnerfüllender Arbeit, zielgerichtetem Lernen und gelingendem Privatleben zu finden. Nicht immer sei ein Studium in einer fernen Großstadt der richtige Weg, sondern auch eine Lehre mit Bildungsangeboten und einem Beruf hier in der Region.

 

Dazu nannte Teufel die Bundesbesten Valentin Kleber (Baugeräteführer) und die Landesbesten Tobias Kehm (Industrie-Elektriker) sowie Michelle Dolder (Verfahrensmechanikerin für Kunstofftechnik). Es liege an den Unternehmen und auch an den jungen Menschen selbst, dass sie ihr Bestes geben. Jedes Jahr stünden deshalb so viele auf der Bühne, um eine besondere Urkunde in Empfang zu nehmen. Die Region nimmt dadurch eine der besten Plätze im ganzen Land ein. Die Motive erklärten die Geehrten im Interview auf der Bühne so: „Weiterkommen!“ In diesem Jahr starteten wieder 2444 Auszubildende in 968 Betrieben in der Region in ihren Beruf.

 

CDU-Fraktionsvorsitzender Guido Wolf blickte sichtlich zufrieden in den voll besetzten Saal und die Gesichter der Zuhörer: „Ich schaue in ganz, ganz viel Zukunft!“ Es sei eine Generation, die Lust auf Zukunft im Beruf habe:  „Ihr seid Hoffnungsträger und Aushängeschilder unserer Heimat!“ Durch das Duale System bekämen die jungen Menschen einen „Werkzeugkoffer fürs Leben“ in die Hand. Es gäbe auch Flüchtlingen eine bildungspolitische Antwort. Denn nicht immer sei eine Akademisierung das Richtige: „Der Mensch beginnt nicht erst beim Abitur.“ Für  Haupt-Geschäftsführer Thomas Albiez gehört die Besten-Ehrung zum Highlight des Jahres. Der Mittelstand sei ein zentrales Element unserer Wirtschaft und diese Erfolge das Fundament, auf dem alles sicher steht.

Die IHK- Weiterbildungspreise gingen im Bereich Industrie an Werma Signaltechnik in Rietheim-Weiheim, an die Südbadische Gummiwerke Donaueschingen, an Zetec Zerspannungstechnik in Gosheim, an die Volksbank Schwarzwald-Neckar, an den Öschberghof Donaueschingen, an Mitutoyo CTL Germany in Oberndorf und Wienen IT Business Solution in Rietheim-Weilheim.  Die Formation „Jazz Vacation“ von der Musikhochschule aus Trossingen gab dem Abend eine beschwingt-feierliche Note.

 

 

Die Akteure beim dritten Puppentheater- und Märchenerzähler Festival in Villingen-Schwenningen:Links Olaf Jungmann, der Initiator dieser Idee. Foto: S. Przewolka

Phantasie in den Stadtgrenzen

Von Sabine Przewolka

 

Die Kinder übertrumpfen stets den  Kasper, der Seppl oder die Polizei bringen alles in Ordnung und das Ende muss auf jeden Fall gut ausgehen. Beim  dritten Puppenspiel- und Märchenfestival am kommenden Wochenende, 21. bis 23. August  in den Innstädten von Villingen und Schwenningen  geht zwar alles nach gewissen Regeln zu. Aber  dazwischen füllt das gute Dutzend  Künstler die Geschichten mit all ihrer spontan entworfenen Phantasie an und lässt einen unglaublichen Freiraum zu.  Bei einem Pressegespräch stellte Initiator Olaf Jungmann das Programm vor.

 

Als die Landesschau zur Premiere des Puppenspiel- und Märchenfestivals einen Beitrag sendete, da strömten die Besucher nur so und damit ging die Rechnung von Olaf Jungmann auf. Der ging nämlich vorher durchs Städtle und plötzlich kam dem Kleinkunstfan ein Gedankenblitz: Hier vor dieser Kulisse muss man was machen.“ Gesagt, getan und so fand vor drei Jahren das erste Festival statt. Aber erst nach dem Fernsehbeitrag explodierten die Besucherzahlen. Und so hofft Olaf Jungmann, dass die Landesschau im SWR-Fernsehen auch in diesem Jahr etwas über dieses kuriose Festival sendet.

 

Einzigartig deshalb, weil die Akteure für die Kinder nachmittags umsonst spielen. Sie lassen nur nach dem Puppenspiel einen Hut in der Menge herumgehen. Abends auf der Kleinkunstbühne des „Rollmops“-Theater in der Färberstraße 54 kostet es die Erwachsenen einen kleinen Eintrittspreis. Olaf Jungmann wohnt mit seiner Familie in den oberen Stockwerken dieses alten Hauses, aber das Erdgeschoß  steht für alle kleinen und großen Künstler offen, sei es bei speziellen Events oder auch nur bei Kindergeburtstagen.   Und bei dem Pressegespräch sitzen alle Akteure des Puppenspielfestivals in einer Runde und freuen sich jetzt schon auf das Spektakel. Jungmann: „Auch alles lauter Verrückte.“

 

Allen voran die Lokalmatadoren Heinrich „Henry“ Greif, Christel Gerloff, Beate Stuker, Cornelia Schmid, Barbara Riegger, Dagmar Bresinski, die Brüder Gunnar und Magnus Frey sowie Sunna Ott.  Aber es kommen auch Künstler aus Rottweil wie das Ehepaar Maximilliane und Volker Fleig. Ein paar der neun Spielplätze stehen schon fest wie die Seniorenresidenz, die Buchhandlung Hügle, Broghammer, Bennetton Kinder, Osiander und der Muslenplatz in Schwenningen sowie der Mauthepark und die Treppen des evangelischen Gemeindehauses.  Dort halten sich die Puppenspieler zwar an das klassische Konzept von Gut und Böse und die jeweiligen Figuren dazu. Die wandelt die Phantasie aber auch um in Ratten, Eule oder Wildtiere. Aber den Geschichten haucht das Publikum das Leben ein, indem  die Kinder und Erwachsenen ihre Ideen einbringen. Da kann es schon mal um Tod und Teufel wie bei den Puppenspielen im Mittelalter gehen.

 

Aber auch um andere Phantasien, die im Puppenspiel  natürlich ohne jegliches Blutvergießen ausgetobt werden können. Jaques Mehlsack, der beste Koch aller Zeiten alias Olaf Jungmann und sein Gefolge sorgen so am Wochenende vor und in den Stadtkulissen für jede Menge Spaß und Kurzweil. Alle Infos unter der Homepage www.rollmops–theater.de.

 

 

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Die Bollä-Kappä von Gisela Schreiber aus Löffingen (rechts) ist ein Ausdruck der neuen Heimatliebe im Schwarzwald. Sie erlebt gerade einen regelrechten Boom. Foto: R. Michna

Heimatliebe neu entdeckt

Von Sabine Przewolka

 

Immer mehr Menschen in der Region Schwarzwald und Baar entdecken gerade, dass sie in einer Landschaft leben, in der andere Urlaub machen. Jahrelang schien dieses Gefühl für Heimat ein Schattendasein zu führen. Und jetzt entsteht daraus ein regelrechter Boom mit Vorzeige-Wanderwegen, eigenen Mode-Labeln und eigenwilligen – typisch Schwarzwälder - Statements von Firmen zu Produkten aus der Region.

Auf ihr großes Potenzial an idyllischen Waldpassagen, naturnahen Pfaden und phantastischen  Ausblicke setzt die Stadt Villingen-Schwenningen und bekommt dafür das seltene Zertifikat „Premium“ für den Genießer-Waldpfad Groppertal im Villinger Kurgebiet.

 

  Landrat Sven Hinterseh meinte in seiner Rede zur offiziellen Eröffnung, dass jahrelang im Schwarzwald eher ein Blick auf die Industrialisierung geworfen wurde und nicht auf die wundervollen Landschaften und deren Wert für den Tourismus als Expansionsgebiet für die Wirtschaft. Mit diesem Hintergedanken spielen die Initiatoren des Projektes „Wanderparadies Schwarzwald und Alb“. Vor zwei Jahren nahm federführen im Landkreis Michael Braun das Heft in die Hand, um den im Dornröschenschlaf schlummernden Schwarzwald für den Tourismus attraktiv zu machen. Der jetzt eröffnete Genießerpfad im Groppertal bedeutet einen Schritt in diese Richtung, weitere werden folgen.

 

Der Wanderweg, gut sichtbar gekennzeichnet mit einem kleinen roten Bollenhut, gehört zu den ganz wenigen im Land, die die Auszeichnung „Premium“ erhalten haben.

Durch den für den Schwarzwald als Symbol stehenden Bollenhut ließ sich auch Gisela Schreiber aus Löffingen inspirieren. Eher zufällig erfand sie nach einem Tipp von Tochter Lisa die „Bollä-Kappä“, eine Allround-Mütze für Skihang, Freizeitspaß und Hingucker in Städten in der ganzen Welt. Mittlerweile gingen Hunderte Selbstgehäkelte und –genähte aus ihrer Hand, von den Trägern auf eigenen Wunsch farblich gestaltet und mit einem Namensschildchen nach Wahl versehen (www.Bolläkappä.de). Tochter Lisa hielt die klassisch roten Bollen, eigentlich als Handtaschenschmuck gemacht,  im Fünferpack zusammen und meinte zu ihrer Mutter: „Schau mal, das sieht auch gut aus!“ Und heute kann sie sich vor Anfragen kaum retten. Gisi’s Bollenmützen signalieren schon von weitem, dass hier jemand den Schwarzwald liebt.

 

Diese tiefe Liebe zur Region sprudelt wie eine frische Schwarzwaldquelle aus drei Menschen heraus, die sich in der Boutique „Brumm Brumm“ von Heike Brumm in der Brunnenstraße in Villingen vor große Fotos stellen und damit vielleicht auch ein bisschen gegen den Strom der Zeit mit Sommer, Sonne und blauem Himmel schwimmen. Dazu gehört nicht nur der Stolz auf eine der schönsten Landschaften in der ganzen Welt, sondern auch Rückgrat und Stehvermögen.  Fotograf Sebastian Wehrle stellt gerade seine außergewöhnlichen Fotografien von Trachtenträgerinnen mit Piercing oder Tattoos nicht nur bei  Heike Brumm aus, sondern auch an anderen vielbeachteten Stellen, wie zum Beispiel in Kurverwaltungen. Dazu zeigt Gütenbachs Modemacher Jochen Scherzinger sein Lable „artwood“ mit außergewöhnlichen Prints und immer in limitierter Auflage.

Seine T-Shirts zieren unter anderen Fotografien von Sebastian Wehrle. 

 

Er liebt übrigens den Nebel im Schwarzwald. Dieses Grau-in-Grau gibt seinen Bildern etwas Mystisches. Er lebt in Freiamt und geht ohne Kamera nicht aus dem Haus. Vielleicht mag er dieses typische Schwarzwald-Wetter aber auch, weil es im krassen Gegensatz zum Blauen-Himmel-Wunschdenken vieler Menschen steht. Seine Fotos wirken genauso. Trachtenträgerinnen mit Nasen-Piercing und machtvollen Blick kombinieren die ehrwürdige Tradition mit Neuzeitlichem. Und dennoch steckt dahinter spürbar die tiefe Liebe zu dieser Landschaft mit ihren traumhaften Wäldern und Wiesen.

 

Jochen Scherzinger gehört auch zu diesen kauzigen Schwarzwäldern, die trotz Internetzeitalter auf Heimatgefühl setzen und es auch leben. In Gütenbach mitten im Wald bringt er sein eigenes Mode-Label „artwood“ heraus und setzt damit einen Kontrast zur bunten anderen schnell-lebigen Welt. Die Prints zeigen auch historische Fotos mit Schwarzwälder Originalen. Wie das Schwarzwald-Wetter liebt Jochen schwarz und grau und bei ihm im Onlineshop www.artwood.de wird es deshalb auch nie ein oranges T-Shirt geben. An verschiedenen Orten gibt es die T-Shirts, von denen es immer nur genau 100 gibt, auch im freien Verkauf.

 

Öfter verwechselt, aber ein eigenständiges Mode-Label mit Verkaufsshop in Furtwangens Innenstadt und im Internet ist auch das Label „Waldwerk“ (Homepage www.waldwerk.org). Tobias Hollenbach und Ralf Schuler aus Schonach entwerfen und vertreiben die witzigen T-Shirts mit Prints „Wäldermoped“, Wurstsalat, Rampensau, Schwarzwälder Kirschtorte, „Uhrensohn“ und so fort. Warum steht auf der Homepage:  „Der Süden Deutschlands bietet mit seinen unverwechselbaren Menschen und seiner einzigartigen Natur, seinem genialen Dialekt und seinen Sitten und Gebräuchen unzählige Vorlagen, die es wert sind, auf einem Lieblings-T-Shirt verewigt zu werden.“

 

Der Schwarzwälder gilt ja bekanntlich als stur. Anders lässt es sich auch nicht erklären, dass ein erfolgreicher Jungunternehmer sich einem bundesweiten Trend zu Silber und Blau entgegenstellt und die Farbe „Rot“ wie bei den klassischen Bollenhüten verstärkt in sein  Weihnachtsgeschäft aufnimmt. Thomas Wiedmann gehört das Gartencenter Späth „Grün erleben“ zwischen Villingen und Schwenningen und er suchte neben den Trendfarben mit seinen Mitarbeitern in ganz Deutschland rote Dekorationen für Weihnachten. Und fand die meiste bei Händlern in der Region. Sein Kommentar: „Wir sollten uns zu unserer Region bekennen und den Handel vor Ort stärken.“    

 

       

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•Heike Brumm mit ihrem Mops Jackson als Wahrzeichen (von rechts) und Fotograf Sebastian Wehrle mit seinen Models vor der Foto-Ausstellung. Foto: Sabine Przewolka

 

 

 

Hier eine Anfrage von Petra Haller (siehe auch unten, Kontakt zu finden unter www.Sissis-Erben.de:

 

So, liebe Hexen, Zauberer und Muggel,

keine Zeit, auszuruhen, denn am 29./30. August fährt der Hogwartsexpress am Bahngleis 9 3/4. Wen darf ich an Bord begrüßen? Wir haben wieder eine kleine Ausstellung im Museum, ein paar Hütten und natürlich begeistern wir auch wieder im Zug. An zwei Hütten gibt es Zaubertränke und Süßigkeiten, an zwei Stoffkissen und Töpferwaren. Wer möchte noch eine Hütte machen? Bitte melden, ich muss die bestellen.

Hat jemand Lust, "Zaubertränke to go" im Zug zu verticken? Ebenso Süßigkeiten im Bauchladen (Maike, Lust??) Wer mag den Kindern die Märchen von Beedle dem Barden vorlesen? Todesser an Bord? Dementoren? Lehrer? Schüler? Ich bin wie immer für jeden Blödsinn und für alle Ideen zu haben. Ihr müsst es mich nur wissen lassen.

Der Zug fährt Samstag und Sonntag je 10.10 und 14.10 Uhr ab Blumberg.

So, je eher die Antworten kommen, umso besser, denn dann kann ich planen

Magische Grüße, Petra Haller

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Quidditch-Turnier in Löffingen

Von Sabine Przewolka

 

Mit einem Atemzug haucht sie einem Harry-Potter-Roman Leben ein. Der Buchdeckel scheint sich wie durch Magie zu erheben und heraus kommen all diese irrwitzigen Wesen, die uns so in ihren Bann ziehen, weil sie so ganz anders als dieser graue Alltag erscheinen. Am Samstag gelang es der Villingerin Petra Haller in Zusammenarbeit mit der Stadt Löffingen und den vielen Helfern von „Sissis Erben“ rund um die Festhalle und im Sportpark Haslach diese andere kunterbunte und mystische Welt zum Leben zu erwecken. Ein Ziel für einen Familien-Ausflug ins Reich der Phantasie bot somit das erste Quidditch-Turnier in ganz Deutschland. Und ein paar Hundert Neugierige folgten dem Ruf von Petra Haller und den Black Forest Bowtruckles sowie vielen Helfern, die sich spontan über Facebook zu dem außergewöhnlichen Spektakel auf dem Sportpark Haslach, im Museumsstüble, im Schlossgang und vor der Festhalle zusammenfanden.

 

Das ganze fing schon an wie ein abenteuerlicher Harry-Potter-Roman. Jugendliche versuchten nachts in ein Verkaufs-Hüttchen einzubrechen, wahrscheinlich auf der Suche nach Alkoholischen. Eine der Aktiven, anderntags als Hexe unterwegs, wachte schlaftrunken auf und schlug die Einbrecher in die Flucht. Sie war nur mit einem Schlafanzug bekleidet... Bei Petra Haller liefen die Fäden für dieses Event zusammen und in völligem Bierernst erzählte sie im Museumsstüble über die verschiedenen Wesen, die nur manche Menschen wahrnehmen können. Nichtmagische Personen, sogenannte „Muggel“ können diese Phantasiegebilde jedenfalls nicht sehen. Zuvor allerdings ging wie auf Kommando ein großes Donnerwetter mit Platzregen über Löffingen hernieder.

 

Unsichtbar schienen auch die Tricks von Zauberer Kris Beck aus VS-Marbach zu sein. Mit seiner fast clownesk naiven Art zog er das Publikum mit Seil – und Balltricks in den Bann. Sein Großvater Günter Simon brachte ihm Taschenspieler-Tricks bei. Mit vier Jahren beherrschte er schon den ersten Trick, erzählt der heute 18-jährige im Gespräch ganz stolz. Heute bietet er die Zauberei für Feste und Partys an (Handy 0176/ 64 707 117). Kräuter-Expertin Monika Uebersohn aus Schwenningen erzählte an ihrem Stand etwas über die Heilkraft bestimmter Pflanzen – an diesem Tag unter ihrem melodiösen Hexennamen „Aurosa Herbaria“. Zusammen mit anderen Ständen gab es rund um die Festhalle allerlei magischen Schnickschnack. Das nächste Harry-Potter-Event mit magischen Figuren findet am 29. Und 30. August statt. Da fährt der Hogward-Express in Blumberg von Gleis 9 ¾ mit der Sauschwänzle-Bahn weg (mehr Infos unter www.sauschwaenzlebahn.de).

 

Um den Schnatz ging es dann am Nachmittag bei ersten rasanten Quidditch-Turnier auf deutschem Boden. Um den ersten Schwarzwald-Cup spielten rund 40 Frauen und Männer aus ganz Europa. Einer trampte dafür sogar aus Norddeutschland in den Süden. Manche Spieler nahmen sogar an der ersten Weltmeisterschaft vor ein paar Wochen in Italien teil. Das Spiel beeindruckte die recht zahlreichen Zuschauer, weil in den Mannschaften Frauen wie Männer mit- und gegeneinander spielten. Mit einem Plastikrohr zwischen den Füßen, einen Besen simulierend, ging es dann rugby-, völkerball-, handball- und volleyballähnlich über den Platz zu den drei Toren.  Zwar hätte sich Organisatorin Petra Haller noch mehr Publikum gewünscht. Aber die Besucher wünschten sich sicherlich etwas anderes. Nämlich  wie die Veranstalterin mit ernster Miene in ihrem Vortrag erzählte, mache die große Hitze den Schneckenelfen, Hedgehocks und Drachen schwer zu schaffen. Ohnmächtig purzeln sie von den Bäumen und wer sie findet, soll ihnen einfach ein bisschen Wasser einträufeln. Ach, wäre das schön, so ein Wesen zu retten...

 

 

 

Auch für kleine Hexen ist das erste Quiddich-Turnier in Europa ein Muss: Verkleidungen mit Besen auf dem Sportgelände in Löffingen ausdrücklich erwünscht! Foto: Sabine Przewolka
Feierliche Einweihung des neuen Genießerpfades im Villinger Stadtwald mit Oberbürgermeister Dr. Rupert Kubon. Foto: Sabine Przewolka

Neuer Genießerpfad eingeweiht

Von Sabine Przewolka

 

Auf ihr großes Potenzial an idyllischen Waldpassagen, naturnahen Pfaden und phantastischen  Ausblicke setzt die Stadt Villingen-Schwenningen und bekommt dafür das seltene Zentifikat „Premium“.  Vertreter der Stadt, des Landratsamtes und der Sponsoren weihten den mit diesem Prädikat ausgezeichneten Genießer-Waldpfad Groppertal im Villinger Kurgebiet offiziell mit ein paar Ständen und Dixieland-Musik ein. Denn mancher sieht  den Wald vor lauter Bäumen nicht. Landrat Sven Hinterseh meinte in seiner Rede, dass jahrelang eher ein Blick auf die Industrialisierung geworfen wurde und nicht auf die wundervollen Landschaften im Schwarzwald. Aber genau das suchen die Touristen und Urlauber und dahinter steht ebenfalls ein Expansionsgebiet für die Wirtschaft. Mit diesem Hintergedanken spielten die Initiatoren des Projektes „Wanderparadies Schwarzwald und Alb“. Vor zwei Jahren nahm federführend im Landkreis Michael Braun das Heft in die Hand, um den im Dornröschenschlaf schlummernden Schwarzwald für den Tourismus attraktiv zu machen.

Der jetzt eröffnete Genießerpfad im Groppertal bedeutet ein Schritt in diese Richtung, weitere werden folgen. Der Wanderweg, gut sichtbar gekennzeichnet mit einem kleinen roten Bollenhut, gehört zu den ganz wenigen im Land, die die Auszeichnung „Premium“ erhalten haben. Die Kriterien sind streng, der Anteil an asphaltierter Wegestrecke darf zum Beispiel nur 15 Prozent betragen. In enger Zusammenarbeit mit der städtischen Forstamt und den beiden Wandervereinen Schwarzwald und Schwäbische Alb gelang nun eine fast 12 Kilometer lange Rundstrecke vom Kurgebiet an das Gasthaus Breitbrunnen bei Unterkirnach und zurück.

 

Vom Forstamt begleiteten Dr. Tobias Kühn als Leiter und sein Stellvertreter Roland Brauner die erste Besuchertour im Anschluss an den kleinen Festakt auf dem Wanderparkplatz. Wastl Berger und Hans-Peter Müller („Dicke“) umrahmten die kleine Feier mit Dixieland-Jazz, zu der die Anzugsordnung aufgehoben schien - stattdessen waren Wanderschuhe und legerer Freizeitlook angesagt.

 

Und so machten sich rund 50 Wanderer auf die Strecke und ließen sich  viel Heimatgeschichtliches auf der Strecke von Förster Roland Brauner erzählen, zum Beispiel zum Denkmal für Oberförster Ganter. Über das Forsthaus Salvest ging es zum Gasthaus Breitbrunnen, wo die Tour endete und jeder nach eigenem Wunsch den Rückweg wählen konnte. Oberbürgermeister Dr. Rupert Kubon meinte, der Wanderpfad sei ein „ganzheitliches Erlebnis“ aus Natur und Heimatgeschichte und Plätzen, die einladen, mal Pause zu machen. Landrat Sven Hinterseh meinte, dass der Kreis dafür vor etwa zwei Jahren an den Start gegangen sei. Jetzt sei daraus ein „touristischen Mehrwert im oberen Segment“ entstanden.

 

Etwa 37 Wandertouren gibt es in  den Kreisgebieten, allein 20 im Schwarzwald-Baar-Kreis. 140 000 Euro ließ sich die Stadt den Ausbau des Wanderweges kosten, um das seltene Zertifikat zu bekommen. Im Schwarzwald-Baar-Kreis gibt es damit fünf Premium-Wanderwege am Rohrhadtsberg, am Himmelberg bei Öfingen, in der Gauchachschlucht und an der Sauschwänzlebahn bei Blumberg.

 

Die Wanderführer Erich Held und Helmut Brüderle vom Schwarzwaldverein begleiteten den Ausbau des Wanderweges und kümmern sich um dessen Pflege. Ohne die Wandervereine, den Forst und die Reihe der Sponsoren, wie zum beispiel die Stadtwerke Villingen-Schwenningen (dessen Geschäftsführer Ulrich Köngeter sprach zur Eröffnung ein paar Sätze) hätte das Projekt aber nie realisiert werden können. Darüber zeigte sich auch Beate Behrens als Geschäftsführerin von  Wirtschaft und Tourismus Villingen-Schwenningen glücklich. Landrat Hinterseh sprach aus, was alle am Ende dachten: „Ich bin glücklich, dass ich hier leben darf.“

 

               

Die Kunst liegt auf der Straße

Tausende von Besuchern strömten am Wochenende nach Blumberg, um den Künstlern dort bei ihrer Straßenmalerei über die Schulter zu sehen. Um Clemens Benzing herum bildete sich im Laufe der vergangenen vier Jahre ein tolles Helferteam, das das größte süddeutsche Straßenmal-Festival oder modern ausgedrückt Streetart jedes Jahr stemmt. In diesem Jahr kamen nach Blumberg ungefähr 300 Maler und fertigten in zwei Tagen rund 70 Bilder. Das Schöne daran: Da liegen perfekte 3-D-Bilder neben Bildern aus dem Kindergarten oder von Schülern. Und so entsteht ein buntes Miteinander auch unter den Künstlern. Ja, es weht schon ein besonderes Flair durch das Streetart-Festival in Blumberg. Die Stadtkapelle untermalt das Ganze mit Musik und gibt dem ganzen auch noch richtig "Groove" mit Gesangs-Titeln wie "It's raining men". Bei Bilderbuchwetter bot das Festival vor allem am Sonntag jede Menge Kurzweil für die Massen an Besuchern. Vor den großen 3-D-Bildern bildeten sich lange Schlangen, um die Schlange dann auch wirklich perfekt zu sehen. Die Veranstalter stellten 3-D-Lupen dazu auf. Weitere Straßenkünstler unterhielten das Publikum mit lustigen Streichen, Comedy und Akrobatik.

 

Am Ende kristallisierten sich regelrechte Publikums-Lieblinge heraus. Eine Jury ermittelte am Sonntag abend die Besten aus verschiedenen Leistungs- und Alterskategorien. Für die Straßenmaler bedeutete das Festival knallharter Wettbewerb - für die Zuschauer Spaß ohne Ende. Die Gewinner dürfen beim Straßenmal-Festival im französischen Toulon an den Start. << Neues Textfeld >>

Fronleichnam in Villingen 

Kleiner Blick auf die Welt

Zur ersten Info-Veranstaltung über den Besuchs- und Begleitungsdienst mit Hund kamen am Dienstag einige Hundebesitzer zum Malteser Hilfsdienst. Foto: Sabine Przewolka

Hunde tun der Seele gut

 

Von Sabine Przewolka

 

Hunde lösen beim Menschen die unterschiedlichsten Gefühle aus. Die einen meinen: „Och ist der süß!“ „Kann man den streicheln?“ „Darf ich ihm ein Leckerle füttern?“ Und ganz anders die anderen: „Gehen Sie weg mit dem Köter!“ Auf beide Reaktionen bereitet der Malteser Hilfsdienst Schwarzwald-Baar-Heuberg seinen künftigen Besuchs- und Begleitungsdienst mit Hund vor. Die Interessenten an einer solchen Besuchshundstaffel kamen am Dienstagabend zu einem ersten Informationsgespräch in der Villinger Dienststelle Lantwattenstraße zusammen. Acht Personen und neun Hunde hörten sich dazu die ausführlichen Worte von Malteser-Bezirksreferent und Dienststellenleiter  Jörg S. Biesold-Mierell sowie Hundetrainer Matthias Mück an. Gerade dort, wo der Mensch scheitert, da kommen die Besuchshunde zum Einsatz und bewirken oft völlig Überraschendes. Zum Beispiel: Als sich ein Hund in das Bett einer langjährig im Koma liegenden Patientin legt, greift ihre Hand in sein Fell. Menschen reagieren auf Tiere in Sekundenschnelle, fangen an zu lachen oder sie geben wieder Lebensmut, regen längst verloren geglaubte Fähigkeiten wie bei der Koma-Kranken wieder an. Viele Studien belegen, dass Hunde Ängste und Spannungen abbauen.

 

Jörg Biesold-Mierell ergriff deshalb für den Malteser Hilfsdienst die Initiative zu einem Hunde-Besuchsdienst für Altenheime, Kliniken, Kindergärten oder Schulen. Nach der Informations-Veranstaltung beginnt eine mehrstündige Ausbildung von Mensch und Hund, um ein Höchstmaß an Sicherheit für beide Seiten zu bieten, vor allem den Hund nicht zu überfordern und keine Konflikte zu provozieren. Zusammen mit Hundetrainer Matthias Mück geht es dann an die Ausbildung und auch an die Auswahl der Hunde. Nicht alle Vierbeiner eignen sich für so einen Besuchsdienst. Matthias Mück: „Die Hunde sollten  an der durchhängenden Leine laufen und auch in Stress-Situationen friedlich im Umgang sein.“ Er arbeitet im „TeamCanin“ Schwarzwald und gehört der Rettungshundestaffel Hochschwarzwald an, verfügt über mehrjährige Erfahrung in der Ausbildung und Einsatz von Therapiehunden. Der Hunde-Profi verlangt von den Vierbeinern allerdings nur einen Grund-Gehorsam.

 

Im Juli schaut er sich die Hunde und deren Besitzer an mehreren Tagen und über mehrere Stunden auf dem Hundeplatz in Löffingen genauer an und gibt auch Tipps, falls erforderlich. Der Malteser Hilfsdienst übernimmt die Kosten dafür, weil er den Besuchsdienst eine gewisse Qualität geben will. Die Hundebesitzer können sich dann die Einsatzziele selbst aussuchen. Ziel sei, dass sie dann eigenständig einmal die Woche für rund zwei Stunden in diese Einrichtungen nach eigener Absprache gehen. Die Mitgliedschaft beim Malteser Hilfsdienst kostet um die 15 Euro im Jahr und sei wegen der damit verbundenen Versicherung Pflicht. Ansonsten braucht der Hund aber auch noch eine eigene Haftpflichtversicherung. Das ganze erfolgt auf ehrenamtlicher Basis. Die Gruppe trifft sich auch nach der Ausbildung immer wieder zum Austausch. Interessenten können sich über Telefon 07721/ 22 222 über die genauen Termine informieren. Am Ende werden das Zertifikat, die Malteser-Halstücher für die Hunde und die T-Shirts für die Besitzer in einer Feier überreicht. 

 

         

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Willi Lauble im Kreise seiner Familie bei seinem 70. Geburtstag im Januar. Er starb an Christi Himmelfahrt an einer schweren Krankheit. Bild: S. Przewolka

Lieber vorne am Karren 

Von Sabine Przewolka

 

 

Es gibt Menschen auf dieser Welt, die Berge versetzen. Das gelingt ihnen aber nicht allein durch ihren starken Willen, sondern sie ziehen kometengleich eine ganze Menge anderer hinter sich her. Nur dieses Wir-Denken bringt am Ende den wirklichen Erfolg. Vielleicht schaut Willi Lauble aus Hornberg  jetzt auf diesem Kometen zu den vielen Menschen auf der Erde, die er mit seinem Teamgeist angefeuert hat. An Christi Himmelfahrt verstarb er nach kurzer schwerer Krankheit. Er gehört zu diesen Lichtern, die die Welt auch nach dem Tod erhellen, weil sie mit ihrer besonderen Art die Massen bewegen und so Gutes schaffen. Auch wenn sie mit ihrem antreibenden Wesen sicherlich den ein oder anderen zu Lebzeiten nerven. Am Ende aber stehen doch alle da, um gemeinsam eine Veranstaltung zu stemmen – und wenn es nur darum ging, dem Willi zu helfen. Seine Enkelkinder wussten ja schon: „Opa Willi steht bereit, wenn ein Mensch um Hilfe schreit.“

 

Zu seinem 70. Geburtstag blickt Willi Lauble am 3. Januar 2015 in die große Runde seiner Familie und Gäste im Hornberger Gasthaus „Krokodil“  und sagt nachdenklich: „Die Mischung der Gäste ist kurios, bedingt durch mein Leben, das ich geführt habe.“ Keiner merkt ihm an diesem Abend an, dass ihn die schwere Krankheit schon ganz viel Kraft geraubt hat. Beschwingt und munter moderiert er rhetorisch gekonnt den Abend, geht von Tisch zu Tisch und plaudert angeregt. Dann bekommt seine kräftige, aber an diesem Abend sehr raue Stimme einen weichen Tonfall. Margret, seine Frau, macht dieses  kuriose Leben schon  seit über  45 Jahren mit, geht mit ihrem Willi durch dick und dünn und dafür sagt er ihr ganz offiziell ein herzliches Dankeschön.

 

Die ganze Familie mit den beiden Kindern Susanne und Dieter, alle Enkel und die acht Geschwister feiern seinen Geburtstag mit und bescheren ihm ein besonderes Geschenk: Einen Urlaub an Ostern mit der ganzen Familie auf Teneriffa. Es steht auf Messers Schneide, aber er kann trotz gesundheitlicher Probleme diesen anderthalbwöchigen Urlaub noch erleben. Bis zuletzt galt seine Sorge dem Motorsportclub Hornberg, den er mit Freunden vor über 50 Jahren mitgegründet hat und vor allem der Trialsportgruppe. Bis vor wenigen Monaten fuhr er sogar noch aktiv Trial mit. Die Nachricht von seinem Tod kam zwar nicht überraschend, aber erschüttert trotzdem zutiefst. Willi Laubles Herz schlug für Motorräder und den Trialsport. 1967 baute er eine „Adler“ zu einer Trialmaschine um, damit er über Stock und Stein fahren kann. Schon bald fuhr er mit seiner ersten „Ossa“ Wettbewerbe und es scharten sich immer mehr Gleichgesinnte um ihn. In Reichenbach baute er mit den Trialern die Bachhütte seines Elternhauses zu einer Werkstatt um.

 

„Buureknölle sagten die Hornberger zu uns“, schmunzelt der Willi bei seiner Geburtstagsfeier. Er verschaffte sich im Laufe seines Lebens großen Respekt bei den Städtern als Werkzeugmacher, zuletzt technischer Lehrer an der Gewerbeschule und natürlich durch verschiedene Vorstandsämter beim MSC und dem Deutschen Motorsportverband Landesgruppe Baden-Württemberg . 2009 ging er in Rente. Sein Engagement für den Motorsport begründete er damit: „Ich bin ein Mensch, der uneigennützig arbeitet ohne zu fragen was springt dabei für mich heraus. Ich bin zwar dominant, aber Entscheidungen treffe ich im Team.“ Und er mag klare Positionen: „Ich bin lieber vorne und ziehe den Karren, als im Glied zu stehen.“

 

Aber es gab auch Erlebnisse, die er nicht vergisst. Bei der Deutschen Meisterschaft fuhr er in jungen Jahren als Begleiter mit und fühlte sich danach so richtig frei. Vielleicht spürte er so am eigenen Leib, wie sich Engagement in einem Sport auf einen jungen Menschen auswirkt. Deshalb kümmerte er sich mit viel Eifer um die Vereinsjugend und übergibt jetzt sein Werk in viele Hände, die es gewohnt sind, in seinem Fußstapfen zu laufen. Die Frage stellt sich immer, warum ein guter Mensch, der immer sehr gesund und sportlich gelebt hat,  so eine Krankheit bekommt. Aber es heißt „wozu“. Willi Lauble sääte den Samen und sieht jetzt von seinem Kometen zu, wie er prachtvoll aufgeht.

 

 

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Ein besonderes Geburtstagsgeschenk bekam Willi Lauble zum 70. von seinen Geschwistern.

 

 

 

 

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Ein tierisch langes Leben 

 

Von Sabine Przewolka

Ihr Blick sagt alles. Aus diesen dunklen Augen spricht soviel Weisheit wie aus einem ganzen Menschenleben. Vielleicht trägt sie deshalb diesen menschlichen Namen „Sabine“ weil in ihr das Wissen eines ganzen Menschenlebens steckt. Aber Sabine lebt im Panzer einer Schildkröte, gefangen und trotzdem frei zugleich. Denn Schildkröten brauchen nicht viel zum Leben. Sie scheinen deshalb wahrscheinlich völlig fassungslos auf diese hektischen Menschen um sie herum zu blicken. Sie legen sich morgens gerne in die Sonne, trödeln dann ein bisschen von Blatt zu Blatt herum und halten in der Mittagshitze Siesta, kommen abends kurz vor der Dämmerung nochmals auf Touren. „Ich wäre gerne Schildkröte“ denkt sich da der ein oder andere. Und Sabine mit ihren tiefdunklen Augen schaut interessiert und ein wenig belustigt zugleich zurück, als ob sie Gedanken hören könnte.  Sie lebt seit 75 Jahren in ihren Panzer und in derselben Familie – heute freilaufend in einem Garten in Mönchweiler – und gilt sozusagen als „Erbstück“. Barbara „Bärbel“ Ulrich, Wirtin im Gasthaus „Hirschen“ in der Herdstraße 23 setzt sich zum ersten Schildkröten-Stammtisch 2014 hinzu und erzählt ihre Geschichte. Am Ende beschließen alle in der Runde, immer am Weltschildkröten-Tag wieder an diesem Stammtisch zusammenzukommen. Er findet immer am 23. Mai statt – so auch 2015 – und das schon seit 1990. Interessierte gleich den Termin notieren!

Denn wer Schildkröten mag und sich mit dem Gedanken trägt, sich eine zuzulegen, der muss mit einer hohen Lebensdauer rechnen. Und für über 100 Jahre reicht ein Menschenleben eben nicht aus. Wer sich eine Schildkröte anschafft, sollte sich deshalb  sein ganzes Leben für diese eigenwilligen Reptilien entscheiden. „Das ist ja wie ein Tatoo“, diskutiere ich mit meiner Tochter, „das muss ja auch ein Menschenleben lang okay sein.“ „Ne, eine Schildkröte setzt man einfach irgendwo ins Gras und ist sie los“, antwortet sie blitzgescheit. Und genau hier liegt der Knackpunkt, warum so viele Menschen Schildkröten lieben. Sie schauen einen mit tiefsinnigem Blick an. Nein, mein Hanky guckt mich sogar bis über beide Ohren verliebt an. Ganz sicher! Aber sie brauchen nicht dreimal am Tag Gassi gehen, fressen Löwenzahn und Kräutlein aus dem Garten und nicht teures Sheba und schlafen tief und fest ein ganzes halbes Jahr. Aber hier setzt auch die Kritik an. Schildkröten sind Wildtiere und auch aufwändig artgerecht gestaltete Außengehege mit Frühbeeten können diesen Tieren eines hier in Europa nicht zurückgeben: Ihre Freiheit! Obwohl eine kleine Schildkröte wohl auch eingebuddelt den Schwarzwaldwinter mit minus 20 Grad überlebt hat... Aber Sittiche aus den Tropen leben ja auch hier in Parks. Jeder mag sich selbst darauf eine Antwort geben und damit leben. Eines steht fest: Schildkröten sind Tiere zum Beobachten und nicht zum Streicheln und tun dem Menschen gut, weil er sie einfach nur anschaut und so den Focus auf etwas anderes bringt als seine Alltagssorgen.  

Die wenigsten machen sich bewusst, wie lange so ein Schildkröten-Leben dauert, wenn sie eine ein- oder zweijährige kaufen. Die Geschichte von Sabine macht das deutlich. 1938, als Deutschlands dunkelste Geschichte beginnt, kommt die griechische Landschildkröte etwa sieben-achtjährig in die Familie Grundel, die damals in Bruchsal lebt. Winfrid Grundel bekommt sie von seiner Cousine zu seinem 6. Geburtstag geschenkt.  Er liebte seine Sabine heiß und innig. Vielleicht auch, weil er ohne seine Mutter aufwuchs, die bei seiner Geburt gestorben war. Die Sorge um seine Sabine ging über seinen Tod hinaus. Denn er regelte zuvor, dass seine Frau Erika ihre Pflege dann übernimmt. Erika Grundel ist am Sonntag, 10. Mai, verstorben. Ihre Tochter Bärbel Ulrich sucht schon früh nach einem schönen Plätzchen für Sabine – und findet eines bei mir im Garten beim ersten Schildkröten-Stammtisch in Mönchweiler!

„Was wir alles erlebt haben mit Sabine!“ erzählt Bärbel beim Schildkröten-Stammtisch. Ganz Mönchweiler kennt sie, mittlerweile auf die stattliche Größe eines halben Fußballes angewachsen. Denn immer wieder brach sie aus ihrem Gehege und dem Garten aus und fand aber durch Mund-zu-Mund-Propaganda  oder Inserat im Gemeindeblättle auch immer wieder zurück. Einer bringt sie mal im Schubkarren wieder. Nur einmal blieb sie erschreckend lange weg. Genau zu dem Zeitpunkt, als Erika Grundel wegen einer Herzoperation im Krankenhaus lag. Die Entlassung rückte immer näher und schließlich beichtete Bärbel ihrer Mutter, dass Sabine verschwunden sei. Die schüttelte nur den Kopf und meinte: „Die ist nicht weg, warten wir’s ab wenn ich nach Hause komme.“ Und tatsächlich ruft Erika Grundel bei ihrer Rückkehr ein paar Mal im Garten „Bienele, Bienele!“   Und schwups krabbelt Sabine mit sichtlicher Freude unter einem dichten Busch hervor, den Bärbel aber mehrfach vorher durchsucht hatte.

Wie eine griechische Landschildkröte so alt wird? Sabine frisst eigentlich alles, was Reptilien-Experten verbieten: Tomate, süße Erdbeeren und die Krönung ein in Milch eingetauchter  Wecken... Sie liebt es  in warmem Wasser gebadet und dann mit Penatenöl gepflegt zu werden. Aber Sabine scheint einfach nicht in dieses normale Schema zu passen. Vor 25 Jahren kam ein Schildkröten-Männchen in ihr Leben, weil die Familie Grundel dachte, sie sei dann nicht so allein. Sie boxte es in Männchen-Manier irgendwann durch den Garten und drehte es auf den Rücken. Die Grundels fanden die Schildkröte, aber sie war schon tot. Was wird Sabine mit meinen beiden in Afrika beheimateten Breitrand-Schildkröten tun, die zwar genetisch verwandt, aber nur unfruchtbare Nachkommen zeugen können? Was tippen Sie? Nein! Alle drei ignorieren sich und liegen völlig friedlich im Kuschel-Modus unter der Wärmelampe. Der Verdacht liegt nahe, dass Sabine vielleicht gar keine Schildkröten-Dame ist...?   Schildkröten-Züchter Alexander Eiternick, der den Stammtisch mit seiner absolut toleranten und freundlichen Art bereichert, stellte bei seinen Schildkröten allerdings auch fest, dass sie manchmal völlig andersgeschlechtliches Verhalten zeigen. Da buddeln die Männchen plötzlich wie zur Ei-Ablage Löcher und die Weibchen kämpfen in Männer-Manier. Egal – Sabine schaut einen mit ihren großen dunklen Augen an und jeder weiß in diesem Moment, wer hier das Sagen hat.  

 

 

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Hebammen-Flashmob am Mittwoch durch die Villinger Innenstadt. Bild: S. Przewolka

Gefahr für guten Lebens-Start 

Heike Brumm mit ihrem Markenzeichen Mops Jackson im Arm und Fotograf Sebastian Wehrle vor den Ausstellungsbildern - links die Models. Bild: S. Przewolka

Stolz auf den Schwarzwald

 

 

Von Sabine Przewolka

 

Diese tiefe Liebe zur Region sprudelt wie eine frische Schwarzwaldquelle aus allen dreien heraus. In der neu eröffneten Boutique „Brumm Brumm“ von Heike Brumm in der Brunnenstraße in Villingen treffen drei besondere Menschen aufeinander, die mit Stolz zum Schwarzwald, seinen rauen aber herzlichen Menschen und dem typischen nass-kalten Wetter stehen. Und damit vielleicht auch ein bisschen gegen den Strom der Zeit mit Sommer, Sonne und blauem Himmel schwimmen. Dazu gehört nicht nur der Stolz auf eine der schönsten Landschaften in der ganzen Welt, sondern auch Rückgrat und Stehvermögen.  Noch bis 16. Mai stellt Fotograf Sebastian Wehrle seine außergewöhnlichen Fotografien von Trachtenträgerinnen mit Piercing oder Tattoos bei  Heike Brumm aus, dazu zeigt Gütenbachs Modemacher Jochen Scherzinger sein Lable „artwood“ mit außergewöhnlichen Prints und immer in limitierter Auflage. Besucher sind zu den Geschäftszeiten herzlich willkommen.

Irgendwann spricht Heike Brumm in dem Interview einen bedeutsamen Satz: „Ich liebe diesen Beruf – das ist meine Passion!“ Die Einzelhandelskauffrau flüchtete aus diesem Grunde aus ihrem Geschäft in der Gerberstraße, weil sie sonst Pleite gegangen wäre. 2006 startete sie dort durch mit ihrer Boutique und 13 Meter Sonne im Schaufenster. Dann stand sie wegen der vierten Baustelle in Folge fast vor dem Aus, weil wegen Abbrucharbeiten und einsturzgefährdeter Häuserzeile die Kunden weg blieben. Deshalb zog sie Ende Oktober 2014 in einer Hau-Ruck und Nacht-und Nebel-Aktion in die Brunnenstraße um. Drei andere Geschäfte schließen ebenfalls, wahrscheinlich alle wegen der Baustelle mit Totalsperrung. Die Stadt lässt die Geschäftswelt in der Gerberstraße mit ihren Sorgen allein. Mit Events wie der Foto-Ausstellung macht Heike Brumm nun ihre Kunden wieder neugierig. Weitere Aktionen sind geplant.

Fotograf Sebastian Wehrle liebt den Nebel im Schwarzwald. Dieses Grau-in-Grau gibt seinen Bildern etwas Mystisches. Er lebt in Freiamt und geht ohne Kamera nicht aus dem Haus. Vielleicht mag er dieses typische Schwarzwald-Wetter aber auch, weil es im krassen Gegensatz zum Blauen-Himmel-Wunschdenken vieler Menschen steht. Seine Fotos wirken genauso. Trachtenträgerinnen mit Nasen-Piercing und machtvollen Blick kombinieren die ehrwürdige Tradition mit Neuzeitlichem. Und dennoch steckt dahinter spürbar die tiefe Liebe zu dieser Landschaft mit ihren traumhaften Wäldern und Wiesen. Eines Morgens stimmt das Licht und der Ort und er fängt diesen Moment ein, in dem ein Waldweg wie ein Tunnel wirkt. Er wünscht sich als Motiv, dass dort einmal ein Reh mit seinem Kitz durchläuft. Weiter vorne passierte das mal und er besitzt Geduld, auf dieses Foto zu warten – mit Schwarzwälder Gemütlichkeit. Und dem leidenschaftlichen Hang, den schönsten Moment in einem Foto festzuhalten.

Jochen Scherzinger gehört auch zu diesen kauzigen Schwarzwäldern, die trotz Internetzeitalter auf Heimatgefühl setzen und es auch leben. In Gütenbach mitten im Wald bringt er sein eigenes Mode-Label „artwood“ heraus und setzt damit einen Kontrast zur bunten anderen schnell-lebigen Welt. Die Prints zeigen historische Fotos mit Schwarzwälder Originalen. Wie das Schwarzwald-Wetter liebt Jochen schwarz und grau und bei ihm im Onlineshop www.artwood.de wird es deshalb auch nie ein oranges T-Shirt geben. An verschiedenen Verkaufsstellen gibt es die T-Shirts, von denen es immer nur genau 100 gibt, auch im freien Verkauf. Er begleitet die Foto-Ausstellung seines Freundes Sebastian und kündigt an, dass es die Bollenhut-Schwarzwälderin mit Nasenring bald auch auf einem seiner T-Shirts gibt.

 

 

 

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Fotograf Sebastian Wehrle und sein Model - noch bis 16. Mai in der Boutique von heike Brumm in der Brunnenstraße zu sehen.
Die Chefetage der Deutschen Bank Villingen-Schwenningen beim Pressegespräch zur Jahresbilanz: Von rechts Thilo Harm, Roland Ax und Walter Schlenker. Foto: Sabine Przewolka

Von der Lust auf Konsum

 

 

Von Sabine Przewolka

 

Ein Pferd auf vier Beinen steht stabil, eines auf drei recht wackelig und eines auf zwei geht gar nicht. Villingens Direktor der Deutschen Bank Thilo Harm wandte sich vom Pressetext ab, um die Story vom Pferd zu erzählen und so die Regeln bei Aktiengeschäften zu verdeutlichen. Um das Risiko an der Börse möglichst klein zu halten, stellt die Deutsche Bank die Investitionen ihrer Kunden eben auf viele Beine. Wenn eines wegbricht, kracht nicht alles in sich zusammen. Dieser Satz verdeutlicht das große Plus der Deutschen Bank Villingen-Schwenningen, deren Einzugsgebiet bis Freudenstadt, an die Schweizer Grenze, Hornberg und nach Tuttlingen mit insgesamt 30 000 Privat-, Geschäfts- und Firmenkunden umfasst. Denn trotz riesiger Finanzmärkte rund um den Globus bleibt die Geschäftsidee bodenständig, ländlich orientiert und setzt auf Nummer sicher. Die Kunden lieben es und plazierten die Deutsche Bank Villingen-Schwenningen in ihrer Zufriedenheit auf Platz 1 im Bereich Baden. Und Harm sieht seine Bank unter diesem Aspekt sogar  bundesweit an vorderster Stelle.

 

Beim Jahrespressegespräch tischte Thilo Harm zusammen mit Schwenningens DB-Chef Roland Ax und den Leiter Firmenkunden Walter Schlenker Zahlen auf, die eine Bank im absoluten Aufwind widergeben. Die Summe der Einlagen, Investments und Kredite betrug 1,1 Milliarden Euro (im Vorjahr 862 Millionen). Fazit: „Wir sind sehr, sehr zufrieden.“ Die Standbeine der Deutschen Bank im Schwarzwald-Baar-Kreis, Tuttlingen und Rottweil liegen demnach in den neuen digitalen Märkten – die Deutsche-Bank-App wurde mehr als eine Million mal heruntergeladen -  aber auch darin, dem Kunden möglichst einfache und schnelle Hilfe bei Finanzfragen zu geben. Notfalls eben mit dem Bild eines Pferdes. Das reicht sogar hinein bis in die Schulen, weil die Kinder und Jugendlichen von heute zwar perfekt mit einem Smartphone umgehen können, aber an wichtigen anderen Lebensfragen wie einer sinnvollen Altersvorsorge oder Versicherung scheitern. 90 Prozent des Bankgeschäftes wird schon jetzt über das Internet abgewickelt. Dennoch ist ein Stellenabbau nicht vorgesehen, beantwortete Direktor Harm eine gezielte Frage.

 

Das niedrige Zinsniveau und stabile Arbeitsplätze in der Region drückten sich bei den Kunden in einer „Lust auf Konsum“ aus.  Heißt: Im Kreditbereich stiegen die Zahlen um 51 Millionen (16,5 Prozent) auf 363 Millionen Euro an. Sie vertrauten der Deutschen Bank aber auch ihr Geld an und setzten auf ihre Stärke mit dem fundierten Wissen um Wertpapiere – siehe die Geschichte vom Pferd. Es gibt aber auch Kunden, die ihr Geld noch in die Bank tragen oder in Immobilien fest anlegen. Wie Schwenningens Filialdirektor Roland Ax meinte, stiegen die Einlagen auf 272 Millionen Euro  an, was eine Steigerung von 48 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Das eigentliche Kapital der Deutschen Bank liegt aber in seinen Mitarbeitern. Denn trotz zunehmender Digitalisierung und Online-Banking bleibt der Kunde König. Die 54 Mitarbeiter halten trotz Automatisierung das  persönlichen Gespräch für wichtig. Und das soziale Engagement nach Feierabend. Die DB-Mitarbeiter vermittelten finanzielle Hilfen für viele  Vereine und Verbände. 10 000 neue Kunden im Jahr 2014 sprechen Bände, ebenso die um zehn Prozent angestiegene Zahl der Kredite.

 

„Viel Freude macht uns das Mittelstandsgeschäft“ fasste Walter Schlenker zusammen. Der Leiter Firmenkunden meinte, dass mit der Privat- und Firmenkundenbank ein neues Kapitel für den heimischen Markt aufgeschlagen wurde. Villingen ist neben Freiburg, Offenburg, Lörrach und Konstanz einer von fünf Firmenkunden-Standorten in Südbaden. In ihrem Ausblick auf das nächste Geschäftsjahr glauben die DB-Chefs, dass die Zinsen auf absehbare Zeit niedrig bleiben. Schwankend reagieren weiter aber die Märkte wie Aktenbörsen, Rohstoffe und Edelmetalle.

 

Wueschtvater Roland Weißer freut sich schon darauf, die neue Bären-Scheme (rechts) an der Fasnet auszuführen. Bild: S. Przewolka

Wueschtvater trägt an Fasnet erstmals  die neue Bärenscheme

Von Sabine Przewolka

Villingen – Das Bärengesicht scheint leise zu schmunzeln, wirkt ansonsten aber eher ernst. Ganz anders der Mann, der die geschnitzte Scheme aus Lindenholz in Händen hält. Roland Weißers Lachen  reicht von einem Ohr zum anderen. Der Wueschtvater der Historischen Narrozunft Villingen freut sich wie ein kleines Kind schon auf den ersten Auftritt der neuen Bären-Scheme am Schmotzigen Dunschtig. Genau eine Woche vorher, am  Donnerstag, überreichte sie Bildhauer-Meister Adrian Burger aus Elzach an Roland Weißer. Und doch weint auch das andere Auge. Denn die alte Bären-Scheme hat nun ausgedient und geht nicht mehr auf die Fasnet, sondern hängt nur noch zur Schau im Franziskaner Museum. Dass Wueschtvater Roland Weißer und Thomas Ettwein auch auf die Fasnet gehen können, verdanken sie einem oder mehreren närrischen Schutzengeln. Die hatten alle Hände voll zu tun. Denn bei einem Besuch in Elzach, um die Geschichte der Bärenscheme aufzustöbern und ihr Aussehen zu besprechen, wurden sie in einen schweren Autounfall mit Verletzten verwickelt. Der VW-Bus von Roland Weißer ist seither Schrott, aber außer ein paar kleinen Schürfwunden passierte den beiden Villinger Wueschten nichts.

Die alte Bärenscheme der Wuescht erzählt nicht nur mit ihrer Patina eine lebendige Geschichte. Bei mehreren Besuchen stöberte Roland Weißer dazu auf, dass sie aus dem Jahr 1907 stammen muss. Die Elzacher kamen in diesem Jahr nach Villingen und überbrachten die Bären-Scheme als Geschenk, weil die Narrozunft ihnen beim Entwerfen einer lieblicheren glatten Larve – wie die Elzacher ihre Schemen nennen -  geholfen hatte. Ein Pfarrer unterstützte damals die Suche nach einer hübscheren Maske, weil es bei den Elzachern nur Teufel und Untiere gab. Damals gehörten die Villinger, die Elzacher, die Überlinger und Oberndorfer Zünfte noch zum sogenannten Viererbund. An der Scheme selbst befindet sich kein Hinweis, welcher Künstler sie erschaffen hat. Die Narrozunft drehte sie anfangs auch in den Händen herum, weil sie ja eigentlich zu keiner Figur so richtig  passt. Und so hing sie lange Zeit einfach nur so an der Wand.      

Der erste Wueschtvater Wilhelm Beck nahm sie wohl als erster mit auf die Fasnet, quasi als Leitbär der Wuescht, aber richtig lieb gewann sie keiner, weil sie recht schwer und somit unbequem zu tragen war. Das war dem heutigen Ehrenwueschtvater Georg Baur aber egal. Unter seiner Regie gehörte die Bärenscheme untrennbar zum Wueschtvater dazu und ging seither auf jede Fasnet mit. Das wilde Treiben der Wueschte ging nicht spurlos an der Scheme vorbei. Mehrmals musste sie bereits geflickt werden und deshalb suchte das Wuescht-Gremium eine Alternative. Eine andere Scheme erfüllte nicht optischen Ansprüche und war nur kurz im Einsatz. Jetzt ging es zu Adrian Burger nach Elzach, der ja auch den Kater Miau für den Brunnen der Katzenmusik in der Niederen Straße erschaffen hat. Die neue Scheme sollte der alten ähnlich, aber nicht kopiert sein,  ein bisschen bärenähnlicher aussehen und eben angenehmer zu tragen sein.

Am Donnerstag, also rechtzeitig zur Fasnet 2015, brachte er beide guten Stücke mit nach Villingen und Wueschtvater Roland Weißer hielt das gute Stück nun endlich hocherfreut in Händen. Ganz knapp ging es nämlich bei der Bärenschemen-Geschichte an einer Katastrophe vorbei. Bei der Rückfahrt von Roland Weißer und Thomas Ettwein von Elzach kam den beiden in einer Kurve eine ältere Autofahrerin entgegen, die auf der mit Schneematsch bedeckten Straße die Kontrolle über ihren Wagen verloren hatte und frontal in Weißers VW-Bus krachte. Ein nachfolgender Forstwirt fuhr  ebenfalls in die Unfallstelle, konnte deshalb aber auch schnell die Rettungskräfte alarmieren und die genaue Position angeben – die mit Hubschrauber, Rettungswagen und Feuerwehr anrückten. In dem Wagen der Unfallverursacherin saßen insgesamt fünf Personen, die zum Teil schwere Verletzungen erlitten. Roland Weißer und Thomas Ettwein blieben bis auf Schürfwunden durch die Airbacks wie durch ein Wunder  unverletzt – die Fasnet hing also an einem seidenen Faden. Roland Weißer fuhr mit dem Abschleppdienst nach Hause und schaffte es sogar noch rechtzeitig, auf den Katzenmusik-Ball zu gehen. „Wueschte sind hart im Nehmen“, lacht er. Es gibt nur einen derben Spruch der Wueschte, in der ein Bär auftaucht: „Wenn isere Magd ein Igel weer und Nachbars Knecht en Bär, no käm der Bär zum Fenschter ri un nehm de Igel heer...“

 

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Alle ziehen an einem Strang

Von Sabine Przewolka

 

Was macht ein gutes Zusammenleben von mehreren Menschen unterschiedlicher Natur aus? Warum ziehen in manchen Vereinen alle an einem Strang und in anderen sieht das eher nach Tauziehen aus? Eine Antwort darauf kann vielleicht die Narrozunft Villingen geben, die ja gerade nach jahrelanger Bauzeit ihr Vereinsdomizil Zehnscheuer für rund 700 000 Euro stemmte. Zunftmeister Joachim Wöhrle jedenfalls bringt das gute Miteinander so auf den Punkt: „Wir haben hier ganz viele Talente und lassen ihnen freien Lauf.“ Narrenrat Jens Schaumann dient da nur als ein Beispiel für die vielen engagierten Mitglieder, die mit ihrem Wissen und Können das Vereinsleben bunt machen. „Jeder bringt seine Stärke ein“, sagt er selbst. Bei ihm ist es das Filmemachen und deshalb gibt es über den Bau der Zehntscheuer auch einen unterhaltsamen Streifen im Stile von „Schuh des Manitou“, eine komödiantische Satire auf die Italo-Western. Das profihaft gemachte Werk sollte die Eröffnungsfeier schmücken, ging dort aber im Trubel etwas unter. Aber  bei der Generalversammlung sorgte allein schon ein Ausschnitt au dem Filmchen für Furore und Gelächter.

 

In Kurzform die Filmgeschichte: Joachim Wöhrle kauft die Zehnscheuer von „Santa Maria“ Anselm Säger und sie fällt beim puren Ansehen zwar in sich zusammen. Aber der Joachim zuckt nur die Schulter und kauft den Trümmerhaufen für einen Sack voller Dollars. Kaum einer außer Jens Schaumann und seine Frau Mareike wissen, dass hinter den etwa fünf Minuten lustigen Film rund 20 bis 30 Stunden Filmmaterial stecken, geduldig gedreht und zusammengeschnitten meistens nachts von 21 bis 1 Uhr – wenn bei Schaumanns die beiden kleinen Kinder schlafen (Mia 2,5 Jahre und Lena 4 Monate). Aber vielleicht liegt darin das Geheimnis, warum in der Narrozunft alle an einem Strang ziehen und auch über das gewohnte Maß ihre Talente einsetzen. Jens Schaumann macht es einfach Spaß! Und am Ende steht als dickes Dankeschön an alle Helfer: „Ein Hoch auf uns und die Sponsoren!

 

Der gelernte Bankkaufmann Jens Schaumann volontierte nach der Ausbildung noch als Kameramann bei RTL in Stuttgart, ging zu Stern TV und zur Firma Bosch und landete im Produktmanagement bei der Firma „Testo“ in Titisee-Neustadt. Aber er wohnt in Villingen mit seiner Familie und sieht das Filmemachen als Ausgleich zu seinem anderen Leben. Er besitzt eine Profi-Kamera-Ausrüstung und natürlich auch das nötige Equipement, weil er nebenberuflich hin und wieder Aufträge macht. Für die Narrozunft ist er ein Glücksgriff, weil er dieses Wissen nicht nur auf der Narrozunft-Homepage einbringt, sondern auch in verschiedenen Lehrfilmen zu Fasnet zusammen mit anderen verwirklicht. Zur Eröffnung der Zehntscheuer brachte er denn auch für alle Helfer ein Dankeschön heraus in Form eines wunderschön gestalteten Bildbandes. Fast 4000 Bilder machte er während der Umbauarbeiten. Damit nicht genug. Derzeit arbeitet er mit an einer Kiste für den Kindergarten oder Schule, um die Villinger Fasnet dort zu erklären. In der Kiste befinden sich kleine Schemen und einen kurzen Film über die Fasnet, die kindgerecht den Sinn und Zweck der Villinger Fasnet erklären. Allein hierfür schnitt er fast 200 Stunden Filmmaterial zusammen. 

 

„Ein Verein funktioniert nur durch Engagement“, erklärt Jens Schaumann, „es ist wichtig, alle zu erreichen und abzuholen.“ Das Filmemachen sei für ihn eine Herausforderung gewesen. Er will dieses  Handwerk nicht verlernen und so sei das für die Narrozunft eine echte Win-Win-Situation geworden.   Für den Westernfilm haben die Narrenräte alle ihre Kostüm-Schränke durchgewühlt und die passenden Assessoires gefunden. Während der Dreharbeiten gaben aber auch die Schauspieler Clemens Wursthorn, Anselm Säger, Peter Hupfer und Michael Reiser dem Regisseur Jens Schaumann immer wieder Tipps. Damit nicht genug: Aus dem Kinderbuch von Uwe Waldvogel macht er gerade einen Animationsfilm für die jüngeren Närrischen. Und Jens Schaumann gestaltet die Zunftball-Karten. „Der Narrozunft-Ordner“, so Jens Schaumann, „ist bei mir im Haus mittlerweile der Größte.“

 

 

Brachte alle Aspekte zum Thema Burnout und Depressionen auf den Punkt: Professor Dr. Norbert Grulke, Ärztlicher Direktor der Luisenklinik in Bad Dürrheim. Bild: S. Przewolka

Donald Ducks Rezept         gegen Burnout

Von Sabine Przewolka

 

Ene-Mene-Muh: Diese Zahl schockierte die zahlreichen Zuhörer im Raum merklich. 40 Prozent der Deutschen haben behandlungsbedürftige psychische Störungen. Also wenn ich mich gesund fühle, dann wäre rein rechnerisch schon mein Nebenmann oder-frau betroffen. Die Statistik kam von einem Mann, der es wissen muss. Diplom-Psychologe Professor Dr. Norbert Grulke leitet als ärztlicher Direktor die Luisenklinik in Bad Dürrheim und gab bei einem Vortrag in der „Arche“ in Mönchweiler einen Einblick in unsere verrückte Welt. Denn längst nicht mehr erleben die Menschen Stress bei ihrer Nahrungssuche durch gefährliche Raubtiere,  Naturgewalten oder feindliche Völker. Dafür aber reagiert ihr Körper auf Konflikte in der Arbeits- oder Beziehungswelt immer noch genau gleich. Stress versetzt die Menschen in den Zustand „Fressen oder gefressen werden“ und zwingt ihn deshalb zu aggressivem Handeln, um sein Leben zu verteidigen. Komplexes Denken gelingt ihm in diesem Zustand nicht mehr. Nur in der Arbeitswelt lässt sich dieses instinktive Stress-Verhalten selten ausleben. Wenn der Chef zum Beispiel immer mehr Arbeit auf dem Schreibtisch aufhäuft, muss der Angestellte eben brav nicken und den Job erledigen. Sonst verliert er seinen Arbeitsplatz. Aber in seinem Inneren sieht es eben anders aus.

  Und genau in diesem Ungleichgewicht bilden sich dann psychische Störungen, die im sogenannten „Burnout“ enden können. Und damit bedeutet Stress die Ursache für viele Zivilisationskrankheiten. Dr.Grulke fasste schonungslos zusammen: Stress und psychische Störungen haben in der arbeitenden Bevölkerung massiv zugenommen. Hausfrauen ausgenommen! In den Kliniken tauchen sie fast gar nicht auf, obwohl jede Hausfrau die Kriterien für ein Burnout erfüllt, nämlich „das Ungleichgewicht zwischen hoher Herausforderung und niedriger Belohnung.“ Oder anders ausgedrückt: „Die Balance zwischen dem, was Sie bereit sind zu geben und was sie dafür bekommen.“ Aber so Grulke, Hausfrauen hätten eben auch keinen Chef, der ihnen sagt, was sie jeden Tag zu tun haben und was nicht. Am meisten betroffen sind laut einer Studien die pflegenden Angehörigen von Demenzkranken. Viele zerbrechen aber an ihren eigen Maßstäben, an zu hohen Erwartungen im Vergleich zu der Wirklichkeit des Alltags.  Die Anzeichen eines Burnouts: Der Umgang mit anderen Menschen wird als belastend empfunden, zu hohe Erwartungen gemessen an der Wirklichkeit des Alltages.

Oft zeigt sich dies an Angstzuständen und Konzentrationsmängeln. Die Grenze zu einer psychischen Störung sind fließend. Damit stehen Betroffene aber nicht alleine da!  Und deshalb wirkte die relativ hohe Zahl von seelisch belasteten Menschen auch gleichzeitig ein bisschen beruhigend. Im Übrigen liegt die Zahl der Patienten mit orthopädischen Problemen wie Rückenschmerzen auch bei 40 Prozent. Ein ernstzunehmender Zustand tritt dann ein, wenn der Erschöpfungszustand nicht mehr aufhört. Oder Angst- und Schmerzzustände an der Tagesordnung sind oder ein ungewöhnliches Maß annehmen. Normalerweise erfüllt Angst eine lebensrettende Funktion. Aber wenn dadurch Handlungen blockiert werden, nehmen Ängste ein gefährliches Maß an. Von krankhafter Angst sind 14 Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen – darunter viele junge Leute. Wichtig, so Grulke, sei es, sich dieser Angst zu stellen und ihr nicht auszuweichen, um „korrigierende“ Erfahrungen zu machen. Früher bedeutete der Tod eines Partners Stress, heute sind es mehr die Scheidungen. Depressionen zeigen sich in blockierten Handlungen „nichts auf die Reihe kriegen“. Oder auch in Getrieben-Sein, in einer negativen Sicht auf sich selbst und die Welt oder Zukunft. Diese Menschen altern schneller, haben wenig Mimik im Gesicht oder vernachlässigen ihr Äußeres.

Was tun? Professor Grulke fasst da zusammen, dass joggen, auch wenn zehn innere Schweinehunde einem davon abhalten wollen, besser sei wie Antidepressiva. Soziale Kontakte seien wichtig, der Familien- und Freundeskreis fange vieles ab. Grulke: „Gute Beziehungen heilen und sind Kraftquellen!“ In St. Georgen kommt ein Selbsthilfekreis regelmäßig zusammen – auch den erwähnte er positiv. Denn geteiltes Leid sei halbes Leid und geteilte Freude auch doppelte Freude. Die Unverwundbaren schauen hoffnungsvoll und positiv in die Zukunft, ergab eine Langzeitstudie auf Hawaii.   Zu etwas nütze sein sei immens wichtig. Trotzig sein aber auch. Die Kultur des Wegschauens sei das Schlimmste in der heutigen Gesellschaft. Für Grulke sei die Komik-Figur Donald Duck das beste Beispiel für eine richtige Einstellung zum Leben. Immer fröhlich und rappelt sich immer wieder auf, egal wie oft er hinfällt.     

            

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So eine Ducati lässt das Herz eines jeden älteren Motorradfahrers höher schlagen... Bild: S. Przewolka

Born to bike

Von Sabine Przewolka

 

Wenn heute die Leute den Motorradhelm abnehmen, dann kommen entweder lange oder graue Haare zum Vorschein. Das Image des wilden, gesetzlosen Rockers verblasst zunehmend und wird ersetzt durch einen freundlichen  Motorradfan mit gut gefülltem Geldbeutel. 

Motorradfahren erlebte im Laufe der vergangenen Jahrzehnte einen regelrechten Imagewandel. Noch vor ein paar Jahrzehnten gab es für junge Menschen kaum eine Alternative, um schneller als zu Fuß oder per Rad von A nach B zu kommen. Sie kauften sich ein Motorrad, um mobil zu sein – für ein Auto reichte das Geld nicht. Erst viel später bekamen Motorradfahrer das Image „wild und gefährlich“ zu sein – nicht nur durch den Harley-Film „Born to be wild“. Heute kaufen sich nicht mehr die so ganz jungen, sondern Menschen ab 40 Jahren ein Motorrad und das aus einem Grund:  Um Spaß zu haben. An allen Alpenpässen stehen deshalb auch Schilder, die diese Klientel extra einladen: „Biker willkommen!“. Denn sie sind nett und bringen einen dicken Geldbeutel mit.

 

Die Firma Stehlin in Sasbach am Kaiserstuhl bietet nicht nur ein Sicherheitstraining für Straßen- und Geländemotorräder an. In ihrem Angebot befinden sich auch Ein- oder Mehrtagestouren in die schönsten Motorradlandschaften Europas. Die Philosophie: „Wir sind eine Gruppe von Motorradfahrer/innen, die so verschiedene sind wie ihre Motorräder. Eines verbindet uns: Die Lust und der Spaß mit dem Motorrad zu fahren – aber sicher!“ Insgesamt 22 Trainer stellen die Teilnehmer in den Kursen auf mögliche Gefahren ein, um im Ernstfall richtig zu reagieren. Dabei gibt es reine Frauenkurse. Dabei können Frauen genauso gut Motorradfahren wie Männer. Firma Stehlin: „Es kommt nur selten auf Kraft an, viel häufiger sind Fahrtechnik und Geschick der Schlüssel zum Erfolg.“ Bei den Frauenkursen sind auch keine Männer als Zuschauer zugelassen. Nähere Infos unter www.stehlin.de.

 

Roland Grüneberg machte vor fast genau 30 Jahren sein Hobby zum Beruf und gründete seine Firma „Motorrad-Grüneberg“. Seither erlebte er den Motorrad-Boom genauso wie Geschäftseinbrüche – und lebt immer noch. Das Erfolgsrezept beschreibt der 55-jährige Familienvater so: „Ich bin selbst leidenschaftlicher Motorradfahrer und alle meine Mitarbeiter ebenso – und deshalb wir sind ehrlich zu unseren Kunden.“ Da schmunzelt einer seiner insgesamt zehn Mitarbeiter und meint: „Dein Vorteil ist aber auch dein Nachteil…“ Aber es gehört zu Grünebergs Firmen-Philosophie, auch einem Kunden von einem Motorrad abzuraten, wenn es einfach nicht zu ihm passt. Im Frühjahr organisiert Roland Grüneberg deshalb regelmäßige Ausfahrten – auch nur für Frauen, bei denen die Kunden die neuen Motorräder der Saison kostenlos ausleihen und nur für den Benzin-Preis Probe fahren können. Nähere Infos unter www.grueneberg.de

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Kinder machen Spaß!

 

Von Sabine Przewolka

 

Kinder stehen deinem eigenen Leben nicht im Wege. Es gibt immer Lösungen, um das alles auch mit Kindern weiter zu unternehmen. Und diesen Satz sagt jemand, der sich erst mit 37 Jahren an dieses Thema heranwagte, weil er vorher mitansehen musste, wie Verwandte und Freunde mit Kindern schlicht und einfach ihr bisheriges Leben wie in einen Sarg warfen. Die Geschichte fängt eigentlich mit einer Reportage mit Herbert Schwarz an. Als „rasente Reporterin“ fuhr ich zu seiner Garage in Niedereschach - natürlich mit meiner Enduro vor. Er erzählte mir von seinen Prototypen und damit begann eigentlich seine geschäftliche Erfolgsgeschichte. Ich schrieb einen Artikel und unsere Wege trennten sich. Das passierte vor rund 30 Jahren. Um den Dreh herum lernte ich auch meinen Mann Rainer Michna kennen und wir brezelten zusammen durch die Seealpen mit unseren Gummikühen. Heute fahren wir wieder über kleine Teerstraßen und Schotterwege. Ich immer noch mit meiner R 80 GS Baujahr 1987 und Rainer mit einem HPN-Umbau. Die Maschine, bei der sich der TÜV-Prüfer beim Stempel vergeben auf jeden Fall die Ohren zuhalten muss,  heißt „Paul“. Beide stehen bei der Anreise zu unserem gemieteten Ferienhaus in Südfrankreich bei Leucate, knapp oberhalb der spanischen Grenze, auf einem Anhänger zusammen mit zwei Klapp-Fahrrädern und einem Zielscheiben-Würfel fürs Bogenschießen. Den Anhänger zieht ein Kastenwagen und meistens sind alle sechs Sitze besetzt. Mit den drei eigenen Kindern im Alter von 11, 14 und 17 Jahren und eventuell noch einem Freund, sowie natürlich den Eltern. Und hinten auf der Ladefläche sitzen noch drei Hunde im Format groß, mittel und klein. An den Maut-Stellen zeigen die anderen Reisenden mit  dem Finger auf uns. Aber komischerweise schauen immer alle Zöllner bei uns weg...

Hänsi, auch so ein weitgereister Weltenbummler, fragte ich mal, was er denn in warmen Gegenden als Jacke anzieht. Und dann grinste er und meinte: „Ich habe schon alles ausprobiert und am liebsten ziehe ich immer noch meinen alten Belstaff an.“ Daran denke ich, als ich meinen in meiner Lieblingsfarbe grün für die Frankreich-Reise einpacke. In Südfrankreich bin ich jedenfalls in den Straßencafés eine Heldin mit meiner alten Gummikuh und den Belstaff und immer gleich im Gespräch mit den Leuten. Natürlich auch Rainers „Paul“ mit dem satten Sound. Immer wieder kreuzten sich unsere Wege mit denen der Familie Schwarz, vielleicht wegen der auf verschiedene Arten verwirklichten Kombi Kinder und Spaß am Motorradfahren. Auch wenn sich Herbert beim Gang durch unsere Garagen mit den vielen GS natürlich einen Ast ablacht: „Das sind ja alles Dinosaurier.“ Aber seine Augen bekommen dabei einen feuchten Glanz. Auch er kann tolle Geschichten von seinen GS erzählen, die mit einem Stück Draht oder anderem Pippifatz wieder in Gang zu kriegen waren. Mit dem heutigen empfindlichen elektrischen Innenleben natürlich kein Vergleich.

Und so rollt Famiie Flodder – äh Michna-Przewolka – mit all ihrem Spielzeug in den Süden. Abends satteln Rainer, ich und unser Sohn Toni die Gummikühe und ab geht es so 100 bis 200 Kilometer Endurowandern über kleine geteerte und ungeteerte Sträßchen mit ganz wenig Verkehr. Meistens fährt unser 11-jähriger Sohn Toni mit, selbst schon begeisterter Motorradfahrer nicht nur als Sozius. Er fährt seit fünf Jahren selbst aktiv Trialmotorrad, auch bei Wettbewerben wie sein Vater. Aber auch die Töchter haben Benzin im Blut. Die 17-jährige Maxi geht gerne auf Oldtimer-Messen, kauft sich „Classic“-Magazine  und träumt von einem schwarzen Camaro oder Mustang, hat sich aber jetzt erst mal einen kultigen Golf 2 fürs begleitete Fahren vom ersparten Ferienjob-Geld gekauft. Und eigentlich gehört ihr ja schon seit Jahren die schwarze 1100er BMW des Vaters. Nach dem Abitur nächstes Jahr macht sie auf jeden Fall den Motorradführerschein, das steht jedenfalls fest. Da schaut man erstaunt auf seine eigenen  Gene und freut sich wie Bolle. Die Ernte für aus den Rippen geschnitzte Zeit, um das Hobby neben den Kindern und der Paarbeziehung weiter wenn auch eingeschränkt zu pflegen. Zum Beispiel die Motorräder einfach auf einem Anhänger in den Urlaub mitzunehmen... Schließlich müssen Eltern ihren Kindern auch vorleben, was Freude macht!

Nicht nur Freude steht da in den Gesichtern der Familie Schwarz auf dem Facebook-Foto nach dem Einschulungstermin. Die Kinder hörten natürlich oft genug vorher: „Jetzt beginnt der Ernst des Lebens“. Und die Weltenbummler-Eltern unternahmen kurz vorher auch eine längere Neuseeland-Reise, „weil es in der Schulzeit wegen der Ferien nicht mehr geht.“ Auch die Facebook-Kommentare schlagen in diese Kerbe. Es gibt immer einen Weg, beides auch weiterhin miteinander zu verbinden. Denn Kinder sind nur Gäste in unserem Leben. Irgendwann sitzen wir mit unseren Männern auf dem Sofa, die Kinder sind (zum Motorradfahren) aus dem Haus und werden gefragt: „Was macht mich glücklich?“ Und da weiß ich jetzt schon viele Antworten.                  

 

 

        

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Nur dieser Fuchs hat das ganze Jahr über Schonzeit und flüchtet auch nicht im Angesicht von Menschen, seinen Todfeinden - er ist auf einen Arm tätowiert! Bild: M. Michna

Jagd auf Füchse unnötig

Von Sabine Przewolka

 

Der Deutsche Jagdschutz-Verband veröffentlichte in seinem Handbuch für das Jahr 2002 für Baden-Württemberg insgesamt 82 099 erlegte Füchse. Es gibt keine richtige Schonzeit, nur zur Aufzucht ihrer Jungen dürfen keine Altfüchse geschossen werden.  Die Jagd ist schwierig:  Einmal durch die sprichwörtliche Schläue der Füchse, die sich selten in Fallen fangen lassen und dann durch seine Scheu vor seinem Todfeind Mensch und sein nachtaktives Leben. Welcher Jäger sitzt schon gerne nachts im Januar und Februar, also bevor die Füchsinnen Junge werfen, bei klirrender Kälte auf dem Hochsitz und wartet auf Beute, die er noch nicht einmal essen kann, geschweige denn in heutigen Zeiten als Fell seiner Frau um den Hals hängen? Das Schießen der Fuchswelpen am Bau ist nicht verboten und einige Jäger – hauptsächlich eben Männer - nutzen dies, um die Fuchs-Population in ihrem Revier kleiner zu halten. Vielleicht auch, weil sie sich schlecht in die Muttergefühle einer Füchsin hineinversetzen können oder sich darüber noch nie Gedanken gemacht haben.

 

Wildbiologe David Macdonald fand in einer über achtjährigen Studie heraus, dass Füchsinnen auf hohe Abschusszahlen mit erhöhter Fruchtbarkeit reagieren (nachzulesen in seinem Buch ,,Unter Füchsen“, erschienen im Knesebeck-Verlag, ISBN 3-926901-63-2). In Gebieten ohne Fuchsjagd regelt sich der Bestand nach der Nahrung, die bei Füchsen pro Tag hauptsächlich aus rund 40 Mäusen, vielen Regenwürmern und Aas besteht, aber natürlich auch hie und da aus seltenen Feldhasen und Rebhühnern. Es wird in dieser jagdfreien Zone nur die ranghöchste Füchsin trächtig und die Jungen werden von den anderen Weibchen mit versorgt. Egal ob Jäger junge oder alte Füchse am Bau, unterm Hochsitz oder bei der Treibjagd schießen – dieses Tier bleibt ein Überlebenskünstler. Seit Jahrtausenden jagt der Mensch den Fuchs mit Kugeln, Gas und Gift. Und es ist ihm noch nie gelungen, diese Tierart auszurotten – dank des natürlichen Familiensinns der Füchsinnen.

 

Und immer noch herrscht das Märchen vor, dass nur der Mensch seine Population regulieren könnte! Der einzige Faktor, der Einfluss auf einen Fuchsbestand nimmt, ist aber das Nahrungsangebot. Dazu gibt es eine wissenschaftliche Studie von David MacDonald, dem wohl berühmtesten Fuchsforscher und Autor mehrerer Sachbücher. Der Engländer  überzeugte Jäger in seinem Forschungsgebiet davon, keine Füchse mehr zu jagen und beobachtete die Folgen vor allem auf den bedrohten Niederwildbestand von Hase und Wildhühnern. Und siehe da: Die Füchse vermehrten sich immer nur bis zu einer gewissen Größe. In manchen Jahren waren es mehr und in anderen weniger, je nach Nahrungsangebot. Da bekamen nur die starken, meist nur eine Füchsin im Rudel Junge, die anderen Weibchen erfüllten Tanten-Funktion. In gut informierten Jägerkreisen sind die Studien von MacDonald wohl bekannt. Und trotzdem kommt es noch zu Treibjagden wie in Villingen. Löblich daran ist, dass es Alttiere sind, die geschossen werden. Denn manche Jäger machen es sich ganz einfach und schießen äußerst unwaidmännisch die jungen Füchse an ihrem Bau – und vergessen dabei, was sie damit für ein unbeschreibliches Leid bei den Muttertieren auslösen. 30 geschossene Füchse bedeuten, dass 30 Futterplätze frei wurden und der Fuchs reagiert darauf als genialer Überlebenskünstler sofort im nächsten Fruchtbarkeitszyklus mit großen Welpenwürfen. 30 tote Füchse sind also nur eine sportliche Zahl, haben aber nichts mit einer langfristigen Bestandskontrolle zu tun oder gar mit heldenhaftem Survival-Training auf dem Hochsitz. Die Jäger könnten den Studien MacDonalds zufolge auch zu Hause im Warmen bleiben und den Fuchs da draußen in der Natur einfach nur in Ruhe lassen.

 

 

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Wald- und Wiesenheini im Steinpilz-Glück! Bild: T. Michna

Triebhafte in den Wäldern

Von Sabine Przewolka

 

Dieses Leuchten in den Augen eines Mannes sehen Sie nicht zu jeder Zeit. Dieses wilde Flackern, ja ein bisschen triebhaft, ohne Zweifel. Ungebändigt. Der zögernd ausgesprochene Satz ,,es reicht jetzt“ bremst sie kaum oder wenn nur über kurze Zeit. Nein, nicht was Sie wieder denken.  Dieses Triebhafte im Mann taucht fast ausschließlich im Sommer bis zum Herbst auf. Sie halten dann ihre Nase in den Wind und jagen so mancher Frau schon einen Schreck durch die Glieder, wenn sie nur seufzend aussprechen: ,,Schatz, es könnte Pilze geben!“

Vorbei ist es dann mit den aufgetragenen dringend notwendigen Reparaturarbeiten am Haus.  Hinweg schon längst anstehende Besuche bei Verwandten. Sobald die Pilzsaison anbricht, eilen Männer - ja, zugegeben auch ein paar Frauen - mit diesem eigenartigen Tunnelblick aus dem Haus in die Wälder und verschwinden dort über Stunden. Spaziergänge mit dem Partner durch Wald und Flur, so im Schlendergang mit interessanten Gesprächsthemen? Aufgeschoben bis in Zeiten mit Schneelage -  da wachsen kaum noch Pilze. Ansonsten weicht der Blick völlig abwesend nicht vom Boden hoch, huschen sie hier schnell ins Gebüsch und müssen unbedingt noch an ihrer speziellen Pfifferling-Stelle vorbei – ehe sie ein anderer abräumt.

 

Wo sind all die Jahre in komfortabler Zivilisation geblieben? Die führen sich ja auf wie Neandertaler! Reden mit echter Wut im Blick von "Pilzdieben", wenn sie parkende Autos mit Kennzeichen fern der Nachbarschaft entdecken.  Heute gibt es alle Pilze dieser Welt im Supermarkt! Warum hetzen die dann in den Wald, holen sich im Dickicht blutende Kratzer, weil nur da keiner mehr hinkommt? Warum reicht nicht ein Körbchen voll und dann noch eines für die Gefriertruhe?  Okay, wir Frauen sehen das einfach viel zu praktisch. Eben nicht aus Männeraugen. Die brauchen das einfach. Die pflegen so vielleicht ihre Instinkte, damit sie notfalls auch im Technologiezeitalter die Familie mit Gesammeltem und Erlegten ernähren können. Und Pilze rennen ja wenigstens nicht weg wie Hasen oder Rehe. Na ja, so ein wenig Wildnis beim Mann ist ja nicht unattraktiv – für die Pilzrezepte in der Küche. Mist, im Garten hängen auch noch die Johannisbeeren an den Sträuchern... 

 

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Charisma Katze

Von Sabine Przewolka

Wir leben gerade wieder Katze. Oder besser gesagt Kater. Acht Wochen jung, schwarz-weiß, rotzfrech und voller Lebensfreude. Deshalb ein paar gute Gedanken zum Weltkatzentag am 8. August. Meine Mutter sagte immer, sie mag keine Katzen, die seien so falsch. Dann schaffte es Tiger-Kater „Justus“ mit Charme und Hartnäckigkeit, ihre Ansicht vollkommen zu ändern. Und so trat die erste Katze in mein Leben und seither begleiten mich diese Samtpfoten. Denn leider überleben wir diese Vierbeiner eben auch, wenn sie nicht vorher sogar eines gewaltsamen Todes auf der Straße sterben. Denn ein glückliches Katzenleben im Freilauf kann so auch jäh enden. Das geschah mit „Justus“ so. Zuvor allerdings ereignete sich noch eine lustige Anekdote, die wir im Familienkreis gerne noch erzählen. Denn eines Abends rief der Tierarzt an, ob wir unseren Tigerkater vermissen würde. Er hatte hier einen bei einem Auto-Unfall ums Leben gekommenen auf dem OP-Tisch liegen, der ihm ähnlich sehe. Wir eilten in die Praxis und unter den tränengefüllten Blicken sah der Tiger tatsächlich aus wie unser „Justus“. Wir nahmen die Katzenleiche mit und bestatteten ihn und Schluchzen feierlich im Garten. Aber Oh je, meine Mutter schien der Tod ihrer geliebten ersten Katze wohl doch sehr nahe gegangen zu sein – auf jeden Fall standen am nächsten Morgen wieder die Schüsselchen für „Justus“ an derselben Stelle wie tags zuvor. Und meine Mutter erklärte, da sei wohl eine andere Katze an ihr Fenster gekommen und dann zu ihr hineingesprungen und deshalb habe sie ihr auch gleich Fressen in die Schüsseln gegeben. Und jetzt habe sich der Tiger in ihr Bett gelegt – „wie Justus“. Ein Blick auf dieses Tier reichte: Wir hatten die falsche Katze unter Tränen und Geschluchze beerdigt! Justus lebte! Einige Zeit später starb er aber doch wegen eines Autounfalls. Wir fanden seine Leiche mit dem angebrochenen charakteristischen Eckzahn gleich neben der Landstraße.

 

Ich liebe Katzen! Nicht nur wegen ihrer Eigenständigkeit, sondern auch weil sie die Freiheit so geniessen. Wer die Katzen frei laufen lässt, riskiert nicht nur, sie nie wieder zu sehen. Einmal wegen den tödlichen Gefahren im Straßenverkehr. Zum anderen, weil Katzen an der ersten Stelle auf dem Speisenzettel von Füchsen stehen. Hätten Sie es gewusst? So viele vermisste Katzen werden von Füchsen gerissen und in ihre Bauten verschleppt - eine erstaunliche Erkenntnis, die ich beim Lesen von Büchern des Fuchs-Forschers McDonald erfuhr. Aber auch die sogenannten Katzen-"Freunde" sind Gefahren. Wer fremde gut genährte Katzen anfüttert und sie bei sich aufnimmt,  macht vielleicht einen anderen Katzenfreund, dem das Tier gehört,  unglücklich - dessen muss er sich bewust sein! Leider gibt es von diesen falsch verstandenen Katzen-"Freunden" auch sehr viele.

 

Zu meiner Mutter kamen dann noch die beiden Tiger „Moritz“ und „Pauline“. Es mussten immer Tiger sein, in ehrenvoller Erinnerung wohl an ihre erste Katze. Beide starben an Altersschwäche in hohem Alter. Ihr Platz blieb aber verwaist, weil meine Mutter immer so unter diesen Todesfällen litt. Aber die Katzenliebe schien sich an alle drei Töchter vererbt zu haben. Das Wohnen an einer belebten Landstraße forderte einige Opfer, bevor ein paar Katzen den Intelligenztest Straßenverkehr mit Bravour bestanden und sehr alt wurden. Katzen faszinieren durch ihre Eigenständigkeit und ihren Charme. So ein lebendes Katzenfell auf dem Bauch gibt eine herrliche Wärme ab! Jede unserer Katzen besaß eine eigene, manchmal traurige  (Vor-)Geschichte und Persönlichkeit: Leo, Romeo, Fausto, Beppo, Carlo, Paul, Freddy, Bella, Bimba, Felix, Nero und jetzt Odin.

 

Das Katerle gehört übrigens meiner Tochter Maxi.

 

Wenn Sie wollen, können Sie mir eine nette Geschichte über Ihre Katze schicken - einfach an kuckuckmail@gmx.net.     

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Vier Generationen beim Gasthaus "Auerhahn" im Villinger Stadtwald am Tisch: Enkelin Sabine, Oma Lisl, Tochter Rosemarie, Enkel Uli und Urenkel Laura.

Auerhahn – Eins mit der Natur

 

Von Sabine Przewolka

 

Zielpunkt schon in Kindertagen. Im Winter bindet Vatern an seinen VW Käfer immer ein Seil und unsere Schlitten fest. Und dann „juchhuuuu!“, die Kinder hinten auf den Schlitten drauf,  geht es kilometerlang quer durch den Wald zum „Auerhahn“. Die Gaststätte steht  auf einer kleinen  Waldlichtung und riecht nach Erde, Harz und schwerer Arbeit. Die Waldarbeiter sitzen hier am Stammtisch nach Feierabend. Es gibt Kaba für die Kinder, weil manchmal in der Schneeluft die Nasenflügel ankleben und es vor 50 Jahren noch kein winddichtes und wärmendes Hightech-Gewebe gibt. Aber auch das gehört zum Auerhahn dazu. Aus der Kälte in diese wohlige Kachelofen-Wärme zu kommen und sich sofort daheim zu fühlen.

 Wie oft lag der Auerhahn in jungen Jahren schon auf dem Weg, um für einen Heidelbeerwein einzukehren? Eins zu werden mit diesen urigen Waldmenschen wie den „Schobel“ vom benachbarten Viehhof oder dem Willi aus dem Rötenloch und sich mit ihnen einfach nur zu freuen, dass es dieses schöne Plätzchen fern ab der Stadt gibt. Da draußen tobt die Zivilisation mit Hektik, Zeitdruck und Motorenlärm. Und im Auerhahn bleibt immer irgendwie die Zeit stehen. Drinnen hängen noch die historischen Fotografien. Und natürlich auch Jagdtrophäen. Auch ein stattlicher Auerhahn. Die Wirtschaft liegt wie ein pulsierendes Herz mitten im Rückzugsgebiet dieser seltenen wildlebenden Hühnervögel. Hier geht eine Rechnung auf, urwüchsige Natur mit dem Menschen zu verbinden - um sie zu erhalten.

 Denn wenn der Mensch nur noch in Beton und Asphalt lebt – wie soll er dann die Natur achten und sie als wertvoll empfinden? Er kennt sie ja gar nicht. Hier entdecken auf dem großzügig angelegten Spielplatz auch die Kinder die heilsame Wirkung frischer Luft, freier Bewegung und netten Menschen – das aktuelle Wirtepaar ausdrücklich eingeschlossen.  Hier können sich Kinder nach Lust und Laune einfach austoben und brauchen keine Medikamente. Ihre Schreie verhallen im tiefen Dickicht der Naturwälder.  und die Auerhähne und anderen Wildtiere halten sich die Ohren zu.  Das Forstamt setzt hier auf natürliche Waldverjüngung und so entsteht dieser wunderschöne Mischwald, bestehend aus Tausend  Arten und verschiedenen  Generationen. 

Der Auerhahn gehört den Familien. Oma Lisl sitzt auf dem Bänkle in der Sonne vor dem Haus und blickt gedankenverloren in die Gesichter an ihrem Tisch. Manche kennt sie nicht mehr. Vier Generationen versammeln sich zu einem Foto um die Oma, ohne die es diese ganzen Menschen schließlich nicht gäbe. Die verwirrte alte Frau lebt im Pflegeheim in Vöhrenbach, das es heute nicht mehr gibt. Aber am Wochenende holt sie ihre Familie auf einen Ausflug heraus aus ihrer ganz eigenen Welt – ins  Gasthaus Auerhahn.  Er liegt an dieser alten Verbindungsstraße zwischen Villingen und  Vöhrenbach und so können auch alte Menschen die Natur genießen, weil sie nur ein paar Schritte laufen müssen. Und plötzlich tauchen wieder klare Gedanken auf, Oma Lisl erinnert sich an ihr bisheriges Leben und nicht nur an hier und jetzt. Die 85-jährige wird wieder ein Mensch voller Gedanken und Erinnerungen und nicht nur Hülle in diesem grünen Paradies aus Vogelgezwitscher und Heuschrecken-Gezirpe.

Aber die Wirtschaft und der Wald verbinden auch die Familien miteinander. Im Winter laufen die Eltern bei Flutlicht um den Auerhahn herum mit Langlaufskiern und die Kinder hecheln so lange mit, wie sie wollen. Und dann sitzen sie zum Zeitvertreib noch bei einem Fanta im Auerhahn und warten, bis Mama oder Papa schweißtriefend die Stresshormone vom Arbeitsalltag abgebaut haben. So kommen alle auf ihre Kosten und mit einem glückseligen Lächeln wieder nach Hause. Zuhause vor dem Fernseher hätte wieder nur der Punk getobt.

Oder Paare halten am Auerhahn inne. Eltern, um sich in dieser Brutpflege-Phase nicht aus den Augen zu verlieren, in der sich fast alles nur noch um die Kinder dreht.  Frischverliebte, um bei einem leckeren Stück Kuchen dem anderen mal intensiv in die Augen schauen  zu können. Im Auerhahn ist alles möglich. Ein Gasthaus mitten in der Natur und ein Treffpunkt für Menschsein. 

 

Noch mehr über das Gasthaus "Auerhahn" unter http://www.kuckuck.biz/online-zeitung/lochars-welt/     

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Der Kronen-Hirsch kommt zurück in sein Tunauer Revier

Von Sabine Przewolka

 

Und dann taucht plötzlich dieses Gefühl auf, dass sich hier auf dieser Welt tatsächlich alles mit allem verbindet. Immer wieder gibt es an diesem Nachmittag diesen erstaunten Augenaufschlag, der diese Erkenntnis widerspiegelt. Hans Seger steht vor seinem Haus in Tunau und zeigt in diese wunderschöne Natur des Schwarzwaldes, auf die sattgrünen Hänge gegenüber mit Gebüsch, dunklen Tannen und dazu strahlend blauem Himmel. Natur pur. Und eine 89-jährige Dame sagt dazu nachdenklich: „Ich habe mich meinem geliebten Vater den ganzen Tag über so nah gefühlt...“ Sie heißt Rosemarie Przewolka, Tochter von Fritz Hahn und macht heute mit einem Teil ihrer Familie und einem kapitalen Hirschgeweih einen Ausflug in ihre Kindheit nach Tunau, einem Ortsteil von Schönau.

 

Ihr Vater Fritz Hahn pachtete über vier Jahrzehnte die Jagd in Schönau und Tunau, damals ein riesiges Revier mit 1300 Hektar Fläche. Der Betriebsingenieur bei Dynamit Nobel in Rheinfelden fuhr übers Wochenende fast immer nach Tunau, um bei der Jagd und im Hause der Segers zu entspannen. Hans Seger begleitete den passionierten Jäger in Wald und Flur schon als Kind - wie zuvor schon sein gleichnamiger Vater Johann, auch  kurz  "Hans" genannt. Und so bekam der damals 18-jährige auch hautnah die Sensation mit, als Fritz Hahn 1952 den ersten Rothirsch in der Region, einen kapitalen Kronenhirsch mit ungeraden 16 Enden, während einer Drückjagd erlegte. Genau an der Stelle, wo Fritz Hahn auf den Rothirsch ansaß, erschien er plötzlich. „Ich war der erste beim Hirsch“, leuchten wie damals die Augen des heute 80-jährigen Hans Segers - und immer noch mit Leib und Seele aktiven Jägers. Er habe Fritz Hahn, der bei ihm großes Ansehen genoss, diese außergewöhnliche Trophäe von Herzen gegönnt, erzählt er weiter. Der sogenannte „Kronenhirsch“ sei bis heute einmalig  gewesen. Niemals wieder sollte so ein kapitaler Hirsch auf der Gemarkung geschossen werden.

Heute kehrt der Rothirsch – oder besser gesagt nur sein stolzer Kopfschmuck - in sein ehemaliges Revier zurück. Und damit leben auch die Bilder in den Köpfen der Menschen wieder auf, die damals dieses Ereignis miterlebten. „Ich komme aus Schönau“, sagt Uli Lochar – mein Co-Autor im Onlinemagazin „kuckuck“ (Homepage: www.kuckuck.biz). Meine prompte Antwort zeigt, wie klein doch diese riesige Welt in Wahrheit ist: „Oh, so ein Zufall, mein Opa hatte dort seine Jagd“. Denn der Blick fiel beim Ausruhen auf Omas altem Biedermeier-Sofa schon oft auf Opas Hirschgeweih mit einem silbernen Schildchen und brannte sich so förmlich ein: „Erleger Fritz Hahn, Rheinfelden, Revier Schönau i. Schwarzwald, 30.11.52.“  Beides heute im Wohnzimmer der Enkelin Sabine Przewolka gelandet -  als Andenken an die Vorfahren.  Beim nächsten Besuch in Schönau fädelt Uli Lochar diese Reise in die Vergangenheit ein, weil er merkt, dass der Name Fritz Hahn in Tunau noch in guter Erinnerung ist. Uli Lochar wuchs in Schönau auf, ging dort zur Schule und obwohl er seit über 30 Jahren in Villingen wohnt, pflegt er noch viele Kontakte ins Obere Wiesental. Der ideale Organisator für so ein außergewöhnliches Treffen!

 

Manche Menschen hinterlassen eben Spuren. Fritz Hahn fiel das schon körperlich nicht schwer, weil er über eine gewisse Leibesfülle verfügte. Ein Genussmensch, der Gemütlichkeit ausstrahlte. Die Menschen in Tunau bringen ihm und seinem Andenken auch über 65 Jahre später noch den größten Respekt entgegen, vor allem wegen seiner guten Charaktereigenschaften. „Er war absolut korrekt“, erinnert  sich Hans Seger. Er saß oft im Gasthaus „Hirschen“ in Präg oder im Gasthaus „Tanne“ in Tunau, um gemütlich am Stammtisch die Jagd ausklingen zu lassen. Durch seine verlässliche Miete sicherte er der Witwe Josefine Seger, die Tante von Hans und Schwester seiner Mutter, das Überleben in der kargen Nachkriegszeit mit ihren drei Kindern, zwei Söhnen und einer Tocjhter. Denn Josefines Mann und Onkel von Hans, fiel 1944 im Krieg. Ein Geben und Nehmen für beide Seiten. Eine fröhliche Gemeinschaft Menschen im Alter von elf bis 89 Jahren aus den Familien Seger, Lochar,  Przewolka und Michna fällt sich da am Sonntag, 15. Juni, vor dem Gasthaus „Tanne“ in Tunau  in die Arme. Die meisten kennen den anderen nicht wirklich. Sondern alle wissen nur, dass sie irgendwie mit dem Rothirschgeweih in der Mitte, aufgestellt zum Erinnerungsfoto, miteinander verbunden sind.

 

Das genügt vollkommen, um einen Nachmittag voller Freundschaft und bunter Geschichten zu erleben. Nachher im Gasthaus „Tanne“ liegt die Chronik der Familie Hahn auf dem Tisch und die Augen von Bernhard Seger, der jüngere Bruder von Hans und ehemalige Bürgermeister von Schönau, weiten sich voller Ehrfurcht.  „Das ist ja ein Schatz!“ Lisette „Lisl“ Hahn, geborene Laule und erste Frau von Fritz Hahn,  schrieb sie in exzellenter Schönschrift, illustrierte sie mit Schwarz-Weiß-Fotos, malte bunte Anfangsbuchstaben und Ornamente dazu. Sie  hielt so den Stammbaum und den Lebensweg der Familie Hahn fest. Ein Dokument aus den glücklichen Tagen der Familie Hahn. Sein Jagdrevier braucht Fritz Hahn jedenfalls später als Balsam für seine Seele, um den Kummer zu bewältigen, der noch auf ihn zukommt.  Kurz vor Ende des zweiten Weltkrieges wurden die Gatter eines Wildgeheges bei Schluchsee geöffnet und die Rothirsche in die freie Wildbahn entlassen. Von dort kam der Kronenhirsch ins Revier nach Schönau und vor die Flinte von Fritz Hahn. Er beschert ihm damit das schönste Jagd-Erlebnis seines Lebens.

  

Aber das kann wohl nur der leidenschaftliche Jäger Hans Seger nachempfinden. An diesem Nachmittag dreht er in seinen rustikalen Waldarbeiter-Händen ein altes Foto hin und her, das seinen Vater mit gleichem Vornamen und Dackel Lumpi zeigt. „Auch der treue Hans und Lumpi gratulieren dir“ steht hinten drauf und ist in Altdeutscher Schrift an Fritz Hahn gerichtet. Es gibt keinen Tag, an dem Hans Seger nicht seine Runde durch den Wald dreht und nach dem Rechten sieht. Er will so lange jagen, wie er noch laufen kann.  Sein Vater erlegte im hohen Alter von 90 Jahren noch einen stattlichen Rehbock- mit demselben Gewehr, mit dem Jäger Hahn auf den Hirsch zielte und traf. Er sagt, er denkt noch jeden Tag an Fritz Hahn. Weil sich seine Seele noch überall in den Wäldern befindet? Bestimmt! Oder aber weil jede Stelle ihn an die gemeinsame Zeit mit ihm erinnert.  

 

Zwei Wände im Wohnzimmer von Hans Seger zieren Geweihe und Gehörne von Jagdtieren, dazu noch ausgestopfte Wildtiere. Das mag auf den ein oder anderen grausam wirken. Aber es schlummern eben in jedem Jäger zwei Seelen. Das des Waldhegers und das des Jägers. Und wenn Rehkitze als Waisen nach einem Verkehrsunfall großzuziehen sind, dann kommen sie im Haus von Hans Seger und seiner Frau Erika auch sofort unter. Sie hören auf menschliche Namen, wohnen bei den Segers im Garten, werden liebevoll groß gezogen und nachher wieder in die freie Wildbahn entlassen. Sie kommen dann anfangs noch regelmäßig, bis sie der tiefe Wald wieder für immer verschluckt.

 

Diese Ruhe des Waldes und seine strengen Gesetze faszinierten Fritz Hahn Zeit seines Lebens. Er galt als äußerst akurat aber gerecht – wissen die Menschen am Tisch noch ganz genau. Hans erinnert sich, dass einer seiner eigenen Dackel von zu Hause ausriss und mit einem anderen Hund zusammen ein Reh riss. Er beichtete  es Fritz Hahn und dieser verlangte von ihm, dass die beiden Hunde bis zum nächsten Wochenende nicht mehr leben. Denn ein wildernder Jagdhund würde immer wieder ausreißen und die Tiere des Waldes unkontrolliert töten. Der treue Hans tat, wie ihm befohlen. 

 

Er besitzt heute auch ein Gewehr, das Fritz Hahn einst zum 40-jährigen Dienstjubiläum von Dynamit Nobel erhalten hatte. Das „Büchsle“ ist heute noch bei ihm in Gebrauch und hoch geschätzt. Hans Seger schießt damit immer noch ziemlich genau, auch mit seinen 80 Jahren. So eine Büchse hält auch Fritz Hahn in der Hand, als er mit dem toten Rothirsch, waidmännisch geehrt mit einem Tannenzweig im Maul und seinem treuen Dackel „Lumpi“ fotografiert wird. Das Foto und sein Blick voller Stolz und Erstaunen zugleich drücken aus, was dieser Schuss für den passionierten Jäger in seinem 25. Jubiläumsjahr bedeutet hat.

 

Zuvor erlebt der Mann und seine Frau Lisette den schlimmsten Schmerz, den es gibt. Sie verlieren den erst achtjährigen Sohn Hans wegen Diphterie. Und danach zerbricht auch noch die Ehe mit Lisette. Sie wohnt 1937 kurzzeitig auch in dem gemieteten Stockwerk in Tunau, ganz in der Nähe ihrer Schwester Schosel, die mit dem Sonnen-Wirt in Schönau verheiratet ist. Lisette bleibt dort, bis sie ihrem neuen Mann nach Bitterfeld folgt. Rosemarie kommt mit 12 Jahren ins Internat der Zinzendorfschulen nach Königsfeld. Sie hängt sehr an ihrem Vater, aber nur in den Ferien kann sie zurück nach Rheinfelden und ihn besuchen. Fritz Hahn lernt später Laura Gerhardt kennen und heiratet sie. Mit ihr verbringt er seine letzten Lebensjahre in Rheinfelden. 1957 stirbt sie nach kurzer Krankheit unerwartet. 1958 verliert Fritz Hahn auch noch seine geliebte Jagd, weil sie zu dieser Zeit unter die Obhut des Schönauer Gemeinderates fällt. Und die kennen Fritz Hahn nicht, teilen das riesige Revier und vergeben es an Meistbietende. Ein Schuss in sein Herz. 1959 stirbt Fritz Hahn in Rheinfelden, ein Jahr vor der Geburt seiner Enkelinnen Sabine und Ulrike Przewolka.

 

Die Zwillinge lernen deshalb ihren Opa nie kennen. Nur im Keller-Regal liegt ein großes Hirschgeweih mit dem silbernen Schildchen dran. Eines Tages schleppen es die beiden über drei Kilometer in den Biologie-Unterricht, weil da gerade Rehe und Hirsche durchgenommen werden. Nachher muss der Sechzehnender noch drei Stockwerke hinunter getragen werden. Sabine stolpert und reißt sich an einem der Enden die Nase blutig. Es bleibt eine dicke Narbe zurück. Irgendwann verschenkt Rosemarie Przewolka das Hirschgeweih an eine befreundete Jäger-Familie in Westfalen. Der Sechzehnender hängt dort einige Jahre im Hauseingang. Aber Enkelin Sabine trauert diesem einzigen Andenken an ihren Opa hinterher. Bei einem Besuch in Westfalen fragt sie deshalb, ob sie das Geweih wieder haben könnte. Und so fährt das Hirschgeweih 500 Kilometer wieder zurück in den Schwarzwald und hängt seither an einem Ehrenplatz im Wohnzimmer.

 

Die Fahrt nach Tunau lässt die Geschichte um die Familie wieder Hahn aufleben und um den kapitalen Rothirsch. Jeder am Tisch steuert einen Bruchteil bei, an das er sich erinnert und so entsteht aus diesen vielen Puzzleteilen die ganze Geschichte – die Urenkel dabei ganz Ohr. Jeder am Tisch trägt dazu bei, dass am Ende ein Bild entsteht. Das Bild eines ganz besonderen Rothirsches, der auch 65 Jahre später noch die Menschen zutiefst bewegt.

 

 

    

      

 

 

        

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Idefix war beim "Egal-wächst-ja-wieder"-Friseur. Ein paar Gedanken zum Scheren von Tieren in der heißen Jahreszeit. Bild: S. Przewolka

Verflixter Filz mit Idefix

Von Sabine Przewolka

 

Eigentlich bin ich strikt dagegen, sich in natürliche Kreisläufe einzumischen. Zwei meiner drei Kinder habe ich zu Hause geboren. Das erste im Krankenhaus, weil ich es da noch nicht besser wusste.  Immer wenn der Mensch denkt, er steht über der doofen Natur, geht es nämlich hundertprozentig schief.  Und so dauerte es auch ewig lange, bis ich meinem alten Pferd den Winterpelz endlich abrasierte. Zuvor hörte ich mir die klugen Sätze meines Tierarztes geduldig an: „Wenn man es einmal gemacht hat, macht man es immer...!“ Stimmt! Wer einmal erlebt hat, wie glücklich-befreit diese  Tiere reagieren, wenn sie ihren warmen Pelz endlich los haben – der kann ihnen diese Freude einfach nicht vorenthalten! Manchmal gibt es altershalber Gründe, warum der Winterpelz endlich runter muss. Aber es finden sich auch Argumente, dies bei ganz jungen Tieren zu tun. Tragen die nämlich einen dichtes und langes Fell, dann passiert es im Frühjahr oft, dass der Hund komplett einfilzt. Unser Malteser-Jack-Russell-Mix heißt Idefix – aber dann heißt er Ide-Filz. Das Fell lässt sich dann am Besten so beschreiben: Wattebausch an Wattebausch. Auch hier gibt es nur eine Lösung, nämlich runter mit der Wolle. Entweder mit einer Schere oder professionell durch den Hundefriseur. Aber wer das tut, bekommt einen neuen Hund! Ich neige dazu, selbst Hand anzulegen. Das kostet zwar Zeit und Nerven, weil die Hunde dafür zu Hause kaum Geduld aufbringen und das Telefon ständig klingelt. Und es sieht anfangs aus, als ob die Motten in den Hund eingefallen wären. Ich nenne das den "Egal - wächst ja wieder"-Friseur und der größte Vorteil daran liegt darin, dass es kein Geld kostet. Nach zwei Wochen entzerrt sich das Bild wieder. Vom Friseur kommen alle Hunde wie die Pudel geschniegelt – das Haar exakt auf einer Länge, vielleicht hier und da noch etwas länger gelassen, zum Beispiel an der Rute. 

In Südfrankreich wunderte ich mich, warum dort alle Malteser langhaarig sind. Der Franzose in diesem Teil des Landes gilt als nicht besonders engagiert. Und ein langhaariger Malteser-Halter muss engagiert sein, denn sein Hund braucht zumindest in Deutschland morgens, mittags und abends eine Bürste. Es sei denn, er lebt im Südfrankreich. In diesem trockenen Klima verfilzt nichts! Kein Problem also, diesen Hund dort langhaarig zu lassen. Anfangs versuchte ich auch, durch dreimalige Fellpflege meinen Idefix langhaarig zu lassen. Aber ich kam nicht weit. Kaum war das Jugendfell draußen, verfilzte sich das Langhaar. Und doch muss ich kritisch anmerken, dass mir langhaarige Hunde einfach besser gefallen. Da lobe ich mir meine Lieblingsrasse „Berger de Picardie“, die brauchen nur zweimal im Jahr wirklich eine Bürste. Aber bei 30 Grad Hitze kommen in mir trotzdem Gedanken hoch, dem Hund den Pelz wegzuschneiden. Der Mensch halt wieder mit seiner überheblichen Art. Gott sei Dank haben wir hier so einen langen Winter...        

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Faszinierende Langsamkeit

Von Sabine Przewolka

 

 

Vor allem das Entdecken von Langsamkeit fasziniert bei Schildkröten inmitten einer hektischen und sich schneller drehenden Welt. Immer mehr Menschen können sich dem Reiz dieser urwüchsigen Tierart, die es fast rund um den Erdball in den unterschiedlichsten Lebensräumen gibt, deshalb nicht entziehen. Immer am 23. Mai – so auch am heutigen Freitag - gibt es deshalb den Welt-Schildkrötentag – und das schon seit 1990. Auch im Schwarzwald-Baar-Kreis bekennen immer mehr Menschen: „Schildkröten sind klasse!“ Zum Beispiel Alexander Eiternick aus Mönchweiler, der sein Haus eigentlich um sein möglichst artgerechtes Schildkröten-Gehege herum baute. Und für ihn gibt es nichts Schöneres, als nach der Arbeit auf der Terrasse zu sitzen und seinen acht griechischen Landschildkröten und einer Breitband-Schildkröte einfach nur zuzuschauen.

Schon als Kind freute er sich an den russischen Vierzehen-Landschildkröten seiner ehemaligen Heimat im Kasachstan, genauer in der Stadt Almatar, nicht weit weg von der chinesischen Grenze. Er hielt sich damals zehn Stück einfach so hinter dem Haus, weil Nachbarn ihm immer Findlinge brachten. „Schildkröten können einem durchs Leben begleiten“, sagt er nachdenklich. Und sogar noch weiter, denn sie können über 100 Jahre alte werden. Alex Eiternick fügt dem auch nachdenklich an: „An diesen Tieren können wir Menschen uns abschauen, wie man ohne Streß sehr alt wird. Sie strahlen einfach Ruhe aus.“ Natürlich schätzt er vor allem die Genügsamkeit an seinen fünf großen Landschildkröten, davon zwei männliche und drei weibliche sowie drei kleinen. Außerdem lebt im Gehege noch eine mittlere Breitband-Schildkröte. Alle ernähren sich von Kräutern und ein paar Blättchen Löwenzahn aus der Wiese.

1989 kam Alex mit seiner Familie nach Villingen und als er während der Ausbildung das erste Geld verdiente, kaufte er sich gleich eine kleine Schildkröte, irgendwie als Erinnerung an seine alte Heimat. Damit verbunden vertiefte er sich immer mehr in eine möglichst artgerechte Haltung dieser Reptilien. Sie brauchen nicht viel zum Leben. Wahrscheinlich begeistern sie deshalb auch immer mehr Menschen im Schwarzwald, wo sie ja als wechselwarme Tierart eigentlich gar nicht hingehören. In der Kälte erstarren Schildkröten, brauchen deshalb ein Frühbeet und Wärme- und Lichtstrahler. Mit den Sonnenstrahlen und Wärme erwachen sie wieder zu Leben. Ein knappes halbes Jahr befinden sie sich also im Winterschlaf. Für Alex Eiternick stand mit dem Bau seines eigenen Hauses in Mönchweiler außer Frage, es nach artgerechten Gesichtspunkten für seine Schildkröten mitzugestalten. Vom Außengehege führt ein kleiner Gang ins Innere des Kellers mit weitläufigen Terrarien für die Übergangszeit und sogar einem eigenen Winterschlaf-Raum – damit die Schildkröten auch wirklich Ruhe haben.

Damit nicht genug. Unter diesen idealen Bedingungen züchtet er auch Schildkröten. Sie legen ihre Eiere in einem speziellen Hügel ab, dann kommen sie in einen Inkubator und dürfen auf keinen Fall bewegt werden. Eiternick: „Der Prozeß, wie eine kleine Schildkröte entsteht, hat mich begeistert.“ Jede Nachzucht bekommt einen vom Regierungspräsidium ausgestellten Paß mit Foto, weil Schildkröten unter das Washingtoner Artenabkommen fallen. Vor allem junge Pärchen und Frauen kommen zu ihm, um sich eine Schildkröte im Garten zu halten. Und manche bringen sie auch zum Winterschlaf wieder in seinen optimalen Keller. Ein paar wenige kleine Schildkröten gibt Alexander Eiternick momentan noch aus der Zucht des Vorjahres ab. Er überwintert die Kleinen einmal und gibt sie dann erst weiter. Bei Interesse einfach Telefon 07721/ 7 49 74 anrufen. 

 

Auch Alexandra Kraus sitzt gerne in ihrem Garten in Niedereschach und schaut einfach nur ihren Schildkröten zu. Sie kann sich an jeder ihrer kleinen Bewegungen begeistern. Die gelernte Einzelhandelskauffrau im Zoofach kennt sich bis ins Detail mit den Lebensbedingungen ihrer Schildkröten aus. Vor allem „Cleo“ ist ihr ans Herz gewachsen, eine russische Vierzehen-Schildkröte, die frei in ihrem Garten herumläuft und als wahre Ausbrecher-Königin gilt. Sie kann sich auch gut vorstellen, einen Schildkröten-Stammtisch als Erfahrungsaustausch einzurichten und für diesen Kreis dann Referenten zu organisieren.  

 

Auch das Herz von Lissy Michna gehört den Schildkröten. Die 13-jährige aus Mönchweiler trinkt morgens ihren Tee aus einer Tasse, bedruckt mit dem Foto ihrer zwei Breitbandschildkröten „Herbert“ und „Hanky“. Und dann geht sie mit ihnen als Fotos bedruckt auf T-Shirts, in die Schule. Auch Lissy weiß genau durch Bücher und dem Internet, was ihre Schildkröten am liebsten mögen. Vor allem so wenig wie möglich angefasst werden. Wer Schildkröten liebt, respektiert deren Natur und streichelt sie nur mit den Augen  - ein sehr ursprüngliches Vergnügen!

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Opas Hirschgeweih

Opa Fritz Hahn hat 1952 den ersten Hirsch in Rheinfelden geschossen - damals eine Sensation! Heute hängt das Geweih mit viel Deko an einem Ehrenplatz im Wohnzimmer. Bild: S. Przewolka

Von Sabine Przewolka

 

Das einzige Andenken an meinen Opa Fritz hängt bei mir im Wohnzimmer: Das Geweih eines gewaltigen Rothirsches mit 16 Enden. Es dient aber nicht nur als Erinnerung an einen Mann, den ich nie richtig kennenlernte. Sondern beweist auch, wie klitzeklein diese scheinbar große Welt doch in Wirklichkeit ist. Und wie sich jeder doch in irgendeiner Weise mit dem anderen verbindet.

Opa Fritz starb schon vor meiner Geburt.  Ich besitze somit keinerlei Erinnerungen an meinen Opa, der in Rheinfelden wohnte und dort in der Friedrichstraße auch starb. Da lag nur dieses prächtige Hirschgeweih im Keller meiner Eltern. Ein bisschen verstaubt. Aber meine Schwester und ich, damals etwa zehn Jahre alt,  schleppten  den ungeraden Sechzehnender über drei Kilometer ins Romäus-Gymnasium, weil die Biologielehrerin gerade Rotwild durchnahm. Beim Rücktransport passierte es dann. Ich kam auf der Treppe in der Kalkofenschule ins Stolpern und fiel mit der Nase direkt in ein Geweih-Ende. Die Wunde blutete stark.  Opas Hirsch konnte ich so nie vergessen, weil ich eine Narbe in der Nase von ihm trage. Vielleicht blieb mir deshalb dieses Geweih immer in Erinnerung, auch als es meine Mutter schon längst weggegeben hatte an eine eng befreundete Jägerfamilie in Westfalen. Wir machten dort immer Ferien in einer Holzhütte mitten im Wald.

Bei einem Besuch fragte ich Jahre später die Familie, deren Jäger schon längst gestorben war, ob ich das Hirschgeweih meines Opas vielleicht wieder zurück haben könnte. Es sei das einzige Andenken an meinen Opa. Und so trat der ungerade Sechzehnender über 500 Kilometer wieder die Rückreise in den Schwarzwald an, wo er ja einst durch die Kugel meines Opas auch sein Leben verlor. Der Hirsch bekam seither einen Ehrenplatz in meinem Wohnzimmer. Unter dem Geweih steht ein Schildchen: „Erleger Fritz Hahn Rheinfelden Revier Schönau i. Schw. 30.11.52“. Wenn ich auf dem Biedermeier-Sofa meiner Oma Liesl gelegen bin, brannten sich diese Infos beim Blick auf Opas Geweih wohl förmlich in mein Unterbewusstsein ein. Als mir Uli Lochar, mein Co-Autor im Online-Magazin „kuckuck“ dann erzählte, er stamme aus Schönau, klingelte es bei mir sofort. „Mein Opa hatte dort sein Jagdrevier.“

Uli Lochar ist ein geborener Reporter und so stöberte er beim nächsten Besuch in Schönau mal bei seinen Freunden nach, ob denn jemand den Jäger Fritz Hahn noch kenne. Und welche Überraschung! Der Name war immer noch ein Begriff: „...weil er den ersten Hirsch in Schönau geschossen hat...“ Der ganze Ort stand damals Kopf, erinnert sich meine Mutter. Eine Sensation! Der Hirsch wurde in den Schaufenstern der umliegenden Metzgereien sogar ausgestellt. Wochenlang beschäftigten sich die Stammtische mit diesem Thema, an denen sehr viel Jägerlatein zu dieser Zeit gesprochen wurde.

 Der ehemalige Bürgermeister  von Schönau, Bernhard Seger, kann sich sogar richtig gut an meinen Opa erinnern. Denn seine Patin, auf Schwarzwälderisch "Gotte" vermietete ihm ein Zimmer in Bischmatt übers Wochenende, wenn er in Schönau zur Jagd ging. Bernhard Segers Vater war der Jagdaufseher meines Opas. Später lud er die ganze Familie immer nach Rheinfelden ein, um den Fasnachtsumzug von seinem kleinen Häuschen aus beobachten zu können.

Rosemarie, die einzige Tochter von Fritz Hahn - heute 89-jährig, topfit  und meine Mutter -  macht in den Pfingstferien dank Uli Lochars Kontakten einen außergewöhnlichen Ausflug an die Quelle ihrer Kindheit. Zu den ehemaligen Schulkameraden in Rheinfelden unterhält Rosemarie noch einen regelmäßigen Kontakt. Auf dem dortigen Friedhof gibt es auch immer noch das Grab von Fritz Hahn und seinem Sohn Hans, der auf tragische Weise an Diphterie starb.  Fortsetzung folgt nach dem Besuch meiner Mutter am 14. Juni in Schönau!   

Das Erinnerungsfoto meines Opas Fritz Hahn, der - eine kleine Sensation - den ersten Hirsch in Rheinfelden mit seinem Dackel Lumpi erlegte.

Plaudern über schöne Kindertage in Oberschlesien

Von Sabine Przewolka

 

Und dann machte doch einer Ernst aus diesem luftig dahingehauchten Satz: „Wir Cousins sollten uns alle mal wieder treffen!“ Und eigentlich dreht sich diese Geschichte nicht darum, dass Menschen, die in ihrer Kindheit schöne Tage zusammen erlebten, sich 40 Jahre später wieder alle an einen Tisch setzen und die Erinnerungen zusammen zurückholen. Und das möglichst nicht zu einer Beerdigung! Es geht auch darum, dass die Wurzeln der Kindheit so tief reichen, dass sie niemals abreißen. Und es geht um das Gespräch Auge in Auge, um ein Umarmen, um gemeinsames Lachen über die Streiche in der Kindheit. Und es geht um die Flucht aus Oberschlesien, den Verlust von Heimat und den Neuanfang in einem fremden Land, ohne die Sprache wirklich zu sprechen. Den typischen Dialekt hört heute immer noch jeder heraus. Und trotzdem geht es auch um die neuen Medien und die Vorteile für die Menschen, weil Bilder, Daten und eigentlich alles so schnell anzuschauen ist.

Natürlich liegen Tablet-PCs  auf dem Tisch mit den abgespeicherten Archivfotos. Aber auch Fotoalben. Hans erzählt von seiner Mutter, die mit 82 Jahren auch so ein Tablet-PC  benutzt und sogar gut damit zurecht kommt. Zusammen mit seiner Frau lebt die Mutter noch mit im Haus, in zwei getrennten Wohneinheiten und fährt sogar noch Auto. Das Zusammenleben sei ein absoluter Gewinn, um ihn herum gibt es seinem Beispiel folgend weitere Mehr-Generationen-Häuser, die alle funktionieren. Einige kommen aus Oberschlesien. Rauden heißt der Ort, an den sich alle Cousins Rainer, Ralph, Maggie, Eva, Sascha, Monika, Hans und Volker  noch gut erinnern können. Er ist cirka 2000 Kilometer weit weg. Und doch so nah. An diesem Abend kommen Geschichten heraus, die sich dort in Kindertagen abspielten und sich unauslöschlich in die Gehirne einbrannten. Den alten Hund ließen sie bei der Flucht nach Westen zurück, weil sie ihn niemals über die Grenzen bekommen hätten. Der Nachbar erzählte später, er habe jeden Abend vor dem Haus gesessen und geheult. Die einen wuchsen dort auf, die anderen kamen später in den Schulferien dorthin zu Besuch. Es gibt Schwarz-Weiß- Fotos aus diesen scheinbar glücklichen Kindertagen. Alle lachen auf den Fotos, sind sonnengebräunt und sehen irgendwie zufrieden aus.

Heute sitzen sich erwachsene Menschen gegenüber und so manche Falte und graues Haar oder auch die ausgefallenen künden davon, dass die Kindheitstage schon lange vorbei sind. Sie sind heute selbst Vater und Mutter und leben und arbeiten in Deutschland, zum Teil weit verstreut. Aber an diesem einen Tag nehmen sich fast alle Zeit, um einen Ausflug in die Kindheit und nach Oberschlesien zu machen. Die dort aufwuchsen, sprechen diesen so typischen Dialekt. Aber es gibt auch Cousins, die schwarzwälderisch reden, weil sie in Deutschland geboren wurden und in Oberschlesien nur in den Ferien durch Wiesen und Wälder tobten. Den ganzen Tag draußen, im Winter Schlitten fahren und Schlittschuh laufen, im Sommer in den Seen baden oder Baumhüten bauen.  Kurz vor diesem Cousin-Treffen  sagen Maggie und Eva noch wie im Chor: „Wir hatten so eine schöne Kindheit, wir kannten keine Langeweile...“ Kinder und Jugendliche von heute seien bemitleidenswert, die in der Flut der Medien untergehen und diese Erlebnisse in freier Natur gar nicht mehr kennen.

Es sitzen auch zwei Kinder am Tisch, tief versunken in die Tablet-PCs  und in Computerspiele. An ihnen rauschen die Gespräche vorbei, das Lachen über witzige Situationen im ländlichen Leben von Rauden.  Zuvor schauten die Erwachsenen noch gebannt darauf, um irgendwelche bekannten Gesichter darauf aus Kindertagen zu erkennen. Das Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Aber vielleicht gelingt es auch den neuzeitlichen Menschen, so ein tiefes Gefühl von Gemeinschaft trotzdem immer wieder durch echte Treffen hin zu bekommen. Das nächste Cousin-Treffen ist jedenfalls schon geplant. Für 2015 am Bodensee. Zum Nachahmen empfohlen! 

     

Das Glück in den wilden Pyrenäen gefunden

Barbara und Günter Wohlfarth mit einem ihrer Hirtenhunde vor ihrem Traumhaus in den südfranzösischen Bergen. Bild: S. Przewolka

 

Von Sabine Przewolka


Von da oben reicht der Blick weit bis zum Horizont über dieses schöne, aber raue Land. An besonderen Tagen sogar bis zum Mittelmeer. Barbara Wohlfart und ihr Mann Günter wandern an diesem klaren Morgen zusammen mit ihren Kleinkindern zu diesem Punkt und verlieben sich. In diese karge Landschaft, in der es nach Lavendel und Rosmarin duftet und trotzdem jeder Grashalm ums Überleben kämpft. In diese Einsamkeit, die so eine überwältigende Ruhe ausstrahlt. Auf der Suche nach dem großen Glück treffen die Wohlfarts Ostern 1980 hier an einem ehemaligen Stall, besser gesagt einem Steinhaufen,  eine Entscheidung. Sie bestimmt ihr gesamtes künftiges Leben. Sie kaufen diesen 12 Hektar großen Flecken Wildnis, auf dem sie noch nicht einmal einen ebenen Platz für ihr kleines Zelt finden. Aber für sie bedeutet es ihr Traum vom eigenen Feriendomizil mitten in den katalanischen Bergen, über 1000 Kilometer entfernt von ihrem damaligen Wohnort in Deutschland. Dort verbringen sie den Rest des Jahres mitten in der Zivilisation einer großen Stadt bei der Arbeit oder im Alltag mit den Kindern.

 Dieses „Ja“ zu einem felsigen, mit wildem Buschwerk überwucherten Land passierte vor über 30 Jahren mitten in den Bergen oberhalb des Dorfes Tuchan im äußersten Süden Frankreichs. Heute leben Barbara und Günter Wohlfart mit zwei Hirtenhunden das ganze Jahr über an dieser Stelle, zu der sie noch weitere 120 Hektar Land dazugepachtet haben. In mehreren selbst gebauten Naturstein-Häusern mit Solarstrom und fließendem Wasser aus ihrer eigenen Quelle. Zusammen mit 104 Ziegen, die alle einen Namen tragen und die Grundlage für streichelzarte Mohair-Produkte von Barbara liefern. Die Wohlfarts blicken auf diese phantastische Aussicht, während sie sich in ihrem Pool erfrischen. Ihr neuestes Bauprojekt. Gerade fertig geworden. Sie fragen sich, wie sie es so lange ohne dieses kleine Schwimmbad ausgehalten haben. Hier oben bedeutet der Pool aber keineswegs Luxus, sondern so etwas wie eine Lebensversicherung. Verheerende  Waldbrände zerstören innerhalb kurzer Zeit große Flächen. Die vom Meerwind angepeitschte Feuerwalze verwandelt alles zu Asche. Eine Flucht in Autos auf Teerstraßen endet oft tödlich, weil die Reifen aufgrund der großen Hitze platzen. Im Pool lagern sofort einsatzbereit 50000 Liter Wasser, die das eigene Leben sowie Hab und Gut im Falle eines Brandes retten können. Einmal bangten die Wohlfarts schon um ihr Lebenswerk. Nur ein paar wenige Meter unterhalb ihres Hauses drehte aber wie durch eine Wunder der Wind und trieb das Feuer in die andere Richtung.

Der Kanton Tuchan (Region Corbieres im Departement Aude), wo am Mont Tauch der Lebenstraum der Wohlfarts in drei Jahrzehnten entstand, zählt zu den am wenigsten besiedelten in ganz Frankreich. Zum Haus der Wohlfarts führt ein einspuriger holpriger Weg. Ob sie ihr wahres Glück hier oben in der Wildnis am Fuße der französischen Pyrenäen gefunden haben? Dieser Frage weichen die Wohlfarts eher aus. „Wir haben typisch deutsche Eigenschaften im Laufe der Jahre schätzen gelernt!“ antworten sie stattdessen. Sie meinen Pünktlichkeit, akkurates Arbeiten und Verlässlichkeit. Ihr Traum vom Ferienhaus und Altersruhesitz in Südfrankreich ließ sich in Wahrheit nur auf dieser Basis verwirklichen. Indem sie nämlich selbst Hand anlegten, vor allem Barbara. Und was sie anpackt, macht sie richtig. Deutsch eben.  Einen Maurer jagte sie nach einem gefährlichen Vorfall von der Baustelle. Sie holte sich in der Bibliothek Sach-Bücher für das Maurerhandwerk und legte selbst los. So entstand im Laufe der Jahre das Haupthaus und ein kleines Gästehaus.

 Hier griff Barbara zu einem  Trick. Ihre Kinder Anna und Florian langweilten sich nämlich da oben in den Bergen, 45 Kilometer vom Meer entfernt. Durch einen Zufall entdeckte Barbara auf ihrem Grundstück einen Steinhaufen, unterhalb einer verfallenen Kirche - wahrscheinlich die achtlos weggeworfenen Steinreste des Bauwerkes. So versprach sie ihren Kindern 5 Centimes pro Stein, wenn sie die Steine an den Zufahrtsweg legen. Abends holte sie sie mit dem Auto und einem Anhänger dann hoch ans Haus. Drei Jahre lang sammelten die Kinder Steine, danach krempelte Barbara die Ärmel hoch und baute mit ihnen das kleine Gästehaus. Als weitere Bauprojekte folgten bis heute Barbaras Atelier und ein Stallgebäude für die alten und kranken Ziegen sowie die Muttertiere und ihre Jungen. „Ich bin dankbar für alles, was mich umgibt“ umschreibt Barbara ihre achtsamen Pläne für die Bauten, damit sie die Natur möglichst  nicht stören.

Hier am Mont Tauch pulsiert das wahre Herz von Barbara Wohlfart. Stets folgte sie ihrem Mann Günter mit den Kindern, der in Deutschland Karriere als Philosophie-Professor und Dekan macht. Neben ihrem Hausfrauen- und Mutterdasein hält sie Milchschafe und entdeckt ihr Talent als Kunsthandwerkerin. Sie verarbeitet die Produkte zu Käse und schönen Pullis. Schließlich kauft sie 13 halbverhungerte Angora-Ziegen, die eine hervorragend gute Qualität von Mohair liefern. Damit steigt sie ein in den Markt der weichesten Edelwolle dieser Welt und macht sich unter „Le Mohair du Tauch“ einen Namen mit ihren Pullis, Jacken, Ponchos und Schals. Doch in Deutschland leiden die Angora-Ziegen unter der feuchten Witterung - die Klauen faulen. Und so entschließt sich Barbara – ihre Kinder sind jetzt erwachsen und aus dem Haus -  erst einmal allein mit ihren Tieren nach Südfrankreich in die trockenen Berge umzuziehen. Im Laufe der Jahrzehnte entstand ja dort eine rustikale Bleibe für Mensch und Tier. Wasser und Strom  bekommen die Wohlfarts durch eine  ausgeklügelte Technik. Drei Jahre führt Barbara mit ihrem  Mann Günter eine Fernbeziehung: „Eine gute Erfahrung. Denn man weiß erst, was einem fehlt, wenn es nicht da ist...“ Erst als Günter in den Ruhestand eintritt, verkauft er alles in Deutschland und folgt seiner Frau nach Frankreich.

Barbara schert ihre Angoraziegen in einem speziellen Bauchgurt zur Entlastung des Rückens selbst und sortiert danach die Wolle nach den verschiedenen Qualitäten. Sie bleibt sogar über Nacht in der Wäscherei, um auch wirklich sicher zu sein, dass sich keine fremden Fasern unter „ihr Gold“, wie sie ihr Mohair nennt, mischt. Auch bei der Spinnerei legt sie höchste Ansprüche an sauberes Arbeiten. Diesbezüglich sieht die Zukunft düster aus. Um ihre hohen Ansprüche an Qualität zu verwirklichen, muss sie vor dem Färben mit Naturfarbstoffen auch wieder das Spinnen übernehmen und künftig wohl alles selbst  machen – genauso wie am Ferienhaus.

Ihre ganze Passion, ja ihr halbes Leben steckt in dieser Ziegenzucht am Mont Tauch. Sie möchte auch in Zukunft ihrem Motto treu bleiben: „Es muss vor allem Freude machen.“ Die Wohlfarts leben zwar seit 30 Jahren zuerst nur in den Ferien, jetzt ganzjährig im  katalanischen Südfrankreich und erlernten mühsam den dortigen Dialekt. Sie fühlen sich dort akzeptiert, aber immer noch nicht als Südfranzosen. Bis heute können sie sich nicht mit deren Mentalität abfinden, zu einem verabredeten Abendessen ein bis zwei Stunden ohne Entschuldigung zu spät zu kommen – oder gar nicht! „Wir haben hier einen kosmopolitischen Freundeskreis“, erzählen die Wohlfarts. Barbara beantragt die doppelte Staatsbürgerschaft. Aber ist es überhaupt wichtig, irgendwann in der Fremde anzukommen? Oder nicht viel besser, sein eigenes Ich zu suchen und zu finden? Barbara, 61 Jahre alt, hat das auf jeden Fall geschafft.

 

Kontakt

Direkter Kontakt nach Frankreich: Barbara Wohlfart, Bergerie de Chauvette, F-11350 Tuchan, Telefon 0033/(0)468458912, E-Mail lemohairdutauch@gmail.com, Homepage www.le-mohair-du-tauch.com.

Badia Azabo lebt und arbeitet als Künstlerin sowie Innenraum-Gestalerin in Villingen. Zur Zeit stellt sie ihre Werke in einer Stuttgarter Galerie aus. Bild: S. Przewolka

Überwältigende Farben nicht von dieser Welt

 

Von Sabine Przewolka

 

Dieses Rot sprengt das Auge. Es wirkt fast außerirdisch, nicht von dieser Welt - so intensiv und extrem. Aber Badia Azabo, die nach ihrer Heirat Ihlenfeld heißt, aber weiter unter ihrem Mädchenamen Kunst macht, malt es, indem sie ihre Beine fest ineinander verschlingt. Tief über die Leinwand gebückt, als wenn sie sich dabei auf der Erde festknoten wolle. Und so bleibt sie in ihren Bildern doch auf dem Boden, auch wenn die Farben ganz bestimmt aus Phantasiewelten stammen. Denn diese warmen wundervollen Farbtöne dienen nur als Hintergrund. Vorne spielt sich das wahre Leben ab. Die ,,Toubabs“, wie Badia Azabo liebevoll ihre Figuren nennt, umarmen sich innig vereint auf ihren großflächigen Bildern, sie sitzen gemeinsam in der Badewanne oder hetzen mit wehenden Haaren und Handtäschchen vorüber. ,,Toubabs“ heißen die weißen Menschen in Afrika. Badia – Freunde nennen sie ,,Didi“ besitzt durch ihre marokkanischen Eltern Wurzeln aus Afrika. Und auf diesem warmen Kontinent schlägt einfach ein anderes Herz. Didis Bilder strömen dieses Lebensgefühl aus, die intensiven Farben besitzen eine außergewöhnliche Lebensfreude. Kein Wunder, dass sich immer mehr Menschen hier auf dem kalten Kontnent einen Azabo ins Wohnzimmer oder hinein in die Arbeitswelt holen… Oder anschauen. Zum Beispiel noch bis 30. August in der Stuttgarter Galerie „Bovistra“ der beiden Fotografen Ralf Wehrle und Uwe Frank, die in Mönchweiler ihr Studio „Black & White“ betreiben. Öffnungszeiten: Freitags von 14.30 bis 18.30 Uhr oder nach Absprache. Titel: „Amour“ – auf französisch heißt das Liebe. Im September stellt die 40-jährige Künstlerin wieder im Technologiepark am Krebsgraben 15 in Villingen aus, wo sich auch ihr Atelier befindet und im Oktober in der Firma Bauer in Donaueschingen. Das Onlinemagazin "Kuckuck" wird weiter berichten!

Badia Azabo lebt und arbeitet in Villingen – zuerst als Künstlerin. Sie macht ihren Traum wahr und sagt heute voller Stolz: ,,Das habe ich alles ganz alleine geschafft.“ Sie überlegt einen Moment und fügt dem mit einem Lachen an: ,,…ohne einen Mann oder irgendjemanden anderen, nur ich.“ Ihr eigenwilliger Lebenslauf beginnt schon als Kind. Sie bastelt für ihr Leben gern. Sie macht Abitur und bewirbt sich für ein Studium der Kunstgeschichte. Ein Fehlgriff, wie sich schnell herausstellt. Die pure Theorie liegt ihr nicht: ,,Ich bin mehr die Schafferin.“

An der Uni liest sie zufällig eine Zeitung und sieht eine Annonce. So kommt die in Grenoble/ Frankreich geborene "Didi"  in den verschneiten Schwarzwald als Aupair. Sie blickt heute auf diese Zeit zurück und meint: ,,Ich habe nie Angst gehabt, es nicht zu schaffen – in einem fremden Land, ohne die Sprache zu verstehen.“ Sie habe sich nur einfach frei gefüllt. Sie lebt für ihre Kunst, bewirbt sich an der Kunstakademie in Stuttgart. Sie wird abgelehnt, weil sie schon zu gut malt, wie ihr gesagt wird. Die Akademie will junge Talente, die ihren Stil noch nicht gefunden haben.Didi ist da ganz klar weiter.
Ihre ,,Toubabs“ sprechen eine klare Sprache. ,,Das bin ganz ich“, schwärmt Badia von ihren eigenen Werken. Das ist Power pur. Und doch experimentiert sie ganz gerne, wagt sich in filigrane Geduldsarbeiten voller farbenprächtiger interessanter Details, manchmal goldumrahmt, hinein. Und kaum steht der Betrachter zwei Meter weit weg, formieren sich diese Einzelteile wieder zu einem harmonischen Ganzen zusammen. Badia Azabo lebt zu dieser Zeit ein Künstlerleben, aber ein hartes. Jeden Morgen steht sie um 7 Uhr auf und arbeitet. Stundenlang, mit verknoteten Beinen und versunken in anderen Welten.
,,Da bin ich völlig weg beim Malen“, erzählt sie. Ihre Wohnung in der Villinger Altstadt, direkt am Oberen Tor, dient ihr und ihrer Familie mit Mann und zwei kleinen Kindern als Wohnraum. Ihr Atelier und Ausstellungsräume befinden sich im Technologiezentrum im Villinger Krebsgraben 15.  Niemand zuvor wollte in der heruntergekommenen Wohnung neben dem Oberen Tor wohnen. ,,Ein schwarzes Loch“, beschreibt Didi den Urzustand. In Eigenarbeit machte sie daraus eine gelungene Kombination zwischen alt und neu, fast ein Paradebeispiel für die Zeitschrift ,,Schöner Wohnen“ und der Start für eine neue Karriere. Mittlerweile wird deshalb ihr Rat als Innenraum-Gestalterin geschätzt. Sie besitzt auch dafür ein Auge. Und auch einen Kopf. Die Handwerker können ein

Liedchen davon singen. Denn Badia Azabo erwartet von sich Perfektion und auch von anderen. Sie gibt sich nicht mit Halbherzigem zufrieden. An ihren Bildern arbeitet sie so lange, bis jedes Detail und jeder Farbton genau stimmen. Und dann steht der Betrachter staunend vor diesen großflächigen Kompositionen, die Raum und Zeit verlassen. Und genauso gestaltet sie Wohn- und Arbeitsräume. Mittlerweile nutzen viele Unternehmer ihr Talent, eine Atmosphäre mit dem gewissen Etwas zu schaffen. Ihre Bilder mit den überwältigenden Farben gibt sie in diese Räume als Leihgabe. Bald wartet eine neue Herausforderung auf Didi. Zusammen mit ihrem Mann will sie ein eigenes Haus bauen.

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